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Stand Rede und Antwort und in Sachen Peitinger Straße heftig in der Kritik: Bürgermeister Falk Sluyterman, hier mit den Mitarbeitern der Verwaltung.

Bürgerversammlung Schongau

Schongau in der Armutsecke?

„Wir müssen aufpassen, dass Schongau nicht immer mehr in die Armutsecke des Landkreises rückt“, sagte Bürgermeister Falk Sluyterman vor rund 100 Zuhörern, die am Mittwoch seiner Einladung zur Bürgerversammlung ins Ballenhaus gefolgt waren.

Schongau – Sluyterman nahm dabei Bezug auf eine Sozialraumanalyse, die vor rund einer Woche vorgestellt wurde und an deren Auswertung sich jetzt gemacht werden soll. Ein passendes Bild dazu fand der Bürgermeister in Bezug auf die Bahn: „Während in Weilheim der ICE hält, hat man bei uns am Bahnhof den Fahrkartenverkauf eingestellt.“

Oberstes Ziel sei, dass Schongau nicht weiter ins Abseits gerate. Zahlreiche Anstrengungen seien im vergangenen Jahr unternommen worden, um die Infrastruktur der Lechstadt zu stärken. Mit einem Rekordhaushalt von 44 Millionen Euro im Jahr 2016, konnten große Projekte in 2017 in Angriff genommen werden wie etwa der Teilneubau der Grundschule, das bisher größte Projekt mit rund 20 Millionen Euro an Investitionen. Bis 2020 sind Realschule und Gymnasium mit einem Volumen von 50 Millionen vorgesehen, danach sei die Mittelschule dran. „Damit ist dann der Schulstandort Schongau gesichert“, so Sluyterman.

Das Haus für Kinder sei ebenfalls fertiggestellt und biete 90 Kindern Platz Die neue Fußwegeverbindung Bahnberg und den Parkplatz Buchenweg nannte der Rathauschef als Beispiel ebenso wie die Einweihung des Lechfloßes, das bereits über 1000 Touristen und Einheimische genutzt haben – oder das schnelle Internet in der Dießener Straße.

Stolz sei man auf große Veranstaltungen wie die Bundeswehrvereidigung, den Historischen Markt und den Triathlon ebenso wie auf das Volksfest, den Leonhardiritt oder den Weihnachtsmarkt.

Das Thema Strabs habe sich bald erledigt, da die Staatsregierung die Pflicht zur Einführung dieser Satzung ohnehin in Bälde abschaffe. „Das wird bald Geschichte sein, und wir freuen uns, dass wir sie nicht einsetzen müssen“, so Sluytermann. Da sie nicht eingeführt wurde, sei auch keine Rückabwicklung notwendig, und man hoffe im Jahr 2021 auf eine Kompensation.

In Bezug auf die Neugestaltung des Stadtmauerumfelds konnte Stadtförster Klaus Thien besorgte Bürgerstimmen beruhigen, die eine unnötige Fällung von Bäumen befürchteten. Der Gestaltungs-Wettbewerb sei abgeschlossen, am kommenden Samstag werden die Ergebnisse und der Sieger vorgestellt. Thien versicherte, dass darin ein sensibler Umgang mit den Bäumen enthalten sei.

Gut gefüllt war der Ballenhaussaal bei der Schongauer Bürgerversammlung vor allem, weil erzürnte Anwohner der Peitinger Straße gekommen waren.

Als „ein kleiner Beitrag zur Belebung unserer Altstadt“ wertete Bürgermeister Sluyterman die Anmietung des Münzgebäudes durch das Landratsamt. Dort soll unter anderem ein Seniorenamt Platz finden. „Damit ist die Miete gesichert.“ In Kürze, so Landrätin Andrea Jochner-Weiß, werden dazu Einzelheiten mitgeteilt.

Die Stadt Schongau hat mit ihren derzeit 12 668 Einwohnern einen Ausländeranteil von rund 20 Prozent (2413 Menschen aus 78 Nationen) und liegt damit weit über dem Landkreisdurchschnitt von neun Prozent. Viele arbeiteten in den großen Betrieben in Schongau. Mitgezählt wurden auch die 214 Flüchtlinge (96 Asylbewerber, 94 anerkannte Flüchtlinge und 24 Ausreisepflichtige). 49 anerkannten Flüchtlinge werden weiterhin als „Fehlbeleger“ in den Unterkünften bleiben können.

Ein Schongauer Bürger äußerte sich bei den Wortmeldungen besorgt darüber, wie lange dies noch so bleiben könne und wie die Situation sei, wenn diese schließlich auf den sozialen Wohnungsmarkt drängten. Denn den derzeit 100 Sozialwohnungen in Schongau stehen bereits jetzt 100 Anfragen gegenüber. „Wir wüssten im Moment nicht, wo wir sie unterbringen könnten, gäbe es die Einrichtungen nicht, die von der Regierung angemietet sind“, so Sluyterman.

Ihren Unmut äußerten die Bürger bei der Diskussion über die Situation an der Peitinger Straße: „Es ist ein einziges Chaos“, so das Fazit gleich mehrerer Stimmen. Ganz abgesehen von der Lärmbelästigung sei noch nicht einmal der Rettungsweg für Feuerwehr und Krankenwagen gewährleistet: „Wenn ich schon mit meinem eigenen Auto da nicht mehr durchkomme, wie soll ein Rettungswagen durchkommen?“, fragte ein Anwohner.

Bürgermeister Sluyterman, dem der Ärger der betroffenen Bürger mitunter recht vehement entgegenschlug, versprach, alle Anregungen und Besorgnisse dem Bauamt in Weilheim weiterzuleiten. „Wir erwarten von Ihnen, dass sie denen auf die Nerven gehen“, so die Forderung der Anwohner an den Rathauschef.

Informationsbroschüre

Für interessierte Schongauer Bürger gibt es eine Informationsbroschüre mit Jahresbericht des Bürgermeisters und weiterführenden Informationen. Diese Broschüre liegt im Schongauer Rathaus aus und kann dort zu den üblichen Öffnungszeiten kostenlos abgeholt werden. Außerdem kann die Broschüre im Internet auf der Homepage der Stadt Schongau unter www.schongau.de heruntergeladen werden.

Myrjam C. Trunk

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