Daimler-Chef Zetsche hört auf - Nachfolger steht wohl fest

Daimler-Chef Zetsche hört auf - Nachfolger steht wohl fest
+
Traute Runde im Büro des Chefs: Michael Walk von der Metzgerei Boneberger erläutert die Beweggründe für seine Spendenaktion.

Boneberger-Spendenaktion

Brustkrebs-Diagnose zwei Wochen vor Weihnachten: Spendenaktion hilft

  • schließen

So viele Spendenempfänger wie noch nie gab es bei der sechsten Auflage der Boneberger-Spendenaktion, die Chef Michael Walk jedes Jahr kurz vor Weihnachten zusammen mit den Schongauer Nachrichten auf die Beine stellt: Elf Personen, Familien oder Vereine erhielten insgesamt 15 000 Euro – für viele war die Nachricht, mit der sie nicht gerechnet hatten, wie ein Wunder.

Schongau – Kurz vor dem Fototermin gestern Mittag in der Boneberger-Zentrale kommt eine Frau reumütig auf den Reporter zu. „Entschuldigen Sie, dass ich am Telefon gefragt habe, ob Sie mich veräppeln wollen“, sagt sie. Doch ist die Reaktion mehr als verständlich: Da ruft jemand kurz vor Weihnachten an und verspricht einen Geldsegen, mit dem der Betroffene nie gerechnet hat. Denn bei der Boneberger-Spendenaktion kann jeder Personen in Notlagen vorschlagen, manchmal ohne dass derjenige es selber weiß. Viele Freunde sind heuer tätig gewesen. Da fehlen am Telefon dem einen die Worte, der andere bricht in Tränen aus – oder er will es nicht glauben, wie die oben beschriebene Frau.

Boneberger-Chef Michael Walk erklärte den Spendenempfängern kurz seine Beweggründe. Er sehe es als Verpflichtung, den Menschen in der Region, in der er sein Geschäft betreibe und gut verdiene, etwas zurückzugeben. „Es wird so viel für Projekte in Nepal oder woanders in der Welt gespendet, deshalb will ich den Fokus auf die Heimat richten“, sagte er. „Und es kommt von Herzen“, sagte Walk und erntete Beifall. Die Spendenempfänger haben zum Teil tragische Schicksalsschläge erlitten.

Mann erwerbsunfähig, jetzt hat Frau Krebs

-Ganz schlimm hat es die Peitinger Familie Punscher erwischt. Nachdem sie 2010 ein renovierungsbedürftiges Haus gekauft hatte, erkrankte Vater Thomas (51) an Lungenkrebs. Er überlebte trotz folgender mehrerer Lungenentzündungen, ist aber arbeitsunfähig und erhält nur eine kleine Erwerbsunfähigkeitsrente. Die Haus-Renovierung musste Ehefrau Simone (50) stemmen, zusätzlich noch in zwei Jobs arbeiten und sich um Sohn Julian (9) kümmern, den die Belastung auch stark mitgenommen hat. Jetzt, zwei Wochen vor Weihnachten, dann die Schockdiagnose für die Mutter: Brustkrebs. Am Mittwoch erfährt sie, ob er bereits gestreut hat. „Ich wüsste nicht, wie es weitergegangen wäre“, sagt sie dankbar über die Spende von 5000 Euro.

Beim Kind Autismus festgestellt

-Arg gebeutelt vom Schicksal wurde auch die Familie Zimmermann aus Peißenberg. Vater Frank (33) wurde bereits 13 Mal am Knie operiert, der Knochen wächst einfach nicht zusammen. Deshalb kann er seine Arbeit im Altenheim nicht mehr ausführen. Mutter Neelu (38) musste trotz zweier Kinder arbeiten und die Familie finanziell über Wasser halten, bis jetzt beim Dreijährigen Autismus festgestellt wurde. Er hat Pflegestufe drei, die Mutter kann ihren Job auch nicht mehr ausüben – finanziell ein Desaster. Die 2000 Euro aus der Boneberger-Spende sollen die Geldnot zumindest etwas lindern.

Fast blind, doch Kasse sagt: arbeitsfähig

-Nach einer Operation ist Simone Klöck aus Bad Kohlgrub fast erblindet. Die 49-Jährige hat zuvor immer zum Teil in zwei Jobs gearbeitet, um als alleinerziehnde Mutter von zwei Kindern über die Runden zu kommen. Jetzt hat sie nur noch auf einem Auge eine Sehkraft von 25 Prozent, kann nicht mehr arbeiten – doch die Kasse sieht das anders und hat sie als arbeitsfähig eingestuft. „Der Widerspruch läuft, aber bis dahin bekomme ich von keiner Behörde Unterstützung“, sagt sie. Weil ihr 18-jähriger Sohn, der daheim wohnt und derzeit eine Lehre macht, zu viel verdient und sie als Bedarfsgemeinschaft gelten. Zur Überbrückung der schwierigen Situation erhielt auch Klöck 2000 Euro.

