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Auf diesem Spielplatz an der Hörnlestraße im Schongauer Forchet passierten die Vorfälle.

Mutter empört

Auf Schongauer Spielplatz: Buben drohen mit Messer und schießen mit Nägeln

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Schlimme Szenen sollen sich auf einem Schongauer Spielplatz ereignet haben: Buben, die ein Kind mit Messern bedrohen und mit Nägeln um sich schießen. Ärger gibt es auch über die Polizei.

Schongau – Anita Schmid wusste gar nicht, wie ihr geschieht, als am Mittwoch gegen 16.30 Uhr ihre zehnjährige Tochter Melina mit zahlreichen anderen Kindern in ihr Haus an der Zugspitzstraße stürmte. „Sie haben mir erzählt, dass zwei elf und 13 Jahre alte Buben am nahen Spielplatz einen anderen Jungen mit Messern bedroht haben“, sagt sie. Offenbar sei es um einen Streit vom Vortag gegangen. Der eine habe ein Taschenmesser gehabt, der andere ein Küchenmesser, bei de hatten die Waffe aggressivgezückt. „Einer soll zum Opfer gesagt haben: ,Wenn Du am Boden liegst und blutest, lache ich‘“, berichtet Schmid.

Bewusst mit den Nagel-Patronen auf Kinder gezielt

Damit nicht genug: Zwei weitere Buben, nicht einmal zehn Jahre alt, hätten mit sogenannten Nerf-Schaumstoffpatronen um sich geschossen, die mit Nägeln versetzt waren. „Ein kleiner Junge hat mir gesagt, dass sie bewusst auf ihn gezielt und ihn nur knapp verfehlt hätten“, so Schmid. Die abgeschossenen Patronen seien im hölzernen Klettergerüst gesteckt. „Alle Kinder waren unheimlich aufgewühlt und haben durcheinandergeredet, meine Tochter musste danach erst einmal meine weinende Nichte nach Hause bringen.“

Nun ist Anita Schmid niemand, der überdramatisiert. „Dass sich Kinder am Spielplatz streiten, schubsen und vielleicht auch mal handgreiflich werden, ist eben so. Aber das hat eine andere Qualität.“ Eine andere Mutter, die sich dort mit ihrem Kind aufgehalten habe, soll während nach der Messer-Bedrohung die beiden attackierenden Burschen angeschnauzt haben, sie sollten verschwinden, sonst rufe sie die Polizei. Die Buben hätten sie erst ausgelacht und seien erst verschwunden, als die Frau ihr Handy gezückt hatte. „Leider weiß ich nicht, wer die Frau war“, bedauert Schmid – sie wäre eine wichtige Zeugin.

Dafür kennt sie den Bub, der von den beiden anderen mit dem Messer bedroht wurde. „Ich bin zu ihm nach Hause, weil ich wissen wollte, ob seine Eltern Anzeige bei der Polizei erstatten. Sie waren nicht da, aber der Junge hat mir den Vorfall genau so bestätigt, wie ihn mir meine Tochter und die anderen Kinder erzählt haben“, sagt Schmid. Also habe sie bei der Polizei angerufen und mit einem netten Beamten besprochen, dass sie um 18.30 Uhr vorbeikomme.

Ärger bei der Polizei

Doch als ihr Mann mit Tochter Melina bei der Inspektion ankam, sei plötzlich alles anders gewesen. Da habe eine genervte Polizistin gesagt, Melina sei ja gar nicht direkt angegriffen worden, Anzeige könnten nur die Eltern des Buben erstatten, die Messerklinge sei nicht lang genug und überhaupt habe man Wichtigeres zu tun. „Mein Mann ist logischerweise sauer geworden, auch meine Tochter war völlig erschüttert, dass das keine Folgen haben soll.“ Zumal die vier Übeltäter, die sie ebenfalls kennt, abends tatsächlich vor ihrem Haus standen und riefen, was sie denn überhaupt wolle. „Die Bullen finden uns doch sowieso nicht“, hätten sie ihr zugerufen, sagt Schmid, die ihre Tochter vorerst nicht mehr auf den Spielplatz lassen wird.

Nach der Rückkehr ihres Mannes von der Polizei hat sich Schmid so geärgert, dass sie noch einmal dort angerufen und den Namen der Polizistin haben wollte. „Dort hieß es dann, man habe schon Kontakt mit den Eltern des betroffenen Jungen aufgenommen“, sagt sie. Das bestätigt Polizeichef Herbert Kieweg auf SN-Nachfrage: „Offenbar gab es im Gespräch einige Missverständnisse, so etwas passiert eben manchmal.“ Aber die Kollegen seien noch am Abend tätig geworden, er habe am nächsten Morgen den kompletten Bericht zu dem Fall vorliegen haben. Strafrechtlich sei das kein Thema, weil die Burschen noch keine 14 Jahre alt sind. „Aber wir gehen dem natürlich nach und werden uns mit den Kindern und deren Eltern zusammensetzen“, kündigte Kieweg an.

Video: Mobbing in der Schule

Video: Glomex

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