Schongaus Stadtchor bei einem seiner Wieskonzerte 2016
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Ein Bild, das so heuer nicht möglich ist: Schongaus Stadtchor bei einem seiner Wieskonzerte 2016 – mit künstlerischem Leiter Christoph Garbe, der nun abgelöst wird.

Corona-Krise

Chöre setzen alle Hoffnung auf 2021

Die für heuer geplanten Programme der beiden großen Klassik-Reihen in der Wies wurden auf 2021 verschoben. Doch für die Chöre ist ein Ende des Corona-Tals in Sicht. Beim „Festlichen Sommer“ wird der Hoffnungsstreifen aber vom Zerwürfnis zwischen Vorstand und künstlerischem Leiter überschattet.

Schongau/Wies – Beide renommierten Schongauer Chöre, der „Gemischte Chor im Pfaffenwinkel“ unter der künstlerischen Leitung von Christian Fröhlich wie auch der „Chor der Stadt Schongau“ unter dem noch amtierenden Christoph Garbe traf das im März verhängte Proben- und Konzertverbot für die Sommersaison 2020 mit voller Wucht. Doch nach der Absage sämtlicher Veranstaltungen soll die bereits geleistete, monatelange Probenarbeit vor dem Lockdown nicht verlorene Zeit sein. Sämtliche Programme der „Musik im Pfaffenwinkel“ wie auch des „Festlichen Sommers in der Wies“ sollen auf 2021 verschoben werden.

Die beiden Chöre, die in normalen Zeiten nicht gänzlich frei von Konkurrenzgefühlen im Weltkulturerbe Wieskirche agieren, sitzen – äußerlich betrachtet – beinahe im gleichen Boot. Alle Konzertvorbereitungen waren wie gewohnt zeitig vertraglich abgesichert und organisiert, Orchester und Solisten engagiert, Werbung geschaltet, Tickets bereits in stattlicher Zahl verkauft. Quasi mit einem Federstreich führte Corona alle Mühen ad absurdum.

Noch ist für beide Chöre auch das Engagement der Sponsoren nicht gesichert. Laut Vorstandsvorsitzender Ute Zimmer vom „Festlichen Sommer“ gab es hier unterschiedliche Reaktionen, auch die Frage des kommunalen Zuschusses sei noch ungeklärt. Christian Fröhlich von „Musik im Pfaffenwinkel“ ist dankbar, dass es aus Reihen der Unterstützer rasch Signale der Solidarität gab. Die Reaktionen der Gäste aus Nah und Fern werten beide Vorstände als verständnisvoll. Die aufwendige Rückabwicklung des Kartenverkaufs verlief ohne Groll, einige der langjährigen Besucher blieben optimistisch. „Schreiben Sie es für 2021 gut“, war dann am Telefon zu hören.

Dass ein Dirigent ohne Chor und Orchester beileibe nicht im „Nichtstun“ verharren muss, kann man von Fröhlich wie Garbe gleichermaßen erfahren. Fröhlich, ungewöhnlich akribisch im Einrichten der Orchesterstimmen, versah seine Arbeit auch ohne anstehende Konzerte gänzlich unverdrossen, genoss sogar die zusätzliche Zeit fürs Partitur-Studium und möbelte sein Sprachentalent auf. Englisch, Französisch, Italienisch sind für einen Konzert- und Operndirigenten eh ein Muss. Nachdem die weltweite Pandemie auch Konzertpläne mit seinen chinesischen Partnern torpedierte, begab sich Fröhlich auf die Enträtselung der „nicht so schwierig strukturierten chinesischen Grammatik. Aber mit den Schriftzeichen ist es schon ein Kampf“, musste er schmunzelnd relativieren. In der Krise gesund und entspannt zu bleiben, ist sein Motto, das offenbar auf den ganzen Chor ausstrahlt. Nach den Sommerferien hofft man, im gewohnten Probenrhythmus mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen wieder die Arbeit aufnehmen zu können.

Auch bei Christoph Garbe, bis Ende August offiziell noch künstlerischer Leiter des „Festlichen Sommers in der Wies“, gab es mitnichten musikalischen Leerlauf. Er entwarf ein digitales Angebot mit Stimmbildungs-Übungen, Anregungen zur Erweiterung des musiktheoretischen Horizonts. Für den begeisterten Pädagogen, der den Profimusiker-Nachwuchs für Ensembleleitung an der Berufsfachschule für Musik in Krumbach ausbildet, war es selbstverständlich, seine Studenten wenn denn nicht persönlich, so doch virtuell weiter zu unterrichten.

Für den Chor und den Förderverein des „Festlichen Sommers in der Wies“ – der Fragen zum Zerwürfnis zwischen Vorstand und Garbe abblockt – gilt es jetzt rasch, eine neue künstlerische Leitung zu wählen. Zwei junge Bewerber treten dort in Kürze in den Ring, die musikalische Messlatte durch ihre Vorgänger Blank und Garbe ist hoch. Dass der gekürte Kandidat dann Programm und Vorarbeit seines Vorgängers für 2021 übernehmen soll, ist mehr als ungewöhnlich. Auch die Frage, wie es dem Vorstand nach dem inzwischen wiederholten Ausscheiden eines herausragenden künstlerischen Leiters gelingt, die Qualität der Reihe zu sichern, bleibt spannend.

VON DOROTHE GSCHNAIDNER

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