Traum vom Rollstuhl-Zuggerät

-Karl Spöttel aus Schongau hat vor fünf Jahren eine niederschmetternde Diagnose erhalten: zwei Aneurysmen an der Aorta, die jederzeit platzen könnten und den heute 64-Jährigen sofort töten würden. Er entschloss sich, nicht mit der Ungewissheit zu leben, sondern sich mit einer relativ neuen Methode operieren zu lassen. Die Aneurysmen wurden auch entfernt, doch seitdem sitzt Spöttel im Rollstuhl. Es folgten weitere Krankenhaus-Aufenthalte, mühsame Kämpfe mit den Kassen und teure Anschaffungen für ein barrierefreies Wohnen. Um wenigstens einigermaßen selbstbestimmt leben zu können – wegen der Hanglage am Haus kann er nie allein die Wohnung verlassen –, will sich der Schongauer ein Power-Zuggerät für den Rollstuhl anschaffen. Dank der 2000 Euro aus der Boneberger-Spende rückt dieser Traum für ihn näher.

Hund tot, jetzt kommt Riesen-Rechnung

-Ihr Hund Mia, der ursprünglich aus Serbien kam und den sie aus dem Tierheim geholt haben, war für Hertha Cuesters (70) und ihren Lebensgefährten Carl Busch (75) aus Peißenberg wie ein Familienmitglied. Doch weil der Hund zuckerkrank war, waren immer wieder teure Arztbesuche notwendig. Vergangenes Jahr ist Mia gestorben, seitdem hat das Paar von seiner schmalen Rente bereits 1300 Euro abgestottert. Jetzt teilte die Tierärztin mit, dass noch weitere 3000 Euro offen sind, von denen die Peißenberger nicht wissen, wie sie sie bezahlen sollen. Die 1000 Euro aus der Spende sollen dabei helfen. Einen neuen Hund würden sich die beiden gerne anschaffen, „aber das können wir uns nicht leisten“, sagt Cuesters.

Hilfe für „einfach mehr“

-Völlig überrascht wurden Sigune Echter und Daniela Kalisch vom Verein „einfach mehr – Menschen mit Trisomie 21“ von der 1000-Euro-Spende. Das Geld wollen sie für ein Fotoprojekt für Geschwisterkinder ausgeben, denn die leiden oft darunter, dass sie nicht so viel Aufmerksamkeit erhalten.

Kühlschrank und Herd für Puppenspielerin

- Gerda Kees aus Schongau kennen viele als Handpuppenspielerin, damit verdienet sie sich zu ihrer kargen Rente etwas dazu. Doch jetzt sind Kühlschrank und E-Herd kaputtgegangen. „Ich habe mir am Dienstag einen neuen Kühlschrank gekauft“, sagt sie, ohne recht zu wissen, wie sie ihn bezahlen soll – und abends kam der Anruf, dass beide Anschaffungen mit 800 Euro durch die Spende gewährleistet sind.

Heizkosten bezahlt

-Heinz Kurt Baier (46) ist schwerbehindert und wohnt in einer alten Wohnung in Schongau, für die er alleine aufkommen muss, nachdem sich sein Lebenspartner von ihm getrennt hat. Weil die Heizkosten horrend sind, stottert er eine rund 700 Euro teure Stromzahlung mühsam ab – die wird jetzt von der Spende abgedeckt.

Unterstützung für Tierfreunde

-Auch zwei Tierfreunde kommen in den Genuss einer Spende von je 500 Euro: Janne Kellner, die in Frauenwies/Pürgen das Tieraltenheim unter anderem mit 27 Pferden führt, sich eigentlich dringend operieren lassen müsste, es aber aus Sorge um den finanziellen Erhalt für die Tiere immer wieder verschoben hat; und Renate Vollmer aus Peiting, die ihr Herz auch an Tiere verloren hat und sich zur Rettung und Behandlung immer wieder in Unkosten stürzt.

-Und schließlich noch eine Peitingerin, die finanziell ohnehin und nach zwei schweren Operationen auch gesundheitlich stark angeschlagen ist, aber die 500 Euro für eine Heizöllieferung partout nicht annehmen wollte, wenn ihr Name in der Zeitung steht – weshalb wir darauf verzichten.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Garnelenzucht mit neuem Bio-Verfahren
Ist das seit Jahren geplante Großprojekt „Garnelenhof im Pfaffenwinkel“ eine unendliche Geschichte? Keineswegs, jetzt muss nur noch ein Tekturplan eingereicht und vom …
Garnelenzucht mit neuem Bio-Verfahren
Wiesn-Special: Luchsbacher verzockt sich
500 000 Euro hat am Montag die Oktoberfest-Kellnerin Michaela Maier beim RTL-Wiesn-Special von „Wer wird Millionär“ gewonnen. Deutlich unerfreulicher endete der Abend …
Wiesn-Special: Luchsbacher verzockt sich
Lösten Bauarbeiten das Feuer aus?
Nach dem Großbrand im Kloster Rottenbuch vor einer Woche läuft die Suche nach der genauen Ursache weiter auf Hochtouren. Mittlerweile gibt es erste Hinweise darauf, was …
Lösten Bauarbeiten das Feuer aus?
Leisere und lautere Töne an verschiedenen Orten
Ein schönes Stelldichein lokaler Volksmusik-Ensembles: 22 Gruppen mit rund 150 Mitwirkenden erwartet der Trachtenverein Epfach zum großen Volksmusiktag des …
Leisere und lautere Töne an verschiedenen Orten

Kommentare