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Im Herzstück der Tagesklinik: Dr. Mareen Bakemeier und die Medizinische Fachangestellte Anja Schkölzinger.

tagesklinik am schongauer Krankenhaus

Den Schmerz aktiv besiegen

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Schongau - Ein Jahr Tagesklinik für Schmerztherapie am Krankenhaus Schongau – Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Knapp 90 Patienten haben die Behandlungsmethode bereits in Anspruch genommen. Und es sollen noch viele mehr werden, wenn es nach Leiterin Dr. Mareen Bakemeier geht.

Wenn der Schmerz ein Boot ist, soll der Patient der Kapitän werden. Das ist das zentrale Ziel der Tagesklinik für Schmerztherapie am Schongauer Krankenhaus. Hier geht es nicht darum, zu betäuben, sondern etwas zu tun. Und trotz Schmerzen wieder ein erfülltes Leben führen zu können.

„Unser Medizinschrank ist übersichtlich“, sagt Dr. Petra Schwinn, Oberärztin der Tagesklinik. Stattdessen wird mit Physio- und Psychotherapie sowie ganz viel Bewegung versucht, das Problem aktiv anzugehen. „Die Patienten kommen mit chronischen Schmerzen, zum Beispiel an Kopf, Wirbelsäule oder Nerven“, so Dr. Bakemeier. In einer zweitägigen Diagnostik wird der Patient dann durchgecheckt und ein Behandlungsangebot erstellt. „Man muss schon auch bereit sein, soviel Zeit zu investieren“, so die Ärztin.

In einer Gruppe von acht Personen verbringen die Patienten fünf Wochen täglich von 9 bis 16.30 Uhr in den neu gestalteten Räumen. Zur Behandlung gehören auch Nordic Walking, progressive Muskelentspannung und der Besuch im Fitnessstudio. „Wir möchten den Menschen einen Fahrplan für die Zeit nach der Therapie mitgeben“, so Dr. Bakemeier. Denn nach den fünf Wochen geht es daheim eigentlich erst richtig los. Langfristigen Erfolg hat nur der, der weitermacht, sich nicht wieder zurückzieht. Ein Teufelskreis, der nicht erneut in Gang gebracht werden darf. So berichten die Ärzte, dass Schmerz-Geplagte oft isoliert leben. Sie versagen sich unter anderem, Kontakte zu pflegen, weil sie zum Beispiel nicht mehr so lang sitzen können. „Wir möchten den Menschen etwas an die Hand geben, wie sie es trotzdem bewältigen und wieder raus gehen können“, betont Schwinn.

Nach sechs bis neun Monaten wird der Zustand des Patienten überprüft

Junge Erwachsene bis über 90-Jährige nehmen die Hilfe in Schongau in Anspruch. Im Durchschnitt sind es die 40- bis 50-Jährigen, die diesen Weg wählen. Neben den Intensivgruppen wurde im Herbst noch eine zusätzliche Seniorengruppe gegründet. Um Kräfte zu sparen, arbeiten die älteren Teilnehmer nicht an fünf, sondern an zwei Tagen in der Klinik an ihrer Gesundheit. Allerdings dann über drei Monate hinweg. Nach sechs bis neun Monaten wird der aktuelle Stand abgerufen, eventuell noch eine Auffrischungswoche angeboten.

Wie Dr. Bakemeier sagt, sorgen derartige Programme nicht nur für mehr Lebensqualität, sie sparen auch Krankenkassen und Staat Geld. Stichwort Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung: „Pilotprojekte haben gezeigt, dass viele Patienten nach der Therapie wieder ins Berufsleben zurückkehren können“, so Dr. Bakemeier.

Der Ärztin, die eigentlich aus der Anästhesie kommt, ist die Arbeit am Schongauer Krankenhaus ein Bedürfnis. „Mich reizen vor allem der ganzheitliche Ansatz und die Zeit für den Patienten“, betont Dr. Bakemeier. Umso besser, dass sie vom ersten Tag mit dabei war, ihre Wünsche mit einbringen konnte. Auch was die benötigten Räumlichkeiten angeht. „Bei uns geht es nicht steril zu, eine wohnliche Atmosphäre ist wichtig, in der man sich wohl fühlt“, betont sie.

Beim Aktionstag können sich Interessenten informieren

Insgesamt 26 derartige Einrichtungen gibt es mittlerweile in Bayern. Der Freistaat ist damit bundesweit führend in der tagesklinischen Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen.

Zeitgleich zum einjährigen Bestehen begeht die Deutsche Schmerzgesellschaft den alljährlichen Aktionstag gegen den Schmerz. Oberärztin Dr. Schwinn hält den Vortrag „Schmerztherapie gestern und heute“ am Dienstag, 7. Juni, 18 Uhr, im Vortragsraum im Klinikum Schongau. Anschließend kann die Tagesklinik besichtigt werden.

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