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Gruppenbild beim Empfang: Die Begünstigten mit Boneberg-Chef Michael Walk (l.) und SN-Redaktionsleiter Boris Forstner (r.)

Spendenaktion

Dankesworte unter Tränen

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Es sind jedes Jahr ergreifende Momente, wenn im Büro von Michael Walk, dem Chef der Schongauer Metzgerei Boneberger, alle Begünstigten zusammenkommen, die in der Vorweihnachtszeit eine dringend benötigte Finanzspritze von insgesamt 15 000 Euro erhalten. Da fließen schon mal Tränen.

Schongau – „Ich bin froh, dass es so tolle Menschen gibt wie Sie. Das ist ein unvergesslicher Tag für die ganze Familie, das hätte ich nie zu hoffen gewagt“, sagte Friederun Semle und wischte sich die Tränen aus den Augen. Auch Angelika Flock fand es „so toll, dass Sie das machen, herzlichen Dank. Sonst könnte es sein, dass wir irgendwann nicht mehr weitermachen können.“

Bei den Worten der alleinerziehenden Mutter Semle und von Flock, Vorstandsmitglied vom „Netz gegen sexuelle Gewalt“, wurde Boneberger-Chef Michael Walk ganz verlegen. Für ihn sei es eine Selbstverständlichkeit, in der Region etwas zurückzugeben, in der sein Metzgerei-Unternehmen seinen Sitz hat. „Und auch bei uns gibt es viele Menschen, die der Hilfe bedürfen.“ Es bewege ihn jedes Jahr tief, wenn er die Briefe und Mails lese, die zum Teil von Freunden und Nachbarn eingeschickt werden. „Da muss ich oft schlucken, das erdet einen wieder.“ Auch vor den vielen Ehrenamtlichen, die sich mit ganzem Herzen für ihr Anliegen einsetzen und ebenfalls einen Teil des Geldes bekamen, habe er höchsten Respekt, sagte Walk.

- Von einer Bekannten ist Friederun Semler vorgeschlagen worden, sie wusste davon nichts – und war überwältigt. „Das tut richtig gut“, sagte sie über die 2000 Euro, die sie erhält. Die alleinerziehende Mutter von vier Kindern im Alter von acht bis 17 Jahren (das älteste ist Autist) lebt ein einem schlecht isolierten Einödhof nahe Forst, zahlt Unmengen an Heiz- und Stromkosten, es fehlt einfach an allen Ecken und Enden.

Boneberger-Chef Michael Walk bei seiner kurzen Rede vor einem Teil der Spendenempfänger.

- Fast identisch klingt die Geschichte von Yvonne Schleuchardt aus Burggen: Alleinerziehende Mutter von sogar fünf Kindern, ebenfalls eins Autist, die Kleinen sind Drillingsmädels – kein Wunder, dass sie sich mit Friedrun Semle beim Übergabetermin bestens verstanden hat. Auch sie ist von bekannten vorgeschlagen worden, die der Meinung waren, dass die Familie etwas Unterstützung brauchen kann. „Ich habe erst eine Nacht gebraucht, um das alles zu verarbeiten“, sagt Schleuchardt zu den 1500 Euro, die sie erhält. Besser hätte der Zeitpunkt nicht sein können: Am Mittwoch ging auch noch ihr Auto kaputt.

- Dass sie eine Kämpferin ist, hat Christine Kuisel aus Schwabbruck schon oft bewiesen. Die dreifache Mutter ist an der heimtückischen Nervenkrankheit ALS erkrankt, seit seit einigen Jahren im Rollstuhl, doch hat Energie für zwei: Sie hat den Verein Rolliwelten gegründet, der seit Jahren einen Inklusions-Aktionstag in Schongau auf die Beine stellt, engagierte sich im Teilhabebeirat des Landkreises für Menschen mit Behinderung und hat für ihren Einsatz schon den Sozialpreis des Bezirks Oberbayern erhalten. Doch seit mehreren Wochen liegt Kuisel im Krankenhaus, die Krankheit macht sich jetzt auch an den Händen bemerkbar und hat die Atmung befallen. „Schön, wenn man einmal etwas zurückerhält, ich freue mich wirklich“, sagte sie über die 2000 Euro, die sie erhält und die Betreuung ihrer zwei kleineren Kinder einfacher macht. In Kuisels Vertretung war ihre Freundin Renate Weihtrager da, die ebenfalls im Rollstuhl sitzt.

- Beppo Miller aus Altenstadt ist selbst ehrenamtlich in der Rumänienhilfe engagiert, doch als er vor einigen Wochen Kontakt mit dem Kinderheim St. Hedwig in Böbing hatte, erfuhr er, dass dort ein akuter Bedarf an Winterschuhen, -bekleidung sowie Spielzeug und Fahrrädern besteht. Dafür stellt Michael Walk 1000 Euro zur Verfügung.

