Droht ein Massenausbruch?

Nach Corona-Alarm in Krankenhaus: Kompletter Aufnahme-Stopp hält an - „von Normalbetrieb weit entfernt“

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  • Katrin Kleinschmidt
  • Veronika Mahnkopf
    Veronika Mahnkopf
  • Sebastian Tauchnitz
    Sebastian Tauchnitz

Im Krankenhaus Schongau wird die gesamte Mitarbeiterschaft auf das Coronavirus getestet. Über 30 Tests fielen bereits positiv aus. Normalbetrieb ist derzeit unmöglich.

  • Im Krankenhaus Schongau droht ein Massenausbruch des Coronavirus unter den Mitarbeitern.
  • Mehr als 30 von 600 Mitarbeitern wurden bereits positiv auf das Coronavirus getestet.
  • Sowohl für das Krankenhaus Schongau als auch das Krankenhaus Weilheim (sie gehören zusammen) wurde ein Besucherstopp verhängt.
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Update vom 27. Oktober, 12:15 Uhr: Die Mitarbeiterin des Krankenhauses Schongau hatte alles richtig gemacht: Als sie sich während ihres Dienstes in der vergangenen Woche unwohl fühlte, sagte sie Kollegen Bescheid, ließ sich auf das Coronavirus testen und ging heim. Das Ergebnis fiel positiv aus – und zog eine Welle an weiteren Tests nach sich. Erst musste sich die restliche Station testen lassen – dadurch kamen vier weitere Fälle heraus. Dann ordnete das Gesundheitsamt an, dass alle Mitarbeiter in patientennahen Bereichen des Krankenhauses Schongau getestet werden mussten. Das erschreckende Ergebnis: Insgesamt 32 Mitarbeiter tragen das Virus in sich – sie arbeiteten „verteilt über das ganze Haus“, sagt die Pressesprecherin der Krankenhaus GmbH, Susanne Heintzmann. Einzig im OP-Team und auf der Isolierstation fielen alle Tests negativ aus.

Corona-Ausbruch im Krankenhaus Schongau: Mitarbeiter sehr sensibilisiert - einige Infizierte symptomlos

Warum so viele Mitarbeiter betroffen sind, kann derzeit niemand so recht erklären. Im Umfeld des Krankenhauses heißt es, dass so manch einer zuvor die Maskenpflicht nicht ganz ernst nahm. Daran glaubt Heintzmann nicht. „Es ist normal, dass nun solche Gerüchte aufkommen“, sagt sie. „Ich erlebe die Mitarbeiter ganz anders, sie sind seit Monaten sehr sensibilisiert.“ Das sehe man auch daran, dass die erkrankte Mitarbeiterin sich bei ersten Anzeichen gleich testen ließ und nach Hause ging. Die Ärzte und das Pflegepersonal würden zudem bereits morgens ihre Temperatur messen, führten sogar Tagebuch darüber. „Jeder weiß, dass er nicht einmal mit Halskratzen kommen darf“, sagt Heintzmann. „Und alle anderen positiv Getesteten haben auch keinerlei Symptome.

Nach Corona Ausbruch im Krankenhaus Schongau: Vom Normalbetrieb weit entfernt

Die Krankenhaus GmbH weiß, wo sie wieder hin will. Deshalb arbeiteten die Verantwortlichen in den vergangenen Tagen an einem Quarantäne-Konzept. Dafür haben die GmbH und das Gesundheitsamt des Landkreises um schnelle fachliche Unterstützung beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittel gebeten. Ziel sei es laut Heintzmann, „versorgungsfähig zu bleiben und maximale Sicherheit zu garantieren“. Das Konzept soll den Weg zurück in den Normalbetrieb ebnen.

Von diesem ist das Krankenhaus Schongau derzeit weit entfernt. Seit Donnerstag werden keine Patienten mehr aufgenommen – davon sind auch die Geburtshilfe und ambulante Angebote betroffen. Die Notaufnahme übernimmt noch die Erstversorgung, wenn jemand auf eigene Faust vorbeikommt. Ist aber eine Weiterbehandlung oder eine stationäre Aufnahme nötig, werden die Patienten nach Weilheim gebracht.

