Bushaltestelle Römerstraße in Altenstadt: Fünft- und Sechstklässler, die ab hier zusteigen und nach Schongau fahren, müssen künftig ihre Busfahrkarte selbst bezahlen, ältere Schüler haben Bestandsschutz.
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Bushaltestelle Römerstraße in Altenstadt: Fünft- und Sechstklässler, die ab hier zusteigen und nach Schongau fahren, müssen künftig ihre Busfahrkarte selbst bezahlen, ältere Schüler haben Bestandsschutz.

Von Altenstadt nach Schongau

Schulweg jetzt „ungefährlich“, deshalb müssen Eltern die Busfahrkarte ab sofort selbst zahlen

  • Elke Robert
    VonElke Robert
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„Das ist eine bodenlose Frechheit“: Eine Altenstadter Mutter kann nicht glauben, dass für ihren jüngeren Sohn ab sofort der Bus zur Schule nach Schongau nicht mehr kostenlos sein soll. Das Problem trifft künftig alle Kinder ab der 5. Klasse: Der Schulweg wurde nun als „ungefährlich“ eingestuft. Ältere Schüler dürfen weiterhin kostenlos fahren.

Altenstadt/Schongau – Bianca Hornauer ist stocksauer. Ab diesem Schuljahr muss sie für ihren jüngeren Sohn den Schulbus von Altenstadt nach Schongau zur Pfaffenwinkel-Realschule selbst bezahlen. Der Weg sei nicht nur lang, „ich will auch nicht, dass mein Kind morgens bei Nacht und Nebel diesen gefährlichen Fußweg hat“, formuliert es die Altenstadterin.

Im Winter müsse der Elfjährige kurz nach 7 Uhr vom Bajuwarenweg aus los, da sei es noch stockfinster. Und zwei Mal wöchentlich ist für den jetzt Sechstklässler bis 16 Uhr Schule – da dämmere es im Winter schon fast.

„Eine bodenlose Frechheit“

„Es ist eine bodenlose Frechheit, was sich unser Landkreis da leistet“, hält sie mit ihrem Zorn nicht hinterm Berg. Und kann das auch alles nicht nachvollziehen. Denn in der 5. Klasse war die Busfahrt zur Realschule noch kostenfrei. Und auch die Fahrkarte für den 16-jährigen Sohn – gleiche Schule, gleiche Strecke – wird weiterhin übernommen.

„Und warum um alles in der Welt bekommt ein Kind aus der Nachbarschaft, das in Schongau die Mittelschule besucht, den Bus bezahlt, mein jüngeres Kind aber nicht?“, empfindet sie die Situation als äußerst ungerecht und absolut nicht nachvollziehbar. Auch seien 55 Euro im Monat für die Fahrkarte durchaus eine Belastung.

Sie schätzt den 2,7 Kilometer langen Fußweg ab dem Bajuwarenweg in Altenstadt zum Schulzentrum Schongau als gefährlich ein und macht sich Sorgen um ihren Jüngsten. Seitens des Landratsamtes wird bestätigt, dass die Schülerbeförderung für den Sechstklässler ab sofort nicht mehr übernommen wird, für den 16-Jährigen hingegen schon.

Begründung klingt paradox

Für das, was so paradox klingt, gibt es aber eine lange Begründung: Anspruch auf Beförderung haben ab der 5. Klasse nur Kinder, deren Schulweg länger als drei Kilometer ist oder die einen besonders gefährlichen oder beschwerlichen Schulweg haben. Das ist neuerdings offenbar für diese Strecke nicht mehr gegeben.

Im vergangenen Jahr hätten zwei Überprüfungen des Schulwegs zwischen Altenstadt und Schongau stattgefunden, erstmals im Juli 2020, wie Klaus Mergel, stellvertretender Pressesprecher des Landratsamtes, auf Anfrage erklärt. Das Ergebnis der Begehung mit dem Schulwegsicherheitsbeauftragten Wolfgang Mini, einem Vertreter der Polizei Schongau, Landrätin Andrea Jochner-Weiß, dem Altenstadter Bürgermeister Andreas Kögl sowie Helmut Stork, Sachgebietsleiter öffentliche Sicherheit und Ordnung im Landratsamt: Dieser Schulweg ist nicht als „besonders gefährlich“ oder „beschwerlich“ einzuschätzen.

„Gleichzeitig wurde aber bei diesem Termin vereinbart, dass sicherheitshalber eine abschließende Besichtigung des Schulwegs im Dezember 2020 –- also bei winterlichen Bedingungen – erfolgen soll“, verdeutlicht Mergel. Daher habe man festgelegt, dass die Kosten der Beförderung auf jeden Fall noch für ein Schuljahr, also das Jahr 2020/21, übernommen werden, aber auf freiwilliger Basis.

Darüber seien die Eltern auch informiert worden. Weil man beim zweiten Ortstermin Anfang Dezember 2020 zu dem Schluss kam, dass der Schulweg auch im Winter machbar sei, wurden die Beförderungskosten ab 2021/22 gestrichen.

Betroffen sind nur die kleineren Kinder

Betroffen sind alle Kinder, die ab der 5. Klasse die Mittelschule, die Realschule oder das Gymnasium besuchen. Gleichzeitig hatte man sich aber für die älteren Schüler auf „Bestandsschutz“ geeinigt, erklärt Mergel. Alle Schüler, die schon länger als ein Jahr eine der Schongauer Schulen besuchen, fahren für ihre restliche Schulzeit kostenlos – auch der 16-jährige Sohn von Bianca Hornauer. Der Jüngere fuhr im vergangenen Jahr lediglich aufgrund der Übergangsregelung umsonst.

„Irgendwo muss ein Schnitt gemacht werden“, erläutert der stellvertretende Pressesprecher das Prozedere. Weil die Regelung gerade erst in Kraft tritt, sind noch nicht viele Kinder betroffen, Mergel weiß bisher erst von dieser einen Beschwerde aus Altenstadt.

Damit alle Kinder gleich behandelt werden, hatte sich auch die Stadt Schongau für die Mittelschule drangehängt, in einer Schulverbandsversammlung war darüber beraten worden. Esther Laue von der Hauptverwaltung Schongau musste bisher auch erst die Eltern eines neuen Mittelschulkindes über die neue Regelung informieren. Grundschüler sind nicht betroffen.

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