In Nahaufnahme ein Ausschnitt aus Humus
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So sieht richtiger Humus aus.

Erste Humuswoche in der Region

„Das wichtigste Gut auf Erden“

„Das wichtigste Gut auf Erden“ – ist der Humus. Das zumindest finden mehrere Organisatoren, die von Samstag, 28. August, bis Samstag, 4. September, die erste „Humuswoche Oberland“ auf die Beine gestellt haben. Mitorganisator Heiner Putzier im Interview.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Humus, Erde und Boden?

Heiner Putzier: Unter Humus versteht man die oberste, 10 bis 20 Zentimeter dicke Schicht aus organischen Substanzen, die maßgeblich fürs Pflanzenwachstum sind. Boden ist der Oberbegriff für all das, auf dem wir uns bewegen. Erde ist Humus plus die darunter liegende Schicht.

Viele denken, Wald und Moore seien in erster Linie wichtig fürs Klima. Den Humus hat kaum jemand im Blick, warum ist das so?

Heiner Putzier: Das fragen wir uns ehrlich gesagt auch. Deshalb machen wir ja auch diese Veranstaltungsreihe. Natürlich sind Wälder und Moore auch wahnsinnig wichtig. Und Moore sind ja im weitesten Sinne auch Humus. Letztlich binden alle drei Kohlenstoff. Aber in der Landwirtschaft steckt ein vollkommen vernachlässigtes Potenzial zur Kohlenstoffspeicherung.

Wie sieht es im Landkreis aus, gibt es viel oder wenig Humus?

Heiner Putzier: Aus unserer Sicht zu wenig. Maisanbau in Monokultur fördert die Humusbildung zum Beispiel nicht. Bedingt durch die geologischen und klimatischen Verhältnisse im Voralpenland haben wir meist noch recht gute Humusgehalte über den wichtigen fünf Prozent. Dennoch müssen wir diesen Schatz der guten Humusgehalte hüten und versuchen zu verbessern.

Welche Rolle spielt die moderne Landwirtschaft, bremst sie oder fördert sie die Humusbildung?

Heiner Putzier: Aus unserer Sicht bremst sie die Humusbildung. Der Einsatz von Pestiziden und von schweren Maschinen fördert die Verdichtung des Bodens. Das ist schädlich für die Mikroorganismen, das Wachstum wird behindert. Im Grünlandgürtel des Voralpenlandes haben wir meist noch recht gute Humusgehalte. Dies ist zum einen durch die geologischen und klimatischen Bedingungen sowie durch die meist eher etwas extensivere Bewirtschaftung der vergleichsweise kleinstrukturierten Landwirtschaft beeinflusst. Der Ackerbau wurde in unserer Region überwiegend aufgegeben, als die Bewirtschaftungsmethoden immer bodenschädlicher wurden. Dies kann unser Glück sein, wenn nun in anderen Regionen der Welt, die Ernten und somit auch die globale Versorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln immer unsicherer werden.

Was kann der Einzelne tun, damit es mehr Humus gibt?

Heiner Putzier: Zum Beispiel im Garten keine Pestizide einsetzen, Ecken schaffen, wo nichts geschieht. Man sollte immer schauen dass der Boden bedeckt ist, entweder mit Kompost oder dünn mit Grasschnitt. Mineraldünger braucht es nicht im Garten. Wer regionale Produkte in Bioqualität am besten direkt beim Erzeuger kauft, tut ebenfalls etwas für Humusbildung, da er dadurch Landwirte vor Ort unterstützt.

Heiner Putzier aus Weilheim

Ihre Veranstaltungsreihe hat sehr spezielle Themen, glauben Sie trotzdem, dass auch Nichtfachleute kommen werden?

Heiner Putzier: Wir hoffen es und tun alles dafür. Das Thema „Klimawandel“ ist ja derzeit überall im Fokus. Aber das Ganze ist natürlich auch sehr komplex, das ist uns bewusst.

Welchen Vortrag würden Sie Laien empfehlen?

Heiner Putzier: Unsere Auftaktveranstaltung mit fachkundigen Referenten ist bestimmt sehr interessant – bitte unbedingt anmelden auf unserer Webseite. Wer es gerne praktisch mag: die Veranstaltung am Mittwoch, 1. September, über Steinschafe. Da geht es um die Bedeutung der Weidewirtschaft. In Hanglagen sind die Tiere auch Landschaftspfleger und außerdem sind sie gute Fleischlieferanten.

