Plantsch-Chef Andreas Kosian vor einem leeren Becken des Schongauer Schwimmbads.
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Das Becken wird wieder geleert: Der zweite Lockdown setzt dem Plantsch schwer zu. Badchef Andreas Kosian wird 2020 tiefrote Zahlen schreiben.

Wasser wird abgelassen

Corona: Plantsch-Chef rechnet mit längerem Lockdown - finanzielle Lage ist prekär

  • Jörg von Rohland
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Plantsch-Vorstand Andreas Kosian steht vor einem entsetzlichen Jahresabschluss. Der neuerliche Lockdown von Bad und Saunaland macht die ohnehin schon prekäre finanzielle Lage zu einem Desaster.

Schongau – Im Schongauer Bad richtet man sich auf eine längere Zwangspause ein, als sie am Dienstag von der Kanzlerin in Aussicht gestellt wurde. „Ich rechne mit höherer Wahrscheinlichkeit damit, dass es nicht bei den vier Wochen bleiben wird“, sagt Plantsch-Vorstand Andreas Kosian.

Ab Sonntagnacht wird er deshalb damit beginnen, das Wasser aus den Becken abzulassen. Finanziell rechnet sich das laut Kosian eigentlich zwar erst ab fünf Wochen Stillstand. „Aber im Jahr 2020 war bisher fast jede unternehmerische Entscheidung ein Abwägen von Chancen und Risiken mit gehörigem Anteil an Spielerglück.“

Schongauer Plantsch-Chef hat keine großen Hoffnungen auf direkte Staatshilfen fürs Schwimmbad

Der Bad-Chef muss also pokern, weil auf direkte Staatshilfen setzt er keine großen Hoffnungen. Bekanntlich sollen während der bevorstehenden Zwangspause betroffene Betriebe großzügig entschädigt werden und 75 Prozent des Umsatzes aus dem November 2019 erhalten. „Das würde natürlich helfen, um das Jahresergebnis etwas weniger gruselig zu gestalten“, meint Kosian. Natürlich wird er deshalb auch den Antrag stellen.

Dass tatsächlich Geld fließt, glaubt er aber nicht: „Wir haben in den vergangenen Monaten immer alle Anträge auf Soforthilfen gestellt, allerdings wurden immer nachträglich Kommunalunternehmen und städtische Eigenbetriebe aus den Hilfsprogrammen herausgestrichen“, bedauert Kosian.

Bisher keine finanziellen Hilfen für das Schongauer Schwimmbad - Wichtige Mitarbeiter gingen verloren

Hilfen gab es für das Schongauer Kommunalunternehmen bisher nur in Form von Kurzarbeit. Und auch jetzt wird das Plantsch diesen Weg wieder gehen müssen. Ab Montag wird erneut Kurzarbeit für 33 von 59 Beschäftigen angemeldet. Die 26 Aushilfen, die für 450 Euro pro Monat im Bad jobben, schauen dagegen in die Röhre: „Kurzarbeit kann nur für Voll- und Teilzeitmitarbeiter beantragt werden“, bedauert Kosian.

Aus diesem Grund habe er nach dem ersten Shutdown auch schon einige wichtige Mitarbeiter verloren. „Sie mussten sich verständlicherweise nach anderen Einkommensmöglichkeiten umsehen.“ Für den einen Auszubildenden, den das Plantsch beschäftigt, gibt es auch kein Kurzarbeitergeld. Er wird laut Kosian voll weiter arbeiten.

In den kommenden vier Wochen wird es für den jungen Mann dann recht einsam in dem Bad. Nur noch Kosian selbst und der Technische Leiter kümmern sich um den Erhalt der Anlage, die Wartung, sicherheitsrelevante Belange und die weiterlaufenden Geschäftsvorfälle der Verwaltung.

Plantsch-Chef befürwortet Lockdown

Trotz der immensen finanziellen Einbußen und des damit steigenden Defizits, das das Bad von Haus aus schreibt, steht Andreas Kosian voll hinter der Entscheidung des Staats. Er verweist zwar auf eine Risiko-Analyse, die den Betrieb von Bad und Sauna sogar für empfehlenswert hält. Wegen des „gesamtgesellschaftlichen Effekts“ hält es Kosian aber für sinnvoll, auch Bäder und Saunen zu schließen.

„Würden sie als einziges Freizeitangebot offen bleiben, würden wir wahrscheinlich derartig überrannt, dass es wieder sehr schwierig würde, den Besucheransturm verantwortungsvoll zu handeln“, gibt der Bad-Vorstand zu bedenken.

Plantsch-Chef befürchtet „Gesellschaft von Nichtschwimmern“ in Zukunft

Wirtschaftlich macht es derweil für den Badchef gar keinen so großen Unterschied, ob der Betrieb komplett ruht oder unter der Einhaltung sämtlicher Corona-Vorschriften weiterläuft. Saunabetrieb und Gastronomie seien so gerade noch wirtschaftlich, weiß Kosian. Der Badbetrieb dagegen sei angesichts der deutlich höheren Betriebskosten und gleichzeitig deutlich geringeren Erlöse durch Besucher „eine wirkliche Geldverbrennungsmaschine“.

Die viel größere Katastrophe sieht der Plantsch-Vorstand in der Daseinsfürsorge für Schulschwimmen, Vereinsleben und Breitensport. Kosian: „Wenn ich alleine die seit Monaten und Jahren rückläufigen Zahlen im Schwimmkursbetrieb der Schulen sehe, blicken wir einer Zukunft aus einer Gesellschaft von Nichtschwimmern entgegen.“

Das Plantsch werde nun in einen „Winterschlaf versetzt, aus dem das Aufwecken 14 Tage dauern wird“, blickt Andreas Kosian voraus. „Somit rechne ich realistisch mit einer frühestmöglichen Wiedereröffnung des Saunabetriebes ab Anfang Dezember, für den Schwimmbetrieb irgendwann zwischen Mitte Dezember und 27. Dezember 2020.

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