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Zweiter Christopher Street Day in Schongau: Rund 300 Menschen ziehen durch die Stadt

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Von: Rafael Sala

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Rund 300 Demonstranten zählte die Polizei am Samstag beim Christopher Street Day in Schongau.
Rund 300 Demonstranten zählte die Polizei am Samstag beim Christopher Street Day in Schongau. © Hans-Helmut Herold

Die Altstadt Schongaus im Zeichen des Regenbogens: Am Samstag fand der zweite „Christopher-Street-Day“ statt. Ein Tag mit Erfolg, wie es die Veranstalter sehen.

Schongau – Der Christopher Street-Day im Herzen Schongaus, ein Tag unter der Flagge des Regenbogens: Rund 300 werden es nach Polizeiangaben gewesen sein, als die Feier am Abend mit Musik, Ansprachen und geselligem Zusammensein auf dem Festgelände ausklang.

Der Zug setzte sich gegen 14 Uhr am Marienplatz in Bewegung, von dort ging es über die Wein- und Christophstraße weiter zum Frauenberg, dann über den Kreisel zur Marktoberdorfer Straße, weiter zum Lechberg und schließlich zum Bürgermeister-Schaegger-Platz, wo gefeiert wurde.

Überall Regenbogen-Fahnen und -Fähnchen, Transparente, Musik aus Boxen und Lautsprechern, bewegte Menschen. Ein Tag mit Erfolg, einer, dessen Rechnung voll auf ging, wie es Soja-Nemo Heiserer vom Organisationsteam sieht: „Nächstes Jahr werden wir definitiv wieder hier sein, es gibt noch viel zu tun.“

Aus der gesamten Region kamen die Teilnehmer nach Schongau – selbst aus Kinsau und Apfeldorf.
Aus der gesamten Region kamen die Teilnehmer nach Schongau – selbst aus Kinsau und Apfeldorf. © Hans-Helmut Herold

Homophobie immer noch allgegenwärtig

Homophobie, die Ablehnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften – sie sei immer noch allgegenwärtig. Natürlich nicht so wie in autoritär gelenkten Staaten wie Russland oder arabischen Länder, wo der betroffene Personenkreis brutal unterdrückt wird, aber von einer wirklichen Gleichheit sei man auch Hierzulande noch weit entfernt.

Viel zu tun – dieser Appell lässt sich unter dem Begriff „Solidarität“ zusammenfassen, einer, der an diesem Tag noch öfters fallen wird. Homosexuelle haben in Deutschland noch immer mit Benachteiligungen zu kämpfen.

Die haben vor allem mit der Gesetzeslage zu tun: Um beispielsweise formell eine Namens- und Geschlechtsänderung zu erwirken und einen entsprechenden Eintrag im Pass zu bekommen, muss viel Geld locker gemacht werden. „Aktuell 2000 Euro“, sagt Marlin Kay. „Das sind komplizierte Verfahren, die sich lange hinziehen, wenn es überhaupt klappt – das muss einfacher werden, schneller gehen.“ Kay will dieses Prozedere selbst bald auf sich nehmen.

Freuen sich über den Erfolg: Die Organisatoren (v.l.) Soja-Nemo Heiserer, Fabian Kammerer, Christina Annibalini, Stefan Osterrieder, Basti Kosler, Herbert Haseitl, Marlin Kay und Sandra.
Freuen sich über den Erfolg: Die Organisatoren (v.l.) Soja-Nemo Heiserer, Fabian Kammerer, Christina Annibalini, Stefan Osterrieder, Basti Kosler, Herbert Haseitl, Marlin Kay und Sandra. © Rafael Sala

Schongaus Bürgermeister: „Wir sind eine offene Stadt“

Solidarität ist das eine, Sichtbarkeit das andere: „Genau deswegen sind wir hier“, sagen auch Christina Annibalini, Leiterin des Jugendzentrums in Schongau, ihr Kollege Sebastian Kosler und Stefan Osterrieder vom Kreisjugendring Schongau. Es gehe darum, dass die Betroffenen Präsenz zeigen, dass die Gesellschaft weiß, dass es sie gibt und das, was selbstverständlich sein sollte, noch längst nicht erreicht ist: Akzeptanz, Wertschätzung, Gleichheit in allen Facetten – ob juristisch, in der Öffentlichkeit oder im privaten Umfeld. Immer noch herrsche Stigmatisierung, würden die Betroffenen ausgegrenzt. „Dieser Tag hilft uns, diese Menschen sichtbar zu machen, zu zeigen: Sie sind da und wollen genau die Rechte, die auch für die anderen gelten.“

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Bei Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) stoßen sie damit auf offene Ohren: „Wir sind eine offene Stadt“, sagte der Gastredner unter Applaus. Niemand solle wegen seiner geschlechtlichen Orientierung diskriminiert oder benachteiligt werden. Das Organisationsteam darf sich auch in anderer Hinsicht freuen: 500 Euro an Spenden hat die hiesige CSD-community von der Münchner Vereinigung Rosa Stangerl bekommen.

Michael Baumgartner, der dort in der Landeshauptstadt München eine tragende Rolle in der Schwulen- und Lesbenszene spielt, richtete abschließend den Appell erneut per Mikrofon an die Gruppe: „Toll, dass ihr da seid. Toll, dass ihr euch zeigt.“

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