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Bei der Spendenübergabe: (v.l.) Boneberger-Chef Michael Walk, Andrea Nagel, Janine Weigelt, Josef Hiltensberger, Elke Keller, Georg und Christin Strauß, Florence Loos mit Betreuer Manfred Kugler, Michael Boos, Max Geiger und SN-Redaktionsleiter Boris Forstner. 

Boneberger-Spendenaktion

„Ich bin froh, dass ich noch lebe“

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Schongau – Hoffnung, Dankbarkeit, Freude – es ging emotional zu, als gestern die 15 000 Euro Spenden verteilt wurden, die die Metzgerei Boneberger in Zusammenarbeit mit den Schongauer Nachrichten zur Verfügung stellt. „Einen Scheck auszustellen, ist einfach, wenn es einem gut geht“, sagte Boneberger-Chef Michael Walk zu den Empfängern. „Sie haben es ungleich schwerer.“

Bereits zum fünften Mal stellt die Metzgerei Boneberger 15 000 Euro zur Verfügung, um vor allem Menschen in Notlagen zu helfen, aber auch Institutionen und Vereinen Projekte zu ermöglichen, die ansonsten nicht umsetzbar wären. Für viele kam der Geldsegen überraschend – sie wussten nicht, dass Nachbarn, Bekannte oder Freunde sie bei den SN vorgeschlagen haben. „Wir geben viel Geld für Menschen in fernen Ländern aus, und das ist auch gut“, sagte Walk. „Aber man darf nicht vergessen, dass es auch bei uns Bürger gibt, die Hilfe brauchen.“ Er sehe seine Verpflichtung für die Region und wolle den Menschen in der Heimat etwas zurückgeben. „Denn man weiß nie, was morgen ist“, so Walk.

„Ich bin froh, dass ich noch lebe.“ Der 35-jährige Georg Strauß aus Peiting muss schlucken, eine Träne rinnt aus seinem rechten Auge. Das Auge, mit dem er nie wieder sehen wird. Der 21. November hat sein Leben aus den Fugen geworfen. Der Lkw-Fahrer war an diesem Montagnachmittag mit einem Gefährt seines Arbeitgebers, der Firma Drosdz, unterwegs, als ihm ein VW-Bus mit Anhänger entgegenkam, bei dem sich die Seitenklappe geöffnet hatte. Die schlitzte die Führerkabine auf, Strauß hatte keine Chance. Bis heute weiß er nicht, ob ihn die Klappe direkt getroffen hat oder er durch berstende Trümmer und Splitter so schlimm verletzt wurde, er hat keine Erinnerung an den Unfall. Mit schweren Kopfverletzungen kam Strauß ins Krankenhaus, die Ärzte kämpften um sein Augenlicht – vergeblich.

Seit vergangenen Freitag ist er wieder daheim, doch er muss sein Leben auf völlig neue Beine stellen, um weiter für Ehefrau Christin (32) und die beiden vier und zwei Jahre alten Kinder sorgen zu können. Denn einen Lkw wird er nie wieder steuern dürfen. Zum Glück unterstützt ihn sein Arbeitgeber, bei dem er erst kürzlich sein zehnjähriges Dienstjubiläum feiern konnte. „Ich kann auf jeden Fall weiter dort arbeiten, vielleicht als Bagger- oder Staplerfahrer“, sagt Strauß. Vorher muss er aber gesund werden, denn allein das Gehen mit nur einem Auge ist völlig anders. Für die schweren nächsten Wochen und Monate tun die 5000 Euro Spende richtig gut.

Noch im September war alles in bester Ordnung bei Familie Hiltensberger, die in Steingaden-Riesen eine Landwirtschaft mit rund 20 Milchkühen betreibt. Der 53-jährige Josef, bereits Vater von drei erwachsenen Kindern, und seine Frau Martina (41) bekamen ein Kind. Doch wegen eines Missverständnisses weigerte sich die Landwirtschaftliche Alterskasse, die Kosten für eine Betriebshelferin zu übernehmen, die die Mutter sechs Wochen lang bei der Stallarbeit vertreten hatte. „Jetzt kam die Rechnung über 2000 Euro“, sagt er. Wegen des schlechten Milchpreises, der alle Rücklagen aufgefressen habe, wusste er nicht, wie er das bezahlen sollte. Zudem ist seine Frau direkt nach der Geburt schwer an der Lunge erkrankt, die Ursache liegt offenbar am Herzen – genaueres weiß Josef Hiltensberger noch nicht. Seine Frau kann also auf absehbare Zeit nicht in der Landwirtschaft helfen. „Eigentlich bräuchte ich wieder eine Betriebshilfe. Aber wenigstens können wir in Ruhe Weihnachten feiern“, sagt der 53-Jährige. Denn die 2000-Euro-Rechnung wird durch die Spende bezahlt.

