Beim Löwenmarsch: Lilly Neumann und Ludwig Prinz von Bayern in Aufbruchstimmung im Märchenwald-Restaurant.
+
Beim Löwenmarsch: Lilly Neumann und Ludwig Prinz von Bayern in Aufbruchstimmung im Märchenwald-Restaurant.

Der Löwenmarsch von Prinz Ludwig von Bayern

Wenn der Prinz im Schongauer Märchenwald Pause macht

  • VonJennifer Battaglia
    schließen

Es war dunkel und kühl – und dennoch herrschte im Schongauer Märchenwald mächtig Betrieb. Zum zweiten Mal bildete das Areal eine Station beim Löwenmarsch von Prinz Ludwig von Bayern. In der Gaststätte der Familie Hallmann konnten sich die Teilnehmer verpflegen – und sich auch verarzten lassen.

Schongau/Wies – Schon vor Mitternacht treffen die ersten Teilnehmer des Löwenmarsches im Märchenwald ein. Erschöpft nehmen sie Platz. Füße werden hochgelegt und Blasen verarztet. Um ein wenig Kraft zu tanken, legt sich ein Wanderer sogar auf den Boden. Sofort eilt ein Sanitäter herbei und fragt, ob alles in Ordnung sei. „Ja, ja“, erwidert der Mann. „Ich bin einfach nur platt.“

Die Strapazen der vergangenen Stunden sind den Läufern anzusehen. Mehr als 50 Kilometer haben sie zu Fuß absolviert, weitere knapp 50 werden noch folgen. Gelaufen wird für den guten Zweck, um Prinz Ludwigs „Learning Lions“-Projekt in Afrika zu unterstützen. Mit den durch den Lauf generierten Spenden wird jungen Kenianern eine Ausbildung im IT-Bereich ermöglicht (wir berichteten).

Vater-Sohn-Gespann will diesmal bis Hohenschwangau

Die Stimmung unter den Wanderern ist trotz der Anstrengungen gut. Sascha Barby (46) aus Kaufering reibt sich seine Beine mit Pferdebalsam ein. Gemeinsam mit seinem 18-jährigen Sohn Benedikt nimmt er zum zweiten Mal am Löwenmarsch teil. „Im vergangenen Jahr mussten wir hier abbrechen, denn wir hatten keine Regenkleidung dabei“, sagt er. Heuer hat das Vater-Sohn-Gespann klar Hohenschwangau als Ziel vor Augen. Warum sie mitmachen? „Weil die Atmosphäre so toll ist, es ist fast schon familiär.“

Das bestätigt auch Gudrun Graf aus der Oberpfalz. Sie ist mit ihren Kollegen zum Lauf nach Oberbayern gekommen. „Wir fühlen uns hier wirklich perfekt betreut, die Organisation ist klasse und die Bewirtung einfach super“, sagt sie. „Und das alles für den guten Zweck.“

650 Wanderer, 24 Stunden und 100 Kilometer

Am Nachmittag waren mehr als 650 Wanderer in der Arena in Kaltenberg gestartet. Neben Prinz Ludwig waren weitere bekannte Personen wie der Architekturprofessor Francis Kéré oder die Landsberger Vize-Landrätin Margit Horner-Spindler mit von der Partie. Aber nicht alle laufen die vollen 100 Kilometer bis ins Ostallgäu. Zu dieser Gruppe gehörte auch Staatsministerin Melanie Huml, die diesjährige Schirmherrin des Laufes. Sie war nur den ersten Teilabschnitt mitgewandert.

Florian Hallmann vom Schongauer Märchenwald reicht den Läufern in der Nacht Decken und „Wärmflaschen“ – Glasflaschen mit gekochtem Wasser. Es ist kühl, das Thermometer zeigt 11 Grad. „Ich versuche zu helfen, wo ich kann“, sagt Hallmann. „Für mich heißt es nicht 24 Stunden wandern, sondern 24 Stunden Märchenwald.“

Das BRK hat viel zu tun

Bereits zum zweiten Mal stellen Hallmann und seine Familie die Räumlichkeiten für den Charity-Lauf zu Verfügung. Die Verpflegung der Wanderer übernimmt das Löwenmarsch-Team, bestehend aus zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, selbst. Fast 2000 belegte Brötchen hat das Team geschmiert, dazu gibt es Tomatensuppe, Bananen und Powerriegel. Zum Trinken Kaffee, Tee, Wasser und Säfte.

Für alle medizinischen Notfälle ist das BRK vor Ort. Bereitschaftsleiter Thomas Zimmerer und sein Team haben alle Hände voll zu tun: Die Krankenstation im Märchenwald füllt sich gegen kurz nach 2 Uhr rapide, weil mehrere Teilnehmer akute Kreislaufprobleme haben. Ein Krankenwagen muss gerufen werden, für einige Wanderer ist hier Ende. Andere geben auf, da sie an ihre körperlichen Grenzen kommen.

70 Liter Tomatensuppe und jede Menge Wärmflaschen

Auch Prinz Ludwig erreicht nun den Märchenwald. Ihm geht es gut, Blasen an den Füßen hat der 39-Jährige bisher keine. Sein Geheimtipp: alle zehn Kilometer die Socken wechseln. „Leider haben wir bisher aber noch keinen offiziellen Socken-Sponsor gefunden“, sagt er scherzend.

Um sich zu stärken, gönnt der Prinz sich eine warme Tomatensuppe. Die hat die Teilnehmerin Lilly Neumann aus Altenstadt am Vortag zubereitet. Ganze 70 Liter davon hat die 63-Jährige am heimischen Holzofen gekocht. „Die Suppe habe ich dann in Eimer umgefüllt und nach Schongau gefahren“, sagt sie. Gemeinsam mit vier ihrer Arbeitskollegen ist Neumann den Löwenmarsch als „Team Pfaffenwinkel“ angetreten (wir berichten). „Unser Team ist aber mittlerweile ziemlich desolat“, sagt sie lachend. Drei Kollegen seien bereits ausgestiegen.

Nach einer halben Stunde Pause geht es für Prinz Ludwig, Neumann und die verbliebenen Wanderer weiter zur Wieskirche. Nach 19 Kilometern erwartet sie dort ein Frühstück. „Wenn die Sonne aufgeht, wird es leichter“, sagt Neumann. „Dann sieht man die Berge und von Weitem die Schlösser in Hohenschwangau – unser Ziel.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare