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Zwölf Lehrer in bayerischer Schule krank: Schulleiter nennt als einen Grund die Masken-Pflicht

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Von: Barbara Schlotterer-Fuchs

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Maskenpflicht im Unterricht
Nach dem Eklat um das Aussetzen der Masken-Pflicht will sich Schulleiter Eder in einem Eltern-Brief erklären - dabei bringt er viele auf die Palme. © Marijan Murat/dpa

Schulleiter Armin Eder erklärt sich nach dem Eklat um das Aussetzen der Masken-Pflicht am Platz in der vergangenen Woche – und bringt mit einem Eltern-Brief viele auf die Palme.

Schongau – Nachdem Armin Eder vergangene Woche auf Anweisung des Kultusministeriums per Lautsprecher verkünden musste, dass das Tragen der Maske am Platz jetzt auch in der Pfaffenwinkel-Realschule wieder verpflichtend ist, hat Eder in einem Schreiben darauf hinweisen, dass es an seiner Schule bislang nicht mehr positiv getestete Schüler gibt als andernorts. Allerdings möchte er auch mitteilen, dass dafür jetzt um so mehr Lehrer krank sind. Im Elternbrief formuliert er es so: „Leider beklagen wir seit heute zwölf erkrankte Lehrkräfte, die sich u.a. wegen der Maskenpflicht am Platz krank melden mussten. Dadurch fallen viele Unterrichtsstunden aus. Dies habe ich befürchtet, konnte aber nichts bewegen, wie Sie wissen.“

Lehrer bleiben wegen der Masken-Pflicht zu Hause? Das stößt einigen Eltern so auf, dass sie sich bei der Redaktion melden, mehrere Abdrucke des Schreibens, in dem der Absatz markiert ist, gehen anonym per Post bei der Heimatzeitung ein.

Bis Dienstag offiziell nur zwei Schüler positiv getestet

„Mir hat eine Mutter geschrieben, dass meine Lehrkräfte mit ihrer Krankmeldung anscheinend etwas boykottieren wollen. Dies weise ich scharf zurück“, betont Eder auf Nachfrage. Besagte Lehrkräfte seien nun eben krank. „Die Ursache kann auch in der Tragepflicht der Masken liegen. Auch an anderen Realschulen kommt es derzeit zu erhöhten Krankheitsfällen, wen wundert‘s.“ Auch er selbst würde zu Hause bleiben, wenn ihn das unterrichten mit Maske krank mache.

Ihn freut zumindest, dass am Montag nur zwei Schüler positiv auf Corona getestet wurden, am gestrigen Dienstag gab es keinen einzigen positiven Schnelltest. Der Redaktion sind mindestens zwei weitere Realschüler bekannt, die am Wochenende positiv getestet wurden und aus der Statistik herausfallen. Nach einer Woche ohne Maske kann man sicher nicht von einem Super-Spreader-Unterricht sprechen.

Direktor Eder beruft sich auf Interview mit dem Virologen Klaus Stöhr

Dies stützt die Theorie von Direktor Eder, dass das Infektionsgeschehen an Schulen nicht im Mittelpunkt der Pandemie stehen sollte. Er beruft sich dabei auf den Virologen Prof. Klaus Stöhr, der unserer Zeitung gesagt hatte: „Mehr Masken und Abstandsregeln in Schulen helfen nicht, den Schutz und die Impfrate bei den Pflegekräften und über 60-Jährigen zu erhöhen.“

Eder betont einmal mehr: Keinesfalls habe er am Montag vergangener Woche zum Absetzen der Maske aufgefordert, nur auf die Tatsache hingewiesen, dass das Absetzen nicht geahndet wird. Nach 20-minütigem Tragen der medizinischen Maske werde sie nass, zumindest wenn man spricht. Dann müsse sie gewechselt werden, sonst sei sie wirkungslos. „Wie soll ich überprüfen, dass jeder Schüler ein bis zwei Ersatzmasken dabei hat oder überhaupt jeden Tag eine neue trägt? Von einigen Schülern, aber auch Erwachsenen weiß ich, dass die gleichen über Wochen benützt werden. Somit sind sie nutzlos“, stellt Eder fest. Hinzu käme, dass die Normmasken viel zu groß für Zehnjährige seien. „Hauptsache wir tragen irgendwas, auch wenn die Sicherheit nur vorgetäuscht erscheint?“

„Es war ein Versuch, der nicht funktioniert hat“

Einige Eltern kritisieren auch, dass die 1,5-Meter-Abstände der Schüler im Unterricht nicht, wie von Eder behauptet, eingehalten werden können. Da verweist der Schulleiter auf eine weitere Durchsage vom Dienstag, dass er ermahnt habe, die Abstände der einzelnen Tische beizubehalten. „Aber die Kinder haben sich nicht an die Abstände gehalten – ich hätte meine Vorgehensweise auch ohne Eingreifen des Kultusministeriums geändert und die Sache wieder rückgängig gemacht.“

Allerdings nicht ohne klar zu stellen: „An den Schulen werden wir mit all den Maßnahmen geprügelt, weil wir uns nicht wehren können.“ Ein Schulleiter sei keine Infektionsschutzbehörde. Sein Vorgehen, sagt Eder, sei eine „Gratwanderung“. Warum macht er das? Weil er sich stark machen möchte, gegen eine Spaltung der Gesellschaft, betont der Direktor. Die Draufhau-Mentalität auf Menschen, die mit der Maske ein Problem haben, sei nicht schön. „Ich wollte meinen Beitrag leisten. Es war ein Versuch, der nicht funktioniert hat.“

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