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Chefärztin Solveig Groß

Chefärztin Solveig Groß über die Zukunft von Geburtsstationen

„Es ist ein Zuschussgeschäft“

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Weilheim - Im Kreis Weilheim-Schongau bezuschusst der Landkreis die Geburtshilfe, um die Station zu erhalten. Das ist ein absoluter Einzelfall. In den meisten anderen Regionen müssen immer mehr Geburtsstationen schließen.

Immer mehr Kliniken in Bayern schließen ihre Geburtsstationen, weil sie nicht mehr wirtschaftlich sind – zuletzt fiel die Entscheidung in Bad Tölz und Gräfelfing. In den Krankenhäusern in Weilheim und Schongau hingegen ist die Station sicher – der Landkreis nimmt ein Minus in Kauf, um die Geburtshilfe für die Zukunft zu sichern. Chefärztin Dr. Solveig Groß ist überzeugt, dass gerade kleine Geburtsstationen eine Zukunft haben. Im Interview erklärt sie, wieso.

-In den vergangenen zehn Jahren haben in Bayern mehr als 30 Geburtsstationen geschlossen. Für die Stationen in Weilheim und Schongau besteht keine Gefahr – wie haben Sie das geschafft?

Unser Landkreis hat sich ganz klar für den Erhalt der Geburtshilfe entschieden. Natürlich ist etwas mehr als guter Wille nötig. Es ist im Moment ein Zuschussgeschäft für die Politik.

-Das heißt, wirtschaftlich ist die Geburtshilfe nicht.

Die Geburtshilfe ist isoliert betrachtet mit unter tausend Geburten im Jahr nie wirtschaftlich. Mit 800 Geburten in Weilheim und Schongau sind wir ein kleines Haus. Aber zu einer Frauenklinik gehört ja auch der gynäkologische Zweig, das ist sicher eine Querfinanzierung. Außerdem sollte die Frage doch nicht sein, ob Geburtshilfe wirtschaftlich ist. Es kommt schließlich ein neuer Mensch zur Welt – das sollte uns doch etwas wert sein.

-Wie schwer war es, die Unterstützung der Politik zu bekommen?

Es gab natürlich Diskussionen, aber wir haben schnell einen Konsens gefunden. Politik, Geschäftsführung und Ärzte haben bei uns eben dasselbe Ziel: die Station für Frauen zu erhalten.

-Deutschlandweit geht der Trend aber eher zur Zentralisierung der Geburtsstationen.

Das ist in der Geburtshilfe ein Trend von vielen, die es in den vergangenen 50 Jahren gab. Dabei sind auch die kleinen Häuser sehr wichtig. Eine Geburt ist im Leben einer Familie schließlich ein wichtiges Ereignis. Dabei braucht man Beistand – und den können eben besonders kleine Häuser gut leisten. Hier ist ein direkter und persönlicher Kontakt zur Mutter eben leichter aufrechtzuerhalten. Das führt dazu, dass Frauen wesentlich angstfreier in die Geburt gehen. Und das hat zur Folge, dass die Zahl der Kaiserschnitte sinkt. In dieser Hinsicht liegen wir weit unter dem bundesdeutschen Durchschnitt.

-In Ihrem Nachbarlandkreis schließt die Tölzer Geburtsstation. Was bedeutet das für Ihren Standort?

Unser Haus kann das stemmen, wenn auch die Tölzerinnen zu uns kommen. Es ist uns wichtig zu signalisieren, dass wir eine Geburtsstation sind, die für Frauen da ist. Und natürlich arbeiten wir langfristig auch darauf hin, irgendwann schwarze Zahlen zu schreiben. Dafür ist es sehr wichtig, dass unser Angebot auch angenommen wird. Nur so können wir es auf Dauer halten.

-Für viele Häuser ist der Hebammen-Mangel ein großes Problem. Für Sie nicht?

Sicher ist das auch für uns ein Problem. Wegen der hohen Prämien für die Berufshaftpflicht üben viele Hebammen ihren Beruf nur noch in Vor- und Nachsorge aus. Man muss als Hebamme leider sehr idealistisch sein, um von aktiver Geburtshilfe noch leben zu können.

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