Aus dem Gericht

Brutaler Schlag am Vatertag nach 15 Halben Bier

Das ausgiebige Feiern am Vatertag im vergangenen Jahr verlief für einen 25-jährigen Schongauer folgenreich. Aus nichtigem Anlass schlug er einem 24-Jährigen mit der Faust ins Gesicht. Wegen Körperverletzung, Nötigung und Sachbeschädigung musste er sich vor dem Amtsgericht Weilheim verantworten. Das Urteil: 5000 Euro Geldstrafe für den jungen Mann.

Schongau – Zehn bis fünfzehn Bier und einige Schnäpse will der Angeklagte laut eigenen Angaben an diesem Tag schon konsumiert haben. In einer Schongauer Gaststätte saß er am frühen Abend mit seinen beiden Freunden noch zusammen, und dabei ging es an ihrem Tisch recht laut zu. Als auch noch ein paar Gläser zu Boden fielen, stellten zwei junge Männer am Nebentisch die Dreiergruppe zur Rede.

Es gab zunächst eine verbale Auseinandersetzung, aber der Angeklagte wurde dabei aggressiv. Er rangelte und schubste einen der beiden jungen Männer so sehr, dass dessen Brille herunterfiel und zu Bruch ging.

„Ich wollte, dass er mir den Schaden ersetzt, alles andere war mir egal“, sagte der Geschädigte vor Gericht. Aber die drei Burschen verließen das Lokal. Der Geschädigte und sein Freund liefen den Männern hinterher, und es gab wieder ein Wortgefecht.

Der Angeklagte zeigte sich weiterhin aggressiv, wollte angreifen und schlagen, wurde aber von seinen Freunden zurückgehalten. Er konnte sich aber losreißen und verfolgte den Geschädigten, der in Richtung eintreffender Polizei rannte, erreichte ihn aber nicht. Mit den Worten „dann nehm ich halt den mit dem gelben Pulli“, drehte sich der Angeklagte um, lief auf den Freund des Geschädigten zu und schlug ihm mit der Faust auf die Nase. Der Schlag war so heftig, dass das Nasenbein brach und der junge Mann eine Menge Blut verlor.

Der Angeklagte zeigte sich vor Gericht zunächst nicht besonders einsichtig. Er gab an, dass er reflexartig beim Herumdrehen zugeschlagen habe, da der junge Mann so dicht hinter ihm gestanden sei.

Für Richterin Christiane Serini ein völlig undenkbares Szenarium. Nach mehrmaligem Nachhaken räumte dann der Angeklagte auch eine andere Version der Tat ein.

Der junge Mann wurde zu einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt. Richterin Serini begründete das weit unterhalb des üblichen Strafmaßes liegende Urteil. „Ich habe hier eine doppelte Strafrahmenverschiebung berücksichtigt“, sagte sie.

Einerseits sei der Angeklagte wegen des hohen Alkoholkonsums vermindert schuldfähig gewesen. Andererseits hatte er noch während der Verhandlung einem Täter-Opfer-Ausgleich zugestimmt.

Unüblich, aber für den Angeklagten weiteaus günstiger, war nämlich der sogenannte Adhäsionsantrag des Nebenklägeranwalts. Dabei wurden die Schmerzensgeldforderung des verletzten jungen Mannes und der Schadenersatz für die Brille des anderen Geschädigten gleich mit verhandelt. Ein Zivilprozess blieb dem Angeklagten somit erspart. Schon vor Ort überreichte er 150 Euro für die Brille. In monatlichen Raten muss der Verurteilte noch insgesamt 1500 Euro für die gebrochene Nase zahlen.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa

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