Sie freut sich sichtlich über ihre neue Aufgabe beim Schongauer Bergsteigerchor: Marianne Hofmann.
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Sie freut sich sichtlich über ihre neue Aufgabe beim Schongauer Bergsteigerchor: Marianne Hofmann.

Marianne Hofmann leitet die Schongauer Sänger

Bergsteigerchor Schongau: Einen Mann gesucht, eine Frau gefunden

Im September vergangenen Jahres suchte der Schongauer Bergsteigerchor eine neue Leitung. In der Stellenausschreibung hieß es: „Unser neuer Mann sollte bestimmte Führungsqualitäten vorweisen und musikalisch sowie sängerisch gut ausgebildet sein.“ Nun wurde der seit 1969 bestehende Chor endlich fündig: Der „neue Mann“ ist Marianne Hofmann.

Schongau – „Diese Ausschreibung habe ich ja gar nicht gelesen“, erklärt die Chorleiterin lachend. „Ich bin vom Chor direkt angefragt worden, ob ich mir vorstellen könnte, die Leitung zu übernehmen.“

Die gebürtige Münchnerin hat ursprünglich Mathematik und Physik auf Lehramt studiert, war aufgrund ihrer vier Kinder aber lange in Elternzeit. Hinzu kamen häufige Familienumzüge, da ihr Mann bei der Bundeswehr tätig war. Also suchte sich die studierte Lehrerin neue Aufgaben.

In der Schule Geige gelernt

„Nachdem wir vor 40 Jahren in Hohenpeißenberg sesshaft geworden sind, habe ich dann in der Erwachsenenbildung gearbeitet und EDV-Unterricht in Weilheim erteilt.“ Parallel dazu habe sie immer „viel Musik gemacht“. In ihrer Schule, dem Anger-Kloster in München, hatte sie das Geigenspiel erlernt.

Kurz nach dem Einzug in Hohenpeißenberg besuchte sie zum Erntedankfest die Kirche und war begeistert, dort auf ein Orchester zu treffen. Danach eilte sie auf den nächsten Musiker zu: „Schön habt’s Ihr gespielt“, sagte sie ihm. Ob sie denn auch ein Instrument spiele, fragte der zurück.

Aus Firmgruppe wird Jugendband inklusive Sängern

Bei der Antwort „Geige“ wurde sie umgehend verpflichtet und zur nächsten Probe einbestellt. „In dem Orchester spiele ich bis heute“, erzählt Hofmann – und die Freude, die ihr das nach wie vor bereitet, ist ihr anzumerken.

Als sie eine Firmgruppe betreute, der auch ihre Tochter angehörte, lernte die vielseitig Begabte kurzerhand das Gitarrespiel. Damit wollte sie die Jugendlichen zum Singen animieren. Klappte hervorragend: Daraus entstand eine Jugendband inklusive Sängern, die Hofmann mehrere Jahre leitete.

Sie leitet auch einen Gospelchor

Als sie zur Weiterbildung in München den Workshop „Junge Musik in der Kirche“ besuchte, entdeckte sie ihre Liebe zum Gospel. Spontan setzte sie eine Annonce in das Weilheimer Tagblatt, mit der sie Sangeswillige suchte, um den Gottesdienst in Hohenpeißenberg mit Gospelmusik auszuschmücken. Das war 1983 – und daraus ist der Gospelchor entstanden, den Hofmann bis heute leitet.

Offenbar mit all’ dem nicht ausgelastet, hat sie zudem vor fünf Jahren das „Offene Singen“ ins Leben gerufen. Einmal im Monat kann vorbei kommen, wer mag, um mit ihr zu musizieren. Obgleich offen angelegt, hat sich dabei doch ein Stamm an festen Mitsängern entwickelt, die immer wieder mit von der Partie sind. „Das gemeinsame Singen ist das eine – und die Kontakte, die daraus entstehen, das andere“, erklärt Hofmann.

Sie haben sich schon 2019 kennengelernt

Gerade für ältere Teilnehmer sei dies ein wichtiger Bestandteil ihres sozialen Lebens geworden. Und weil sie die reiche praktische Erfahrung auch theoretisch unterfüttern wollte, hat Hofmann über den Chorverband eine zweijährige Ausbildung zur Chorleiterin absolviert.

Dass so viel geballte Kompetenz die Herren des Schongauer Bergsteigerchors überzeugt hat, wird niemanden erstaunen. Kennen- und offenbar auch schätzengelernt haben diese ihre neue Dirigentin im Jahr 2019, als sich zur Jubiläumsfeier befreundete Chöre zum gemeinsamen Musizieren in Schongau eingefunden hatten. „Da waren wir mit unserem Gospel-Chor schon die Exoten“, erinnert sich Hofmann, denn ringsum wurde eher das alpenländische Liedgut gepflegt.

Mit ihrer spontanen, offenen Art und dem großen Schatz an Erfahrung hat sie die Bergsteiger-Sänger gleichwohl für sich eingenommen. Als ihr die Chorleitung angetragen wurde, hat sie allerdings gezögert: „Ich dachte, das muss mir Spaß machen – und die Sänger müssen positiv eingestellt sein.“

Auf das Abenteuer eingelassen

Um dies zu ergründen, wurde eine „Probe-Probe“ vereinbart. Die stellte offenbar alle Beteiligten zufrieden. Und nun hat sich Marianne Hofmann auf das Abenteuer eingelassen, als Frau einen Männerchor zu leiten.

Neben fünf bis sechs Konzerten im Jahr stehen etliche Bergmessen und Gottesdienste an. Das angestammte Repertoire, Berglieder des Alpenraums sowie Volks- und kirchliche Lieder, will Hofmann „nach Corona zunächst einmal wieder festigen“. Ob sie dann irgendwann auch neue Farben hinzufügt, „wird man sehen“.

Sabine Näher

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