Die Christusfigur wurde mit Hilfe eines Krans zu Boden gehievt, die Madonnenfigur folgte postwendend.
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Die Christusfigur wurde mit Hilfe eines Krans zu Boden gehievt, die Madonnenfigur folgte postwendend.

Restaurierung und Umgestaltung der Kreuzigungsgruppe an der Stadtpfarrkirche

Christus vom Kreuz genommen

Schongau – Viele Schaulustige tummelten sich auf dem Marienplatz, hatten ihre Handys gezückt und hielten den Augenblick fotografisch fest. An der Ostseite der Schongauer Stadtpfarrkirche wurde am gestrigen Vormittag die Kreuzigungsgruppe, bestehend aus Christus am Kreuz und der heiligen Muttergottes, abgenommen.

Ein historischer Moment, denn die beiden Figuren werden nach ihrer Restaurierung nicht wieder gemeinsam an die Außenfassade zurückkehren. Nur die Madonna wird wieder hier stehen, anstelle des aus der Barockzeit stammenden Christus wird eine Neuanfertigung ans Kreuz gehängt.

Der Vorsitzender des Fördervereins der Kirche, Helmut Hunger, sagt, dass der barocke Christus wieder im Inneren der Kirche Mariae Himmelfahrt platziert wird. „Sonst macht uns die Witterung diese sehr wertvolle Skulptur noch kaputt.“ Schon bevor der Christus in den sechziger Jahren nach draußen verlegt wurde, hing er innerhalb der Kirchenmauern am Kanzelkreuz. Dort wird er nun auch in Zukunft wieder zu bestaunen sein.

Für die Restaurierung der beiden Figuren ist die Altenstadter Kunstwerkstatt von Paul Ressl zuständig. Er hat mit seinen Mitarbeitern gestern die beiden Skulpturen abgenommen. Dafür mussten dem Christus und der Muttergottes zunächst Gurte um die Leiber geschnallt werden. Mit einem Kran des Bauunternehmens Haberstock wurden sie dann nacheinander vorsichtig zu Boden gehievt. Auch die kleine Tafel mit der Kreuzinschrift „I.N.R.I.“ wurde entfernt und wird ebenfalls restauriert. Die Kosten für die Überarbeitung werden vom Förderverein der Kirche bezahlt.

Durch die Verlegung des barocken Christus in das Kircheninnere muss für den Körper, der aktuell noch am Kanzelkreuz hängt, ein neuer Platz gefunden werden. Harry Behne, Verwaltungsleiter der Pfarreiengemeinschaft Schongau, sagt dazu: „Eine Möglichkeit ist die Befestigung über dem Altar, innerhalb des Chorbogens.“ Dort sei die Christusskulptur bereits zu früheren Zeiten gehangen, das zeigen Fotografien um die Jahrhundertwende. Im Vergleich zum barocken Christus ist diese Figur um die 200 Jahre älter und gotischen Stils.

Die Schongauer können sich ab heute ein Bild von dem geplanten Aufstellungsort der gotischen Christusfigur machen. Seit gestern baumelt eine originalgetreue Nachbildung aus Aluminium von der Decke. Circa 3,50 Meter ist das Kreuz mit dem überlebensgroßen Christus lang und ungefähr zwei Meter breit. Der Verwaltungsleiter hatte es bei einem Werbetechniker in Auftrag gegeben.

„Das ist jetzt erst mal nur für das Visuelle und vorläufig“, sagt er. Sollte der Anbringungsort von der Kirchengemeinde für gut gefunden werde, könne man weitere Schritte in die Wege leiten. Hier würde der leidende Christus auch wieder auf das Kirchenvolk schauen. „Das wäre auch theologisch sinnvoller“, sagt Behne.

Am Kanzelkreuz ist dies nicht der Fall, der Christus blickt noch in den Altarraum. „Auch deshalb wird klar, dass dieser Christus eigentlich nicht ans Kanzelkreuz gehört.“ Behne freut sich schon über das Feedback der Kirchengemeinde zu den geplanten Änderungen. „Die Meinungen unserer Gläubigen sind sehr willkommen.“

JENNIFER BATTAGLIA

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