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Dem Landkreis droht ein Ärztemangel

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Von: Andreas Baar

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Die geöffnete Tür eines Wartezimmers bei einem Arzt
Die Zahl der Ärzte ist gestiegen, doch noch immer machen sich vor allem Hausärzte Sorgen. © dpa / Daniel Karmann

Die Zahl der Ärzte im Landkreis ist gestiegen. Doch der Ärztliche Kreisverband mahnt: Das reicht nicht aus, um dauerhaft eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Es droht ein Ärztemangel. Vor allem Hausärzte machen Sorgen.

Landkreis – Eigentlich kann Vorsitzender Dr. Karl Breu zufrieden sein: Der Ärztliche Kreisverband zählte zum 1. Februar immerhin 796 Ärzte im Landkreis. Gegenüber den 769 Kollegen zum Vorjahreszeitpunkt ist das eine Steigerung. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) bescheinigt der Region eine überdurchschnittliche ärztliche Versorgungslage. Doch das wird nicht langen, warnt der Kreisverband: Weil der Altersdurchschnitt der Bevölkerung steigt und der Anteil der Ärzte in Teilzeit deutlich zunimmt, reiche der Anstieg „weiterhin nicht aus, um dauerhaft eine optimale Versorgung zu gewährleisten“. Gerade der Bereich Weilheim, zu dem Peißenberg gehört, „steuert im hausärztlichen Bereich auf einen Ärztemangel zu“. Nur noch 44 Kollegen würden circa 60 000 Einwohner abdecken.

Die meisten Ärzte entscheiden sich für die Arbeit in der Praxis

Dr. Karl Breu ist Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands.
Dr. Karl Breu ist Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands. © privat

Dennoch geht Breu aktuell von einer „flächendeckenden und qualitativ guten medizinischen Versorgung“ der Landkreisbürger aus. Die meisten Ärzte (297) entschieden sich laut Statistik für die ambulante Tätigkeit einer Praxis, 215 arbeiten in den Krankenhäusern. 49 Ärzte sind in anderen Bereichen tätig – etwa im öffentlichen Gesundheitsdienst, in Betrieben, bei der Bundeswehr und in der Pharmazie. Allerdings arbeiten immer mehr Kollegen nicht als Arzt – 18 sind in nichtmedizinischen Bereichen wie der Forschung und 175 im Ruhestand. Übrigens: Der Anteil der Frauen ist auf 44 Prozent geklettert. „Das ist der Trend“, weiß Breu – weil immer mehr Frauen das Studium beginnen.

Einzelpraxen werden durch Gemeinschaftspraxen ersetzt

Den Anstieg begründet der Pollinger Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen, der lange Zeit Leiter des Gesundheitsamts Weilheim war, damit, dass „wir ja eine attraktive Gegend sind und einfach Bedarf haben“. Die „gute ärztliche Versorgung“ bezieht sich laut Breu auf Haus- und Fachärzte, Apotheker, Zahnärzte und Pflegedienste sowie die Kliniken, in die in der letzten Zeit „wahnsinnig investiert“ worden sei. Zwei Trends stellt er bei den Praxen fest. Ärzte und Apotheker konzentrieren sich zunehmend in den Ballungszentren des Landkreises. Wenigstens sind noch 41 niedergelassene Kollegen (37 Prozent) auf dem Land zu finden. „Das ist eine ganz tolle Zahl“, sagt Breu. Zudem „verschwinden die Einzelarztpraxen“ und würden durch Gemeinschaftspraxen mit angestellten Medizinern abgelöst. Breu begründet dies „mehr mit einem Lifestyle“, der auch geregeltere Arbeitszeiten beinhalte. Manche seien „nicht mehr bereit, ihr Leben nur als Arzt zu verbringen“.

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) beurteilt den Versorgungsgrad

Die Zunahme der Ärzteschaft schlägt sich in der Bedarfsplanungsrichtlinie vom Dezember 2019 nieder. Das Wortungetüm ist ein Instrument für die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB), wie viele Ärzte in den Regionen zugelassen werden können. Laut Breu ist danach die allgemeine fachärztliche Versorgung im Landkreis „überdurchschnittlich“. Bis auf eine Berufsgruppe: Nervenärzte, Neurologen und Psychiater könnte es mehr geben.

Viele Kollegen hören aus Altersgründen auf

Die KVB beurteilt auch die Versorgungsgrade bei den Hausärzten in den Bereichen Penzberg, Weilheim und Schongau als überdurchschnittlich. 110 Hausärzte zählt der Kreisverband im Landkreis. Die Gruppe ist allerdings ein Sorgenkind. Breu spricht vom „Zeitfaktor“: Weil in nächster Zeit viele Kollegen aus Altersgründen aufhören. „Das wird in Zukunft ein Problem.“ Im Raum Penzberg seien 20 Prozent der Allgemeinärzte über 60 Jahre alt, 16 Ärzte würden in den nächsten fünf Jahren ihre Tätigkeit beenden. In den Bereichen Weilheim (31,8/14) und Schongau (39/16) ist die Altersquote noch höher. „Alles was über 30 Prozent ist, ist kritisch“, warnt der Verbandschef. „Die müssen ersetzt werden. Und das ist schwierig.“ Aus diesem Grund setzt der Ärztliche Kreisverband verstärkt auf Ausbildungsnetze mit den Krankenhäusern und der KVB. Ziel: Jungen Ärzten eine Ausbildung vor Ort ermöglichen und sie danach halten.

Die Hausärzte tragen in der Corona-Krise ihren Teil zur Versorgung der Bevölkerung bei – unter anderem mit den Schwerpunktpraxen und Teststationen.

„Die Zusammenarbeit ist sehr gut“, bilanziert Breu, der Versorgungsarzt in der Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landkreis war. Er nennt als Beispiel den wechselnden Bereitschaftsdienst in den Seniorenheimen.

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