Ein kurzer Moment der Heiterkeit, dann geht es weiter beim Schlagabtausch im Kampf um den Chefsessel im Schongauer Rathaus – den möchte Falk Sluyterman (SPD, rechts) behalten. Seine Herausforderer sind Hans Rehbehn (CSU) und Daniela Puzzovio (ALS).
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Ein kurzer Moment der Heiterkeit, dann geht es weiter beim Schlagabtausch im Kampf um den Chefsessel im Schongauer Rathaus – den möchte Falk Sluyterman (SPD, rechts) behalten. Seine Herausforderer sind Hans Rehbehn (CSU) und Daniela Puzzovio (ALS).

Bürgermeisterwahl 2020

Podiumsdiskussion in Schongau: Ein ruhiger Dreikampf mit leisem Gepolter

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Schongaues Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD), Hans Rehbehn (CSU) und Daniela Puzzovio (ALS) haben sich bei der Podiumsdiskussion der Schongauer Nachrichten vielen Fragen gestellt. 

Schongau– Gut 300 Neugierige sind zur Podiumsdiskussion ins Schongauer Jakob-Pfeiffer-Haus gekommen. Ein Ansturm sieht trotzdem irgendwie anders aus. Der Sturm bleibt dann an diesem Abend auch auf der Bühne aus, beim Dreikampf auf dem Podium geht es wenig kämpferisch, dafür brav-gesittet und recht beschaulich zu: Der amtierende Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) poltert eloquent ohne echte Höhepunkte. Daniela Puzzovio (ALS) findet trotz Mittelstürmer-Position auf der Bühne oft nicht so recht in die Gesprächsrunde hinein. Und Hans Rehbehn (CSU-Kandidat) versucht wiederholt den verbalen Konter gegen den Amtsinhaber, ist aber dabei auf offensiv-leiser Sohle unterwegs. Mehrmals erwähnt er an diesem Abend: Er will ein Bürgermeister für alle sein. Deshalb kandidiert er auch parteifrei für die CSU. An manchen Stellen wirkt das merkwürdig distanziert.

Riesige Überraschungen bleiben bei dieser von Boris Forstner (Redaktionsleiter Schongauer Nachrichten) und Elke Robert (Redakteurin) flott moderierten Veranstaltung aus. Die überraschendste Anekdote des Abends: Falk Sluyterman van Langeweyde war noch nie in Holland – obwohl sein Name so klingt, als sei er quasi der Erfinder des Wohnwagens. Ansonsten, befindet ein Mann am Ende, „war das Ganze nicht so aufregend.“

Wer hat auf dem Podium die Nase vorn? Davon machen sich gut 300 Besucher im Jakob-Pfeiffer-Haus ein Bild.

Immerhin: CSU-Kandidat Hans Rehbehn gibt preis, dass er schon vor sechs Jahren mit der Vorstellung geliebäugelt hatte, als Bürgermeister zu kandidieren. Eine Entscheidungshilfe für Rehbehn, sich doch noch aufstellen zu lassen: „Interessant ist, wie man mit so wenig Hintergrundwissen so weit nach vorne kommen kann.“

Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Schongau: Das sagen die Kandidaten zum Thema Altstadt

Puzzovio legt nach, als sie von einem Verwaltungs-Kurs erzählt, mit dem sie sich jetzt auf das Bürgermeisteramt vorbereitet hat. Sluyterman lächelt milde und nickt dazu recht lustig. „Am gesunden Menschenverstand fehlt es manchmal, ich hab’ den“, kontert Puzzovio.

Dann folgen typische Schongauer Themen. Zur Belebung der Altstadt will Rehbehn die Bücherei und die Tourist Info „als Frequenzbringer“ mitten in die Fußgängerzone bringen. Puzzovio will Ladenbetreiber bringen, die fehlen. Sluyterman setzt auf das Einzelhandelskonzept von 2016: Der Bürger soll sich wieder mit der Altstadt identifizieren.

Natürlich geht es auch irgendwann wieder um die Fußgängerzone. Saisonale Öffnung – im Winter zu, im Sommer auf? Das hat sich Falk Sluyterman jetzt in Günzburg angeschaut. Und als Fazit mitgebracht: Nur ein kleiner Bereich des Marienplatzes ist verkehrsberuhigt, „das sollten wir erst mal so belassen und nicht weiter am Image der Altstadt kratzen!“ Punkten kann er mit interessanten Zahlen – seit 2016 haben sich die Leerstand-Einheiten in der Altstadt von 50 auf zehn verringert. Eine West-Öffnung mit Kurzzeit-Parkplätzen im Winter könnte sich Hans Rehbehn vorstellen. Daniela Puzzovio bleibt eher vage.

Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Schongau: Bezahlbare Wohnungen schaffen

Warum hat sich in Sachen sozialer Wohnungsbau und bezahlbarer Wohnraum so wenig getan? Falk Sluyterman beruft sich, wie so oft an diesem Abend, auf den Stadtrat. Der hätte im Oktober 2018 entschieden, das Thema Sozialen Wohnungsbau hinten anzustellen. Vorrangig seien die Sanierung der Mittelschule und andere Projekte anzupacken gewesen. Was man wann angehen könne: Das sei eine Frage der Priorisierung. „Das Bauamt kann personell nicht noch mehr bedienen.“ Er verspricht aber eine Nachverdichtung „Im Tal“ im kommenden Jahr. Und er erklärt, dass auch auf den städtischen Grundstücken in Schongau Nord etwas in Richtung Sozialer Wohnungsbau entstehen könnte.

Hans Rehbehn geht noch einen Schritt weiter, verweist auf Leerstände in der Stadt, die Potenzial bieten. Progressiv gibt sich an dieser Stelle Daniela Puzzovio, die „Tiny Houses“ und moderne Konzepte der Innenwohnraumverdichtung ebenso anspricht wie das Thema Genossenschaftswohnungen – an dem wiederum sei man dran, verspricht Sluyterman.

Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Schongau: Investitionsstau beim Straßenbau

Der kommt in Bedrängnis als es um den schlechten Zustand der Straßen in Schongau geht. Sluyterman selbst hatte die Strabs in den Schongauer Nachrichten erneut zum Thema gemacht und dass er und der Stadtrat die Umsetzung dieser in Schongau verhindert hätten. Gegen den Vorwurf, dass er sich mit fremden Federn schmückt in Sachen Strabs, wehrt er sich vehement. Einen „Investitionsstau“ im Straßenbau jedoch räumt er ein.

Daniela Puzzovio hat an dieser Stelle des Abends einen ihrer deutlichen Momente: „Die Zeit kann man nicht zurückdrehen.“ Für das Vorgehen der Stadt und des Stadtrats in Sachen Strabs habe sie kein Verständnis. „Das ist für mich gegen jedes Demokratieverständnis. Warum hat man sich das so lange gefallen lassen?“

Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Schongau: Kandidaten haben viele Ideen zum ÖPNV

Zum Punkt ÖPNV fällt den Kandidaten einiges ein. Ein Halb-Stunden-Takt für den Zug nach Weilheim oder ein Flügelzug nach München ohne Stopps. Ein Schongau-Zug, der bis zum Krankenhaus fährt. Viele Vorstellungen hat Fuchstalbahn-Fan Falk Sluyterman. Allein: „Die Möglichkeiten eines ersten Bürgermeisters beim Thema ÖPNV sind sehr beschränkt.“ Puzzovio spricht an dieser Stelle davon, dass mehr Druck aufgebaut werden muss.

Hans Rehbehn möchte als Bürgermeister noch tiefer in die Tasche greifen als bisher für den Schongauer Stadtbus. Ihm schwebt eine weitere Stadtbuslinie vor, die Erweiterung der Stadtbusrunde um Plantsch, Lido, Dornauer Feld, Lechvorstadt und das Krankenhaus. „Herr Hefele sitzt hinten und hat mitnotiert, was Herr Rehbehn alles umsetzen will. Ich bin gespannt, ob Ihr Haushalt dann genehmigt wird“, frotzelt Falk Sluyterman in die Runde. Den Blick über die Stadtgrenzen hinweg richtet Daniela Puzzovio: „Man kann von guten Dingen lernen. Ich will schauen: Was können wir uns wo abschauen?“

Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Schongau: Forderung nach Transparenz

Warum sind die Protokolle der öffentlichen Stadtratssitzungen nicht auf der Homepage der Stadt Schongau nachzulesen, wie Falk Sluyterman behauptet? Eine Frage, die an diesem Abend nicht mehr geklärt werden kann. „Ich arbeite mit dem gleichen System, man muss nur einen Haken setzen – oder einen Haken setzen wollen“, kommentiert Hans Rehbehn das Thema Transparenz. Wo man bei der Wahl am 15. März in Schongau seinen Haken setzen soll: Dahinter steht nach diesem Abend das größte Fragezeichen.

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