Martina Wagner und Askal Bosch haben das Thema Demenz künstlerisch umgesetzt.
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Martina Wagner und Askal Bosch haben das Thema Demenz künstlerisch umgesetzt.

Alzheimer Gesellschaft Lechrain

Demenz-Ausstellung in Schongau: Zwischen den Welten

Es ist das fünfte Mal, dass in Schongau die Alzheimer Gesellschaft Lechrain ein Aktionswochenende zum Thema Demenz veranstaltet. Zum Auftakt wurde eine Vernissage eröffnet.

Schongau – „Zwischenwelten“ nennen Martina Wagner und Askal Bosch ihre künstlerische Darstellung zum Thema Demenz. Zu sehen und zu hören ist eine beeindruckende Interpretation des Krankheitsbildes Demenz. Es werden nicht nur Acrylbilder, Fotografien, Filme und Objekte gezeigt. Solomusiker Askal Bosch hat ein vierteiliges Musikstück komponiert, das während der Ausstellung zu hören ist. Leise, stille Musikfragmente werden zusammengefügt zu einem Schlusspunkt. Askal kombiniert dabei Melodien mit Dissonanzen, die die gespaltene Gedankenwelt eines dementen Menschen widerspiegeln sollen.

„Die Ausstellung berührt und kann auch irritieren“, sagte Pfarrerin Julia Steller. Sehr erfreut sei sie über die Anfrage der Alzheimer Gesellschaft Lechrain gewesen, in ihrer Kirche in Schongau eine Ausstellung machen zu dürfen. „Kirchen sind auch Zwischenwelten. In ihnen werden Übergänge des Lebens erlebt“, erklärt Steller den zahlreich erschienenen Besuchern.

Demenz in der Gesellschaft mehr verankern

Um Wahrnehmung und Realität geht es bei diesem Projekt. Und auch darum, das Thema Demenz in der Gesellschaft mehr zu verankern. „Uns geht es nicht nur darum, demente Menschen und ihre Angehörigen zu begleiten.“, sagte Doris Kettner, 1. Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Lechrain. Vielmehr wolle man in der Gesellschaft mehr Empathie schaffen. Oftmals würden Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen ausgegrenzt, da ein Umgang mit ihnen schwierig sei, so Kettner. „Es ist schwere Kost, die Welt in die Menschen mit Demenz verschwinden und nicht mehr erreichbar sind“, sagte sie.

Das Wissen über Demenz in der Gesellschaft vermehren

Auch Schongaus zweite Bürgermeisterin Daniela Puzzovio, die in Vertretung von Bürgermeister und Schirmherr der Veranstaltung, Falk Sluyterman, gekommen war, begrüßte es, dass die Aktionswoche wieder in Schongau stattfindet. „Ich wusste lange Zeit nicht viel über Demenz“, sagte sie und betonte, dass das Wissen darüber vermehrt müsse.

Durch Kunst schwierige Themen anders sehen

„Kunst schafft es, die Betrachter auf schwierige Themen anders hinsehen zu lassen“, erklärte Doris Kettner. Und genau das hat Martina Wagner mit ihren Kunstwerken geschafft. Die Künstlerin, Medienpädagogin und Grafikerin führt die Besucher direkt hinein in die „Zwischenwelten“. Acrylbilder die Menschen mit Demenz zeigen, Fotografien, die verschwommen sind oder doppelt belichtet wurden, Videoinstallationen, die Menschen in ihrer verlorenen Gedankenwelt zeigen, und schließlich man steht vor elf großen, freistehenden Buchstaben. Der Besucher wird aufgefordert aus diesem wirren Buchstabensalat ein Wort zu bilden, das man aufschreiben und an ein Rad hängen kann.

Gut besucht war die Kunstausstellung „Zwischenwelten“ bei ihrer Eröffnung in der evangelischen Kirche in Schongau

Es ist interessant zu lesen, was den Menschen so durch den Kopf geht. „Raum“ steht da, „Musical“ oder auch „Moral“. In Kombination mit den wunderbaren Klängen ist diese Ausstellung etwas ganz Besonderes.

Regina Wahl-Geiger

Zu sehen sind die Werke von Donnerstagnoch bis Sonntag, 26. September, jeweils von 11 bis 17 Uhr in der evangelischen Kirche in Schongau. Außerdem bietet Doris Kettner öffentliche Führungen an: Am Donnerstag, 23. September, um 14 Uhr sowie am Sonntag, 26. September, um 15 Uhr.

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