Update vom 26. Oktober, 12.40 Uhr: Wie die Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH in einer Pressemitteilung am Montagmittag schreibt, wurden von 430 (Stand Montag) 32 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet. „Diese Situation ist ein Novum im deutschen Kliniksektor. Waren bisher im Infektionsgeschehen vor allem die Patienten im Blickpunkt, sind es hier nun die Mitarbeiter“, heißt es weiter in der Mitteilung.

Die positiv Getesteten arbeiteten demnach in nahezu allen Bereichen des Krankenhauses, außer auf der Isolierstation sowie im OP. Eine herausfordernde Situation: „Aus diesem Grund ist eine Kontakt-Nachverfolgung, wie vom RKI empfohlen, zeitnah nicht lückenlos umsetzbar.“

Coronavirus-Ausbruch im Krankenhaus Schongau: Quarantänekonzept für Mitarbeiter wird ausgearbeitet

Um die Versorgungssituation bei weiter steigenden Fallzahlen im Landkreis Weilheim-Schongau aufrecht zu erhalten, werde man ein Quarantänekonzept ausarbeiten. Dies geschieht in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt. Einerseits sollen alle 430 Mitarbeiter dabei berücksichtigt werden, andererseits die derzeit 90 Patienten, die im Schongauer Krankenhaus liegen. Es handelt sich dabei vor allem um Menschen mit altersbedingten Leiden.

Man habe das Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit um Hilfe gebeten. Am Dienstag soll ein Konzept ausgearbeitet sein, um so schnell wie möglich zum Normalbetrieb zurückkehren zu können, so die Mitteilung.

Am heutigen Montag wird darüber hinaus das OP-Team des Krankenhauses Weilheim getestet. Es handele sich dabei um eine Vorsichtsmaßnahme. Alle Patienten des Krankenhauses Schongau wurden am Sonntag getestet. Spätestens morgen sollen die Ergebnisse kommen. Es gehe darum, unerkannte Infektionen zu erkennen.

Krankenhaus Schongau verhängt Aufnahmestopp wegen Coronavirus-Ausbruch unter Mitarbeitern

Artikel vom 26. Oktober: Das Krankenhaus in Schongau hat seit Donnerstagnachmittag keine Patienten mehr aufgenommen, die nicht mit dem Covid-19- Virus infiziert sind. Ab Samstag galt ein Aufnahmestopp auch für die Geburtenstation.

Der Geschäftsführer der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH, Thomas Lippmann, informierte am Samstag im Gespräch mit den Schongauer Nachrichten über die Hintergründe dieser Entscheidung: „Wir haben uns entschieden, sämtliche Mitarbeiter des Krankenhauses in Schongau auf das Corona-Virus zu testen“, sagte Lippmann. Das betreffe insgesamt rund 600 Mitarbeiter – Pflegepersonal und Ärzte.

Coronavirus-Ausbruch im Krankenhaus Schongau: Keine neuen Patienten werden mehr aufgenommen

Um die Gefahr für die Patienten zu minimieren, habe man sich entschieden, keine neuen Patienten mehr aufzunehmen, bis die Testergebnisse vorliegen. Wie Susanne Heintzmann, Pressesprecherin des Krankenhauses, gestern Abend gegenüber den Schongauer Nachrichten mitteilte, seien im Verlauf des Wochenendes rund 400 Mitarbeiter des Schongauer Krankenhauses bereits getestet worden.

In Absprache mit dem Gesundheitsamt sollen die restlichen 200 Mitarbeiter, die am Wochenende frei hatten oder andere Schichten belegten, am Montag getestet werden. Bislang sei bei 30 Mitarbeitern eine Infektion mit dem Corona-Virus nachgewiesen worden, sagte sie.

