Wolfgang und Iris Stübiger aus Altenstadt: Er wurde positiv getestet – angesteckt von seiner Frau. Die arbeitet als Krankenschwester in Schongau.
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Wolfgang und Iris Stübiger aus Altenstadt: Er wurde positiv getestet – angesteckt von seiner Frau. Die arbeitet als Krankenschwester in Schongau.

Panik und Vorwürfe: Corona als stiller Feind

Corona im Klinikum Schongau: Krankenschwester steckt Familie an

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Er hat Todesangst, Panik. Die Luft ist weg. Der Geschmack auch. Wolfgang Stübiger kommt mit Corona ins Schongauer Krankenhaus. Angesteckt hat ihn seine Frau – eine Krankenschwester im selben Haus.

  • Eine Krankenschwester hatte ihren eigenen Mann mit Corona angesteckt
  • Er hat die schlimmsten Tage seines Lebens hinter sich
  • Auch die Eltern der Krankenschwester wurden infiziert
  • Die Frau war verzweifelt, auch weil ihr der „Schwarze Peter“ zugeschoben wurde

Schongau – Als Wolfgang Stübigers Frau an diesem Freitag im Oktober ihre Frühschicht als Krankenschwester im Schongauer Krankenhaus antritt, geht es ihr gut. Im Laufe des Vormittags soll sich das ändern. Sie bekommt Erkältungssymptome, es geht ihr schlechter. Währenddessen verhält sich das bei ihrem Ehemann zu Hause genauso. Er bekommt leichtes Fieber. Und ein „bisschen Husten. Der war am Anfang gar nicht so wild.“

Leichtes Fieber und ein bisschen Husten: „Der Anfang war gar nicht so wild“

Wolfgang Stübigers Frau Iris wird sofort im Krankenhaus getestet und früher von der Schicht nach Hause geschickt. Schon einen Tag später steht fest: Sie ist positiv. Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Ohne Symptome hat sie nicht nur ihren Mann Wolfgang angesteckt, der mit seinen 74 Jahren zu den Risikopatienten zählt. Auch ihre eigenen Eltern (...), die sie zu Hause selbst betreut, hat sie unwissentlich mit dem Corona-Virus infiziert.

Unwissentlich auch die eigenen Eltern mit dem Virus infiziert

Am Montag, nachdem seine Frau positiv getestet ist, wird Wolfgang Stübiger vom Bereitschaftsarzt untersucht. Es wird ein Abstrich gemacht. Das Ergebnis liegt noch nicht vor, als er am Freitag darauf ins Krankenhaus Schongau eingewiesen wird. Er hat die schlimmsten Tage seines Lebens hinter sich. „Wenn ich Hustenanfälle hatte, dachte ich, ich ersticke.“ Er spricht von Panik-Attacken. Bei seiner Frau, die wesentlich jünger ist, ist der Verlauf wesentlich milder.

Innerhalb einer Woche acht Kilo abgenommen

Innerhalb einer Woche hat Wolfgang Stübiger acht Kilo abgenommen. Er schmeckt nichts mehr. Die ersten vier Tage bekommt er Sauerstoff im Schongauer Krankenhaus. Ein Toilettengang oder Zähneputzen im Krankenhaus-Bad macht ihn fertig. „Ich war total kaputt.“ Die Schwiegermutter kommt einen Tag nach dem Schwiegersohn ins Krankenhaus. Auch sie bekommt Sauerstoff. Und wird nach fast zwei Wochen fast zeitgleich mit Wolfgang Stübiger entlassen.

Krankenschwester wurde „Schwarzer Peter zugeschoben“, dabei waren so viele mehr positiv

Ein besonders trauriger Aspekt: Wolfgang Stübiger spricht davon, dass seiner Frau der „Schwarze Peter“ zugeschoben werden sollte. Sie galt seinerzeit als einer der ersten Krankenschwestern im Krankenhaus Schongau, die positiv auf Covid 19 getestet worden waren. Tatsächlich stellt sich nach der Massentestung heraus. Es sind viele. So viel mehr. Quer verteilt über alle Stationen. Seine Frau, so sagt er, wäre nie auf Station erschienen, hätte sie Symptome gezeigt. „Meine Frau ist mit Leib und Seele Krankenschwester, sie ist für alle Patienten da.“ Seinerzeit sicherlich ein viel gesuchtes Phänomen.

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Eine Erfahrung zwischen Verzweiflung, Schuld und Unschuld

Die Vorwürfe, die zunächst aufgeflammt waren, „haben schwer an ihr gezehrt“. Eine Erfahrung zwischen Verzweiflung, Schuld und Unschuld. Unwissentlich hat Inge Stübiger nicht nur ihren Mann angesteckt, sondern auch noch beide Eltern – alles altersbedingt Risikopatienten. Zweifelsohne lasten da nicht belastbare Anschuldigungen um ein vielfaches mehr auf solch schwachen, hilfsbereiten Schultern.

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Virus ist besiegt, der Blick richtet sich nach vorn

Die Stübigers blicken nach vorne. Der Virus ist besiegt. Alle Infizierten sind jetzt negativ getestet. Wolfgang Stübigers Frau Inge kann in der kommenden Woche wieder ihren Dienst antreten. Garantiert erst mal dank Negativ-Test absolut risikofrei.

Was für die Familie an Gedanken bleibt, das ist gemischt. Da sind zum einen die schlimmen Erfahrungen mit dem Virus an sich, aber auch mit den Reaktionen aus dem Umfeld. Aber Wolfgang Stübiger erinnert sich auch gerne an die Fürsorge, die er im Krankenhaus Schongau in dieser schlimmen Situation erfahren hat. „Ich habe mich in sehr guten Händen gefühlt“, erzählt er. Ärzte, Pflegepersonal: Das alles sei „beeindruckend“ gewesen. „Ich habe mich absolut in guten Händen gefühlt.“

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