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Hat Priorität: Unter anderem für den beliebten Sonnengraben, der lange geschlossen war und an dem zumindest wieder Bänke stehen, soll ein Aufenthaltskonzept entwickelt werden.

Bürgerbeteiligung vor Wettbewerb

Viele Ideen für Schongauer Stadtmauer-Umfeld

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Die Stadt hat den ersten Schritt zur Verschönerung des Stadtmauer-Umfelds getan: Bei der Bürgerbeteiligung am Donnerstagabend im Ballenhaus konnten die Besucher Wünsche, Ideen und Befürchtungen vorbringen. Die werden beim anstehenden städtebaulichen und landesplanerischen Wettbewerb berücksichtigt.

Schongau – Kurz kamen auch die Baumfällungen am Köhler-Anwesen wieder zur Sprache. Dieser angebliche Kahlschlag vor der Stadtmauer hatte vor mehr als zwei Jahren die Gemüter erregt. Der Vorfall hat gezeigt, dass ein Konzept her muss, wie das Stadtmauer-Umfeld bei der Aufenthalts-Qualität weiter verbessert werden kann, gleichzeitig aber einige Schneisen in die dichten Baumlinien die Blickbeziehungen auf das mittelalterliche Kleinod verbessern. Dafür wird der Wettbewerb ausgelobt, an dem insgesamt 15 Planungsteams – sieben bekannte, mit denen man schon gute Erfahrungen gemacht hat, sowie acht in einem europäischen Bewerbungsverfahren – teilnehmen werden.

„Wir sind heute hier, damit Sie Ideen und Anregungen für den Wettbewerb einbringen können“, sagte Bürgermeister Falk Sluyterman zur Begrüßung. Und Stadtbaumeister Ulrich Knecht ergänzte gleich, um möglichen Protest den Wind aus den Segeln zu nehmen: „Ohne Pflanzen geht es nicht.“ Auch Burgenforscher Joachim Zeune, der das Stadtmauer-Inwertsetzungskonzept mittlerweile fast fertiggestellt hat, betonte die Wichtigkeit und Besonderheit des Grüngürtels. „Doch die vielen Bäume beschatten die Stadtmauer und schaden damit letztlich der Bausubstanz“, warnte er. „Bei allen Fragen um das Umfeld müssen wir immer bedenken, wie wir die einmalige Stadtmauer schützen können.“

Rot markiert sind die Bereiche des zu untersuchenden Stadtmauer-Umfelds, an denen größere Projekte möglich wären.

Till Fischer vom Münchner Architekturbüro Akfu, der den Wettbewerb für die Stadt betreuen wird, zeigte zunächst alte Bilder, um zu demonstrieren, wie eindrucksvoll Schongau auf dem Berg zwischen dem alten Lechbett liegt, aber auch, dass dort früher kein Baum die Sicht auf die Stadtmauer beeinträchtigte. Es folgte eine kleine Beispiel-Sammlung, was man sich rund um die Altstadt alles vorstellen könnte. Zum Beispiel zusätzliche Plätze mit Spielgeräten oder einem Senioren-Parcours. Vor allem vier Bereiche eignen sich für besondere Überlegungen, „da erwarten wir von den Architekten gute Ideen“, so Fischer: An der Münztor-Westseite, also gegenüber vom Schwanenweiher, oberhalb der Köhler-Villa, vom Bahnberg bis zum Kasselturm sowie vom Sonnengraben bis zum Frauenberg. Vor allem im Westen sei kaum etwas möglich, weil die Stadt dort im 19. Jahrhundert viele Bereiche aus Geldmangel an Privatleute verkauft hat.

Kornelia Funke hatte als Stadtführerin mit ihren Kollegen schon einen ganzen Ideen-Komplex ausgearbeitet, was rund um die Stadtmauer alles möglich wäre. Zum Beispiel für Touristen viele Informationen zum Thema Hexen, Henker, Folter und Verlies, stets an den passenden Punkten. Außerdem eine Aussichtsplattform mit Barfußpfad, die Wasser- und Holznutzung im Mittelalter könnte präsentiert werden, ein Spielplatz mit Holzturm am Polizeidienerturm und vieles mehr.

Einigen Besuchern war aber auch die Natur wichtig. „In manchen Bereichen mit schöner Flora muss man nicht eingreifen“, sagte Irmgard Schreiber-Buhl, und Bettina Buresch ging auf die anfangs gezeigten Bilder von Schongau ein: „Wir sind keine Garnisonsstadt mehr wie früher, wo man freie Sicht in die Umgebung gebraucht hat. Spaziergänger an der Stadtmauer wollen auch eine Wohlfühlatmosphäre mit Bäumen haben“, sagte sie. Ein anderer Besucher dagegen würde 50 Prozent der Bäume fällen.

Standen Rede und Antwort: (v.l.) Burgenforscher Joachim Zeune, Bürgermeister Falk Sluyterman, Stadtbaumeister Ulrich Knecht und Stadtplaner Till Fischer

Es gab eine große Bandbreite an Vorschlägen, die manchmal mehr, manchmal weniger verwirklichbar sind, zum Beispiel falsch positionierte Hundetüten-Stationen, Infos zur Papierfabrik oder Übernachten in den Türmen. Große Hoffnungen richten sich auch an die Privatleute, die im Osten große Teile der Stadtmauer und des Umfelds benutzen. Die sollten sich an die städtischen Vorgaben anpassen. „Da wird die Stadt sicher das Gespräch suchen“, sagte Moderator Fischer. „Die Reaktivierung des Biergartens an der Stadtmauer wäre sicher traumhaft.“ Er bedankte sich für den „tollen Input, der in die Unterlagen mit einfließen wird“.

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