Interview: Johannes Thoma

Das Programm der Humuswoche Oberland:

Führungen, Filme Vorträge und Verköstigungen rund ums Thema „Humus“ unter dem Motto „Boden gut — Zukunft gut” bietet die 1. Humuswoche Oberland ab Samstag, 28. August, im Landkreis, im Nachbarlandkreis Garmisch-Partenkirchen und in Lenggries an. Interessenten sollten sich laut den Veranstaltern – Energiewende Oberland, Slow Food, Forum Kapellgärten, „bioSim“ und Transition-Region Ammer-Lech – bis spätestens einen Tag vor der Veranstaltung unter humuswoche-oberland.de/anmeldung anmelden.

Auftakt am Samstag, 28. August, Tiefstollenhalle Peißenberg, 18 Uhr: Vortrags- und Diskussionsabend.
Sonntag, 29. September, 10:30 Uhr in Jaudenmühle 1 in Habach „Gartenboden-Führung“ durch die Kapellgärten.
Führung um 14 Uhr in Wolfhof 7 in Forst. Vorstellung des Instituts für naturverbundene Lebensweise und Agrarwirtschaft (INLA) und Führung durch den Paradieshof.
Montag, 30. August, 10 Uhr, Workshop in Jaudenmühle in Habach: „Boden verstehen lernen“ mit Anselm Hannemann.
16 Uhr Seminarhaus , Kirchberg 10, Aidling: „Fermentierte Lebensmittel“, Workshop.
18 Uhr Erlebniswanderung im Weilheimer Moos: „Das Weilheimer Moos – Boden und Landschaft im Wandel“ mit Prof. Dr. Reinhold Schumacher.
Dienstag, 31. August, 14 Uhr, Sonnenacker Murnau, Treffpunkt Nikolauskirche: „Naschwanderung im Gemüseacker“ für Kinder mit Sara Bader und Anastasia Kühn.
17 Uhr Workshop in Forst: „Gartel‘n in den eigenen 4 Wänden“ mit Melanie Kleider und Norbert Weimann.
„Starlight Kino“ Weilheim, 19:30 Uhr: „Unser Boden, unser Erbe“.
Mittwoch, 1. September, 10 Uhr, Streuobstwiese Altenau: „Bodenerlebnistag im Phänologischen Garten“ mit Garnet Wachsmann.
18 Uhr, Jenhausen 2: „Die Hüter der Grasnarbe. Steinschafe in der Landschafts- und Bodenpflege“ mit Verena Hausmann, Vortrag und Verköstigung.
Donnerstag, 2. September, 14 Uhr, Workshop und Kompost-Teestunde, Augsburger Str. 62 in Schongau mit Rainer Engler von der „Blumenschule“.
17 Uhr, Steinbach 8c, Lenggries: „Entdeckungstour durch die Gärtnerei der „Biotop Oberland“ mit Sebastian Girmann.
18 Uhr, Oderding: „Besuch eines Bio-Sonnenackers“ mit Maria Hermann vom Bund Naturschutz Bayern.
17 Uhr, Jaudenmühle 1, Habach „Gartenboden-Führung“ durch die Kapellgärten der Jaudenmühle.
Freitag, 3. September, 14 Uhr, Jaudenmühle 3, Habach: „Pflanzenpflege & -schutz mit effektiven Mikroorganismen und Co.“ mit Anselm Hannemann.
17 Uhr, Klostergut Schlehdorf, Workshop: Schwarzer Wurmhumus“ mit Siegfried Malaj.
17 Uhr, Jaudenmühle 1, Habach: „Gartenboden-Führung“ durch die Kapellgärten der Jaudenmühle.
18 Uhr, Ohlstadt: Besuch auf dem Sonnenacker Ohlstadt.
19 Uhr Hofgartenstüberl, Dorfstraße 4, Weilheim-Unterhausen: Weinverkostung „Schmecke den Boden“ mit Weinhändler Martin Kössler aus Nürnberg.
Samstag, 4. September, 11 Uhr, Solawi Peißenberg, Workshop: „Prinzip der Herstellung, Verwertung und Anwendung von Terra Preta“ mit Helge Reiter und Markus Koller.
13 Uhr, Paradieshof, Forst: „Herbstfreuden im Grünen“. Im Rahmen von „Netzwerk Gartenwinkel Pfaffenwinkel“.

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