- Ganz fix war Anja Halbmeyer von der Lebenshilfe Polling: Sie hatte von einer Arbeitskollegin von der Spendenaktion erfahren und sich schon vor dem Zeitungs-Aufruf beworben, um Geld für dringend benötigte Gartenmöbel zu erhalten. Auch dafür gab es 1000 Euro.

- Ein schweres Schicksal hat Richard Hauer aus Penzberg getroffen. Der 68-Jährige hatte einen Malerbetrieb, musste ihn aber aus gesundheitlichen Gründen aufgeben und ist seitdem schwerbehindert. Auch die Ehe ist durch die Probleme zerbrochen. Hauer bekommt nur eine monatliche Rente von 670 Euro und hatte im Januar einen Antrag auf Sozialhilfe gestellt sowie auf eine Wohnung, doch passiert ist bisher nichts – er musste jetzt sogar eine Anwältin einschalten, die Klage gegen das Sozialamt eingelegt hat. Das Problem: Wegen Mietrückständen muss Hauer Ende des Jahres aus der Wohnung sein, ihm droht die Obdachlosigkeit. Doch seine Schwiegermutter hält trotz der Scheidung weiter zu ihm, hat ihn für die Spende vorgeschlagen – mit den 2000 Euro kann Hauer etwas optimistischer in die nächsten Wochen schauen.

- Das „Netz gegen sexuelle Gewalt“ bietet Hilfe für Kinder und Jugendliche, denen sexuelle Gewalt widerfahren ist oder widerfährt. Die Beratungsstelle finanziert sich ausschließlich durch Fördergelder von zwei Stiftungen, die aber laut Angelika Flock auslaufen –“eine Weiterfinanzierung ist noch nicht gesichert“, sagte sie. Auch dafür gibt es 1000 Euro.

- Völlig überrascht wurde das Kindernest Schongau von der 1000 Euro-Spende – die Mutter eines Kindes hatte sich für die Einrichtung beworben, die Verantwortlichen erfuhren erst am Tag der Spendenüberreichung davon. Beim Kindernest arbeiten die Eltern aktiv in der Betreuung und Organisation mit. Weil die Einrichtung in einer ehemaligen Wohnung des Kindergarten St. Franziskus untergekommen ist, ist das Bad nicht kindergerecht – für Nutzung von Waschbecken und WC braucht es immer Hocker. Jetzt ist ein Umbau des Bades in Planung, dafür ist die Spende gedacht.

- Die Weilheimer Musikpädagogin Christine Winkler veranstaltet jedes Jahr ein Benefizkonzert zugunsten der Weilheimer Caritas. Doch weil sie dieses Jahr wegen familiärer Angelegenheiten stark gefordert war, fiel das Benefizkonzert aus, der Caritas fehlte also Geld „für die wertvolle gesellschaftliche heimatbezogene Arbeit“, so Winkler. Deshalb wandte sie sich an die Heimatzeitung, ob nicht die Boneberger-Spende einspringen kann – sie konnte und stellte 1000 Euro zur Verfügung.

- In ihrer Zeit als Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft hat die Weilheimerin Petra Stragies die Iffeldorferin Gabriele Schmidt eingestellt, die sich als absolute Verstärkung erwiesen habe. Doch aufgrund einer Rheuma-Erkrankung, die lange nicht erkannt wurde, kann sie seit zwei Jahren nicht mehr arbeiten. Stragies setzte sich erfolgreich für sie ein, Schmidt erhält 500 Euro.

- Anonym will eine 76-jährige Rentnerin aus Schongau bleiben, deren Fernseher kurz vor Weihnachten kaputtgegangen ist und die sich keinen neuen leisten könnte. Eine Freundin hatte sie deshalb für die Boneberger-Spende vorgeschlagen, für die Rentnerin gab’s ebenfalls 500 Euro.

- Kurios war der Fall von Monika Steinbauer: Die schwerbehinderte Schongauerin (55), die an ihrer feuchten Wohnung gesundheitlich leidet und deren Elektrogeräte zuletzt der Reihe nach den Geist aufgegeben hatte, war von einem Bekannten vorgeschlagen worden, der aber weder seine noch ihre Telefonnummer angegeben hatte. Deshalb konnte sie nicht rechtzeitig zur Spendenübergabe erreicht werden und hatte sich erst gestern selbst gemeldet – die 1500 Euro, die für sie vorgesehen waren, bekommt sie natürlich trotzdem.

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