30 Mitarbeiter des Krankenhauses Schongau sind bereits positiv getestet - viele Ergebnisse stehen noch aus

Am Donnerstag hatte die Krankenhaus GmbH noch eine große Pressemitteilung veröffentlicht, in der von bislang fünf positiv getesteten Mitarbeitern in beiden Häusern die Rede war. Die 30 Infektionen der Mitarbeiter sind noch nicht das Endergebnis, da zahlreiche Testergebnisse noch ausstehen und am Montag weitergetestet werden soll. Belastbare Ergebnisse werden frühestens am Dienstag vorliegen.

Für Notfallpatienten bedeutete das am vergangenen Wochenende, dass alle Fälle auch aus dem Schongauer Raum ins Weilheimer Krankenhaus eingeliefert wurden. Dabei gab es zwei Ausnahmen: alle Covid-Patienten kamen nach Schongau, alle werdenden Mütter wurden an die Kliniken in Landsberg oder Kaufbeuren geschickt, wie Krankenhaus-Geschäftsführer Thomas Lippmann berichtete. In Weilheim gibt es bereits seit etlichen Jahren keine Geburtenstation mehr.

Covid-19-Patienten werden ab sofort nur noch in Schongau behandelt

Das Schongauer Krankenhaus soll nach Möglichkeit auch in Zukunft alle Covid-19-Patienten behandeln, wie mitgeteilt wurde. Dadurch könnten in Weilheim weiterhin planbare Operationen durchgeführt werden.

Wohl auch deswegen gilt bereits seit mehreren Tagen im Schongauer Krankenhaus ein Besucherstopp – nur in absoluten Ausnahmefällen dürfen noch Angehörige zu den Patienten. Damit diese nicht völlig von Kontakten nach außen abgeschnitten sind, habe man beschlossen, dass ab sofort für die Zeit des Besucherstopps Patienten im Krankenhaus Schongau WLAN und TV kostenlos nutzen können, so Lippmann. Nur Telefongespräche müssen noch bezahlt werden. „Sollte auch in Weilheim ein kompletter Besucherstopp verhängt werden, gilt ab dann diese Regel auch dort“, so Lippmann weiter am Samstag.

Besucherstopp wegen Coronavirus-Ausbruch gilt auch im Krankenhaus Weilheim

Am Sonntagabend hatte sich diese Aussage schon wieder überholt, denn Krankenhaus-Sprecherin Susanne Heintzmann kündigte an, dass im Laufe des Montags auch ein Besucherstopp für das Weilheimer Krankenhaus verfügt werden soll. Dann dürfen nur noch in absoluten Ausnahmefällen Angehörige zu Patienten – etwa wenn jemand im Sterben liegt.

Derweil steht jetzt endlich fest, dass – zumindest am Wochenende – der Inzidenzwert von 100 im Landkreis nicht überschritten wurde, obwohl am Freitag offiziell der falsche Inzidenzwert vermeldet wurde. Statt der offiziell mitgeteilten 84,9 seien es tatsächlich 94,8 Fälle pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen gewesen, sagte der Geschäftsleiter des Landratsamtes, Georg Leis, am Sonntag auf Anfrage der Heimatzeitung. Irgendwo in der Meldekette seien 14 Neuinfektionen, die das Gesundheitsamt gemeldet hatte, verloren gegangen. Das sei mittlerweile korrigiert worden. Die nächsten aktuellen Zahlen werden am heutigen Montag mitgeteilt.

Sollten sich wesentlich mehr als die bisher bekannten 30 Mitarbeiter des Krankenhauses Schongau infiziert haben, rutscht der Landkreis Weilheim-Schongau in den dunkelroten Bereich. In einem anderen Landkreis in Bayern steigen die Zahlen noch in ganz andere Bereiche: Die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Rottal-Inn liegt laut RKI bei 260,1. Für den Landkreis wurde deshalb ein faktischer Lockdown verkündet.

Schüler und Kinderärzte im Landkreis Weilheim-Schongau stehen unterdessen vor einer Herausforderung: Schon bei einem leichten Schnupfen müssen sie ein negatives Corona-Testergebnis vorlegen, um wieder die Schule besuchen zu dürfen.

Rubriklistenbild: © Hans-Helmut Herold

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