+
Solche Spinnräder wollte Gustav H. verkaufen, doch die Interessenten fragten immer nach Goldschmuck.

Bürger vor Abzocker warnen

Das Märchen vom Spinnrad

Abzocker finden immer neue Möglichkeiten, ihre Opfer zu übertölpeln. Ihre Maschen sind sehr verschieden und leider immer wieder erfolgreich. Vor allem auf ältere Menschen haben es die Betrüger abgesehen. Dabei werden gerade am Telefon viele krumme Aktionen eingefädelt.

Schongau – Eine Suchanzeige weckt Interesse, wenn man ein gesuchtes Stück besitzt und es eigentlich nicht mehr braucht. Dann ist es naheliegend, den Artikel gewinnbringend zu veräußern. TV- Sendungen wie „Bares für Rares“ sind voll im Trend, der Gedanke am schnell verdientem Euro lockt. Gustav H. studiert am Wochenende die Verkaufsanzeigen. Volltreffer. Da ist doch glatt jemand auf der Suche nach alten Spinnrädern und Nähmaschinen. „Solche Dinger stehen nutzlos auf dem Dachboden“, sagt sich Gustav H. und wittert die Chance, die Dinge loszuwerden.

Die angegebene Mobiltelefonnummer wird gewählt. Eine Frauenstimme meldet sich mit unverständlichem Namen. Gustav H. bezieht sich auf die Anzeige und bietet seine Spinnräder an. „Sehr interessant“, die kurze Antwort. Und sofort die Gegenfrage: „Wenn sie so schöne alte Dinge haben, besitzen sie doch sicherlich noch alten Goldschmuck?“ Pause. Gustav H. kommt wieder auf seine Spinnräder zurück und bietet an, sie zu fotografieren und der Dame per E-Mail zuzuschicken. Das Interesse ist gleich Null. Mit einer schnellen Entschuldigung beendet die Dame das Gespräch.

Am nächsten Tag erneuter Versuch. Gustav H. wählt die selbe Mobilnummer. Es meldet sich diesmal eine Männerstimme, ebenfalls unverständlich. Der Herr ist an den Spinnrädern sehr interessiert und bittet sofort darum, einen Besuch abstatten zu dürfen. Auf das Angebot, ihm Bilder zukommen zu lassen, geht er nicht ein. Er will unbedingt selber vorbeikommen, da er noch weitere alte 00Artikel zur Dekoration sucht.

Als Gustav H. ihm noch weitere nostalgische Dinge aufzählt, fragt er plötzlich ebenfalls nach Goldschmuck und ergänzt, dass er auch 30 Prozent über dem Goldwert ankauft. Als Gustav H. wieder auf die Spinnräder zurückkommt und eine Adresse haben will, beendet der Herr ebenfalls schnell das Gespräch. Er würde sich wieder melden – was nie passiert ist.

In ähnlicher Art verhält sich auch ein Herr, der alte Gobelin- und Häkeldeckchen sucht. Auch er ist nur unter einer Mobiltelefonnummer zu erreichen und lässt sich nicht darauf ein, ihm Fotos zuschicken zu wollen. „Auf Fotos kann ich nichts groß erkennen, ich muss mir das persönlich ansehen“, so die Antwort dieses Herrn. Auch er fragt unvermittelt nach Silber, Tafelsilber oder alten Goldschmuck. Die Gobelin-Deckchen werden Nebensache, das Gespräch wird abrupt beendet.

Schnell wird klar, wo der Hase im Pfeffer liegt. Spätestens dann, als Gustav H. einen Herrn telefonisch über eine Festnetznummer kontaktiert. Der Herr ist Sammler alter Orden und immer auf der Suche. Dieser Sammler ist sofort bereit, seine Adresse und E-Mailadresse zuzuschicken. Während des Gesprächs erwähnt Gustav H. die Praktiken der anderen Interessenten. Diese Masche ist dem Ordenssammler bekannt. „Solche Anzeigen werden zum Teil aufgegeben, um an alte Menschen zu kommen. Denn welcher junge Mensch hat ein Spinnrad zu Hause rumstehen?“ Wenn sich so ein älterer Mensch noch darauf einlässt, Besuch zu akzeptieren, ist Schluss mit lustig. Dann hat der „Händler“ meist durch seine Überredungskünste gewonnen.

Es ist also Vorsicht geboten, am Telefon unbekannten Personen persönliche Details offen zu legen. Seriöse Händler oder Interessenten geben gerne ihre Adresse an, um Bildmaterial über die Artikel zu bekommen. Dies bestätigt Schongaus Polizeichef Herbert Kieweg. Er rät, nicht gleich auf die Bitte eines Hausbesuchs einzugehen. Seriöse Interessenten werden zunächst grundsätzlich mit der Übersendung von Bildern zur Abklärung einverstanden sein. Darüber hinaus sollten am Telefon keine Angaben über die eigenen Lebensgewohnheiten und Vermögensverhältnisse bekannt gegeben werden.

Kommt es zu einem Hausbesuch, weil der Interessent Gefallen an dem angebotenen Artikel zeigt, sollte immer eine möglichst resolute Person des Vertrauens hinzugezogen werden. Dass man Schmuck oder Bargeld niemandem zeigen soll, ist ein dringender Appell von Kieweg. Daher rät er auch, bei Zweifel an der Seriosität des Interessenten, die Polizei zu verständigen.

Hans-Helmut Herold

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Stadtradeln in Schongau noch nicht angekommen
Deutschlandweit beteiligen sich heuer 788 Kommunen an der Aktion „Stadtradeln“. Die Kreisstadt Weilheim macht da schon seit acht Jahren mit. „In die Pedale treten für …
Stadtradeln in Schongau noch nicht angekommen
Mehr Müll und viel Wiederverwertung
523 Kilogramm Rest-, Bio und Plastikmüll produziert jeder Einwohner des Landkreises Weilheim-Schongau im Schnitt. Stabil bleibt aber die Wiederverwertungsquote von 90 …
Mehr Müll und viel Wiederverwertung
Dauerhaft über Ersatzbrücke
Seit gestern ist der Verkehr zwischen Rottenbuch und Bad Bayersoien wieder dauerhaft auf die Ersatzbrücke der Echelsbacher Brücke verlegt worden.
Dauerhaft über Ersatzbrücke
Junge Audi-Fahrerin gerät auf die Gegenspur - Frontalunfall 
Zu einem schweren Frontalunfall kam es am Donnerstagabend auf der B472. Eine Audi-Fahrerin verlor die Kontrolle über ihren Wagen. 
Junge Audi-Fahrerin gerät auf die Gegenspur - Frontalunfall 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.