Familienforschung in der Erasmuskapelle: Auch um Oliver Pötzsch und die Henkersdynastie Kuisl dreht sich diesmal die BR-Sendung „Stationen“.
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Familienforschung in der Erasmuskapelle: Auch um Oliver Pötzsch und die Henkersdynastie Kuisl dreht sich diesmal die BR-Sendung „Stationen“.

Filmteam im Stadtmuseum und in St. Anna-Kirche

BR-Dreh mit Oliver Pötzsch in Schongau

Schongau – „Ruhe bitte, Kamera läuft!“, hieß es kürzlich im Stadtmuseum Schongau. Ein Filmteam des Bayrischen Rundfunks (BR) war für einen Bericht zum Thema Familienforschung angereist. Im Mittelpunkt der Dreharbeiten: Oliver Pötzsch und seine Schongauer Henkersahnen.

Pötzsch sitzt an diesem Vormittag an einem ungewöhnlichen Arbeitsplatz. Der für seine Henkerstocher-Romane weltbekannte Autor hat an einem Tisch in der Erasmuskapelle Platz genommen, die zum Schongauer Stadtmuseum gehört. Über ihm stuckverzierte Engel, hinter ihm große Kirchenfiguren. Dass die ehemalige Spitalkirche St. Erasmus eine eindrucksvolle Kulisse darstellt, findet auch Pötzsch. „Ja, an diesen Arbeitsplatz könnte ich mich durchaus gewöhnen“, sagt er lachend.

Das kleine Filmteam umringt Pötzsch

Ein kleines Filmteam umringt ihn, denn Pötzsch soll für die BR-Sendung „Stationen“ in einem kurzen Beitrag über seine Schongauer Ahnen erzählen: die Henkersdynastie Kuisl. Insgesamt vierzehn seiner Vorfahren sind laut seinen Aussagen diesem blutigen Metier nachgegangen. Seit 15 Jahren beschäftigt sich der gebürtige Münchner deshalb intensiv mit seiner Familiengeschichte und hat sie literarisch in seinen Romanen verarbeitet. Auf die Nachfrage, ob er sich für den Beruf seiner Ahnen schämen würde, erwidert Pötzsch: „Nein, ich kann mich nicht für etwas schämen, was ich nicht getan habe.“ Sie hätten nur ihre Arbeit gemacht. „Das war sicherlich kein alltäglicher Job, aber sie haben sich wahrscheinlich von Gott an diesen Platz gesetzt gefühlt.“

Der Kreisheimatpfleger begleitete die Dreharbeiten

Wegen der Corona-Pandemie hat das Stadmuseum eigentlich gerade geschlossen, die Dreharbeiten waren deswegen nur mit einer Sondergenehmigung möglich. Die Szenen im Museum sind aber nicht die einzigen, die an diesem Tag abgedreht werden, auch die Heiliggeist-Spitalkirche St. Anna rückt in den Blickwinkel der Kamera. Dort steht ein Seitenaltar, der eine Verbindung zur Kuisl-Dynastie hat. Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer, der die Dreharbeiten begleitet, erklärt: „Das auf dem Altar stehende Kreuz wurde zur Hälfte von Johann Michael Kuisl finanziert.“ Dies sei ungewöhnlich, denn Bürger stifteten in Schongau nur selten Altäre, dazu war Kuisl ja Scharfrichter. „Und das Altarbild ist auch besonders, denn es zeigt lediglich eine Hintergrundkulisse“, so der Kreisheimatpfleger weiter. Zentral ist das hölzerne Kreuz mit dem leidenden, fast lebensgroßen Christus. Die Figur wurde 1754 von Egid Verhelst gefertigt.

Oliver Pötzsch zeigt sich beeindruckt

Auch Oliver Pötzsch zeigt sich beeindruckt. Für ihn geht es am Ende des Tages nicht gleich zurück nach München, sondern er bleibt noch einige Tage länger in der Region: „Ich wohne in dem 300 Jahre alten Pfarrhaus in Denklingen. Das ist ideal zum Schreiben.“ Nach eigenen Angaben arbeitet er gerade an einem Henkerstocher-Kochbuch mit historischen Rezepten aus der damaligen Zeit. Anregungen dazu holte er sich aus alten Kochbüchern, darunter auch aus einem von seiner Urgroßmutter. Ende Mai wird außerdem der Auftakt einer neuen Romanreihe erscheinen: Der Titel des ersten Bandes lautet „Das Buch des Totengräbers“ und spielt 1893 in Wien. „Über eine neue Henkerstochter denke ich aber natürlich auch schon ein bisschen nach“, fügt er hinzu. Dass seine Ahnen ihn auch weiterhin nicht loslassen, erfreut seine Leser sicherlich.

Der BR zeigt die „Stationen“-Folge „Auf der Spur der Ahnen“ am morgigen Mittwoch, 10. Februar, von 19 bis 19.30 Uhr. Neben Oliver Pötzsch werden weitere Familiengeschichten thematisiert. Immer wieder gut kommen in Schongau auch die Henkerstochter-Führungen an, wie diese Bilanz zeigt.

Jennifer Battaglia

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