An vielen Grundschulen im Landkreis hakt es noch bei den Lolli-Tests.
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An vielen Grundschulen im Landkreis hakt es noch bei den Lolli-Tests.

Personal „weit über Grenze der Belastbarkeit“

Zeitplan „völlig realitätsfern“: Grundschulen in Bayern müssen Start der Lolli-Tests verschieben

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    VonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Der Plan des Kultusministeriums, bald nach den Sommerferien mit Lolli-Tests an Grundschulen zu beginnen, geht im Landkreis Weilheim-Schongau nicht auf: Fast alle Schulen verschieben den Start.

Landkreis – Kaum hat das neue Schuljahr begonnen, schon ist der Ärger an den Schulen vorprogrammiert. Seit Montag sollten die Lolli-Tests an den Grundschulen laufen. Daran ist wegen organisatorischer und technischer Missstände gar nicht zu denken.

Corona in Bayern: Lolli-Tests an Grundschulen - „Verwaltungstechnisch ist das der Wahnsinn“

Als eine der wenigen Schulen im Landkreis hat es die Grundschule Obersöchering geschafft, am Mittwoch mit dem Lolli-Test an den Start zu gehen. Und? Alles einwandfrei gelaufen. Rektorin Pamela Führmann kommt aus dem Lachen fast nicht mehr heraus.

Es ist eher ein gequältes Lachen. Alleine schon der Zeitplan des Kultusministeriums: „völlig realitätsfern“. „Verwaltungstechnisch ist das hier der Wahnsinn, wir haben es nur durch sehr viel Mehrarbeit geschafft.“ Und das, obwohl Obersöchering mit gerade mal 79 Schülern und vier Klassen quasi eine Mini-Schule ist.

Probleme mit Lolli-Tests an Schulen: Mails an Eltern landen im Spam-Ordner

Was bislang gelaufen ist, hört sich an wie eine Verkettung unglücklicher Ereignisse: Material und Daten trudeln erst am vergangenen Freitag bei der Schule ein – keine Zeit zur Vorbereitung also. Die Eltern gewähren eine Benachrichtigung der Test-Ergebnisse per Mail.

Die Rück-Mail, die zu bestätigen ist, landet allerdings bei vielen im Spam-Ordner. „Am Mittwoch haben wir den ganzen Tag mit Eltern telefoniert und nach Mails gesucht“, so Führmann. Am selben Tag bricht übrigens auch noch das Melde-Portal komplett zusammen. Erst abends trudeln die ersten Ergebnisse ein.

Röhrchen mit Barcodes bekleben – das machen die Lehrer. Die Registrierungscodes im Online-Portal eingeben: Das macht die Rektorin mit der Sekretärin. Der QR-Code funktioniert noch nicht. Also wird der 14-stellige Code händisch getippt. Für alle Schüler, die teilnehmen. Da kommt Freude auf.

Lolli-Tests in Schulen: Einwilligungserklärungen von Eltern fehlen

Übrigens: Zehn Grundschüler in Obersöchering sind bei den Pool-Tests nicht dabei. Sie bringen drei mal pro Woche ein aktuelles negatives Test-Ergebnis mit. Und das, obwohl zumindest eines positiv zu vermerken ist: „Die Handhabung der Lolli-Test ist leichter, und es geht schnell“, so Pamela Führmann.

Wenn es schon im kleinen so aussieht, wie funktioniert das Ganze dann an einer riesigen Grundschule wie Schongau? Noch gar nicht. „Es fehlen noch zahlreiche Einwilligungserklärungen und bei den Eltern geht die Reaktion von erfreut bis zur totalen Verweigerung“, gibt sich Schulleiterin Ute Meub wenig begeistert. Vor allem an der Datenweitergabe stören sich die Eltern.

Lolli-Tests in Bayern: Verwaltungspersonal „weit über Grenze der Belastbarkeit“

Auch von Seiten der externen Organisation funktioniere vieles noch nicht verlässlich. „Dieser unsinnige Zeitdruck bringt Schulleitungen, Lehrer und vor allem das Verwaltungspersonal bereits zu Beginn des Schuljahres weit über die Grenze der Belastbarkeit.“ Man stelle von einem funktionierenden System, bei dem infizierte Schülerinnen und Schüler sofort morgens separiert werden konnten „um auf ein System, in dem infizierte Kinder den restlichen Schulvormittag in der Klasse sitzen“.

Auch an der Alfons Peter-Grundschule in Peiting hat man die Pool-Testungen „aus organisatorischen Gründen“ um eine Woche verschoben. Auch wenn die Pool-Testungen neu sind, „und Neues erst mal immer mehr Arbeit macht“, sieht Rektorin Ursula Dölling auch Vorteile für die Schüler: „Für die Kinder wird es sicher leichter, wenn sie nur am Stäbchen lutschen müssen wie an einem Lolli.“ Wie es tatsächlich wird: Das wird sich, ebenso wie in Schongau, ab Montag zeigen.

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