Weihnachten feiern im Kerzenlicht ist schön – doch bei Florence Loos aus Seeshaupt kam bei diesem Gedanken keine Freude auf. Denn ihr drohte, der Strom abgedreht zu werden. Die alleinerziehende Mutter eines herzkranken Kindes (10) kann ihren Beruf als Kindergärtnerin aus psychischen Gründen nicht mehr ausüben und ist auf Hartz IV angewiesen. Zwar jobbt sie in der Gastronomie, doch das fiel zuletzt weg, weil sie wegen eines Tumors mehrere Klinikaufenthalte hatte. Weil das Jobcenter, das für die Miete aufkommt, eine Nebenkostenrückzahlung als Einnahmen von der Mietzahlung abgezogen hat, gleichzeitig aber der Vermieter, die Wohnbau, die Zahlung mit früheren Mietschulden verrechnet hatte, droht früher oder später die Kündigung. Noch drängender sind die fehlenden Abschlagszahlungen beim Energieversorger. Ihr gerichtlich bestellter Betreuer, Manfred Kugler aus Altenstadt. hat mit vielen Schreiben bisher das Schlimmste verhindert. Doch früher oder später wäre der Strom weg gewesen – wenn nicht die Metzgerei Boneberger gekommen wäre. Die übernimmt beide Rechnungen in Höhe von rund 900 Euro. Ohne diese finanzielle Belastung und nach überstandener Krankheit will Loos im neuen Jahr eine Umschulung zur Altenpflegerin angehen, um wieder auf eigenen Beinen stehen zu können.

Auch wenn er täglich mit toten Tieren zu tun hat, liegt Michael Walk das Tierwohl am Herzen. Deshalb ist eine 1000-Euro-Spende fürs Tierheim für ihn kein Widerspruch. Und Leiterin Elke Keller und Janine Weigelt, Leiterin des Tierschutzvereins, können bei den anstehenden Aufgaben jeden Cent gut gebrauchen. Unter anderem müssen der komplette Kleintierbereich sowie die Katzen- und Hundequarantäne neu gemacht werden. „Es haben sich viele Bestimmungen geändert. So müssen wir zum Beispiel alle Holz- gegen Kunststofffenster austauschen“, sagt Weigelt.

Je 500 Euro bekommen schließlich noch die Vereine Support und Treibhaus. Support hat vor exakt einem Jahr das Haus4You eröffnet, einen Begegnungstreff, der toll angelaufen ist – „vor allem bei der wöchentlichen Radlwerkstatt ist immer viel los“, sagt Vorstandsmitglied Andrea Nagel. Ein ähnliches Projekt steht bald an: Im Frühjahr soll das Repair-Café starten, bei dem – ähnlich wie bei der Radlwerkstatt – Bürger unter Anleitung kaputte, aber lieb gewordene Gegenstände selbst reparieren können. „Das läuft alles ehrenamtlich, deshalb sind wir auf Spenden angewiesen“, so Nagel.

Die Mitglieder des Theatervereins Treibhaus haben dieses Jahr das Henkerstochter-Schauspiel auf die Freiluftbühne gebracht und zuletzt einen eigenen Proberaum in Schongau eröffnet. Das Geld wollen sie nutzen, „um gezielt Menschen einzuladen, die sich unsere Vorstellungen entweder nicht leisten oder wegen körperlicher Probleme nicht kommen könnten“, sagen Max Geiger und Michael Boos.

Wer zusammengezählt hat und 5000 Euro Spenden vermisst, hat richtig gezählt. Doch eine Frau aus dem Schongauer Land, die einen schweren Schicksalsschlag erlitten hat, wollte das Geld keinesfalls annehmen, wenn sie dafür in die Öffentlichkeit muss. Deshalb hat Walk entschieden, ihr das Geld trotzdem zu überweisen. „Mir geht es darum, Menschen zu helfen, nicht darum, in der Zeitung zu stehen“, sagt Walk.

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