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Der Kreissparkassen-Vorstand: (v.l.) Richard Arnold, Alexander Schmitz, Herwig Skalitza und Michael Lautenbacher.

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Alles steigt, nur der Gewinn nicht

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Schongau - Rekord bei der Bilanzsumme mit 801 Millionen Euro, starke Steigerungen bei Kreditausgaben und Kundeneinlagen – die Kreissparkasse Schongau kann für das Jahr 2015 beeindruckende Zahlen vorlegen. Doch wegen der anhaltenden Niederigzinsphase bleibt immer weniger hängen, der Gewinn sank erneut um rund acht Prozent auf 876 000 Euro. Filialschließungen sind derzeit aber kein Thema.

225 Sparkassen-Filialen droht dieses Jahr in Bayern das Aus – mit dieser Zahl schockierte Ulrich Netzer, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, Anfang März Kunden und Mitarbeiter. Bei der Kreissparkasse Schongau blieben Chef Alexander Schmitz und seine Vorstandskollegen dagegen ganz ruhig. „Keine Ahnung, woher er die Zahl hat“, witzelte Vorstandsmitglied Michael Lautenbacher bei der Bilanz-Pressekonferenz.

Bei der Kreissparkasse Schongau zumindest gebe es keine aktuellen Planungen in dieser Richtung, „auch wenn wir natürlich alles im Blick haben“, so Schmitz. Aber die Filialen seien „die Wurzeln unseres Geschäftsfelds“, wie Lautenbacher bildlich sagte. Da überlege man sich zweimal, ob man nicht mit anderen Maßnahmen wie geteilten Öffnungszeiten von Nachbarfilialen besser fahre, wie es bereits in der Vergangenheit der Fall war. Außerdem habe man nicht nur in Filialen in Schongau und Peiting investiert, sondern auch ländliche Geschäftsstellen wie in Böbing und Bad Bayersoien modernisierte, Hohenpeißenberg soll im neuen Schächen-Gebäude folgen.

Die reinen Zahlen der Kreissparkasse waren zum größten Teil hervorragend

Die Bilanzsumme kletterte um fast fünf Prozent erstmals auf über 800 Millionen Euro, die Ausleihungen stiegen um 26 auf 531 Millionen Euro. 160 Millionen Euro waren Kredit-Neuzusagen, wovon rund die Hälfte in gewerbliche Investitionen floss und der Rest in private Immobilien und private Anschaffungen.

Apropos Immobilien: Trotz der absoluten Niedrig-Bauzinsen hat die Kreissparkasse zuletzt eine leicht sinkende Bautätigkeit von Privatleuten festgestellt. Aber nicht, weil kein Interesse da wäre – ganz im Gegenteil: „Die Leute wollen verzweifelt bauen, finden aber nichts im Schongauer Land“, so Lautenbacher. „Es ist zu wenig Bauland da“, bestätigte Vorstandskollege Herwig Skalitza. Größere Baugebiete wie in Peiting am Wellenfreibad brauchen noch einige Zeit. Und auch wenn im Schongauer Land die Preise spürbar angezogen haben: „Wir sind ebenso am Münchner Wohnungsmarkt aktiv, wenn Hiesige dort etwas kaufen wollen, und das ist drei bis zehn Mal so teuer“, so Skalitza.

Deshalb ist, trotz „mikroskopisch niedriger Zinsen“, auch das klassische Anlagengeschäft mit 585 Millionen Euro (+30) weiter im Steigflug. Wobei es bei der Kreissparkasse tatsächlich einen Trend vom Sparbuch zur Aktie gibt, was traditionelle Sparer sonst gerne meiden. Doch sonst droht ein Wertverlust des Geldes. Wichtig sei dabei eine gute Beratung: „Die war noch nie so wichtig wie heute“, sagt Vorstandsmitglied Richard Arnold.

Ergebnis ist mehr als zufriedenstellend

Weil die Gewinnmarge für die Banken immer geringer wird, kann Schmitz mit dem Ergebnis von 876 000 Euro gut leben. „Das ist bei den schwierigen Rahmenbedingungen mehr als zufriedenstellend.“ Trotzdem müsse man an einigen Stellschrauben drehen. So wurden die Kosten beim Girokonto erhöht, ausscheidende Mitarbeiter (Stand: 195) werden zum Teil nicht ersetzt. Nur so könne die Eigenkapitalquote von derzeit mehr als 16 Prozent stabil gehalten werden, die der Kreissparkasse das nötige organische Wachstum erst ermöglicht. „Da danke ich auch dem Verwaltungsrat“, so Schmitz. Der unterstütze die Geschäftspolitik nachhaltig und verzichte beispielsweise auf durchaus mögliche Ausschüttungen an die klamme Landkreis-Kasse.

Doch wie steht es mit der Eigenständigkeit der Kreissparkasse Schongau? Bekanntlich ist im November die Fusion mit den Sparkassen in Weilheim und Garmisch-Partenkirchen an den Werdenfelsern, die die Idee erst aufgebracht hatten, gescheitert. „Das war wegen des Zeitdrucks für uns eine große Herausforderung“, erinnert sich Schmitz. Aber das sei zuerst eine Sache des Verwaltungsrats, derzeit gebe es keine Gespräche in dieser Richtung. Doch ein Gutes hatte die damalige Diskussion: „Wir hatten viele positive Reaktionen unserer Kunden gehabt“, so Arnold. „Die hatten Sorgen, etwas zu verlieren. Das hat gut getan.“

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