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Trotz Umsatzrückgang blicken sie positiv in die Zukunft: Die Hirschvogel-Geschäftsführer (v.l.) Alfons Hätscher, Frank Anisits und Thomas Brücher.

Automobilzulieferer zieht Bilanz

Weniger Umsatz, weniger Personal: Hirschvogel stemmt sich gegen den Abschwung

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Zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2008 musste der Automobilzulieferer Hirschvogel einen Rückgang beim Umsatz hinnehmen, auch Personal wurde abgebaut. Trotzdem sieht sich das weltweit tätige Familienunternehmen, das allein am Stammsitz Denklingen und im Werk Schongau rund 3000 Mitarbeiter hat, für die Zukunft gut aufgestellt. Wenn da nicht die weltpolitischen Unwägbarkeiten wären.

Denklingen/Schongau – Die Baustelle ist immer noch da. Eigentlich sollte das neue Hirschvogel-Verwaltungsgebäude in Denklingen direkt neben dem Haupteingang längst fertig sein, doch nachdem die Auswirkungen der Dieselkrise Mitte 2018 immer größer wurden, hatte Hirschvogel nur noch den Keller fertigbauen lassen und dann den Weiterbau gestoppt – anderes war wichtiger. Wie richtig die Entscheidung war, belegen die Zahlen, die das Geschäftsführer-Trio Frank Anisits (Produktion), Thomas Brücher (Vertrieb, Einkauf, Entwicklung) und Alfons Hätscher (Finanzen) am Freitag präsentierte. Denn nach jahrelangem, zum Teil zweistelligen Wachstumszahlen ging es erstmals wieder bergab mit dem Umsatz, wenn auch nur gering um 1,6 Prozent auf 1,23 Milliarden Euro. Eine ungewohnte Situation, wie die Geschäftsführer zugaben.

Investitionen wurden deutlich gekürzt

Doch sie hatten sich auf die Situation vorbereitet. Die Investitionen – wie ins Verwaltungsgebäude – wurden um 30 Prozent gekürzt. Trotzdem seien in die Standorte Schongau und Denklingen vergangenes Jahr noch 20 bzw. 12 Millionen Euro investiert worden, betonte Hätscher. Man habe sich von insgesamt 260 Mitarbeitern, vor allem Leiharbeitern, getrennt, die meisten in den deutschen Werken – in Denklingen arbeiten jetzt noch knapp unter 2000 Menschen, in Schongau 913 (stets gerechnet in Vollzeitstellen). Insgesamt beschäftigt Hirschvogel 5810 Mitarbeiter.

Altersteilzeit wurde erleichtert, Mitarbeiter zu unbezahltem Urlaub ermuntert, über Weihnachten war in Denklingen zwei Wochen Werkspause, überall wurde der Ablauf optimiert – dank solcher Maßnahmen haben wir „deutlich besser abgeschnitten als geplant“, sagte Hätscher. Zahlen zum Gewinn teilt das Unternehmen traditionell nicht mit, nur so viel: „Wir schreiben deutlich schwarze Zahlen.“

Gute Nachrichten im Bereich E-Mobilität

Weil sich Hirschvogel angesichts des weiteren Rückgangs von Verbrennungsmotoren breiter aufstellen will und muss, freut sich Brücher, dass man auch bei der E-Mobilität ein Stück weitergekommen sei. „Bei den Rotorwellen produzieren wir deutlich über eine Million Stück pro Jahr für alle möglichen E-Autohersteller. In diesem Segment sind wir Marktführer.“ Dass ein Prestige-Auftrag von Tesla geplatzt sei, wollte Brücher nicht kommentieren. „Über Kunden sprechen wir nicht, aber das Gerücht stimmt nicht.“

Ziel sei es, vor allem Teile zu produzieren, die sowohl bei Elektro- als auch bei herkömmlichen Autos oder Hybrid-Fahrzeugen verwendet werden können, und da sei Hirschvogel auf einem guten Weg, so Brücher. Man sei auch weitere Beteiligungen im zweistelligen Millionenbereich eingegangen, etwa mit einem Elektromotor-Hersteller, einem Elektronik-Fertiger und einer Virtual-Reality-Firma. „Das wird bei der Mobilität immer wichtiger“, ist Brücher überzeugt.

Für 2020 rechnet Hätscher mit einem Wachstum von drei Prozent. Doch Unwägbarkeiten wie das Coronavirus oder der Handelsstreit mit den USA, die die komplette Automobilindustrie treffen, erschweren die Prognose: „Das Geschäft ist viel volatiler geworden“, so Hätscher. Davon hängt auch ab, ob das Verwaltungsgebäude fertiggebaut wird. Die Entscheidung fällt Mitte des Jahres.

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