Begehrter Rohstoff: Damit die heimischen Sägewerke genug Nachschub bekommen, hat die Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber in Berlin eine Bagatellgrenze ausgehandelt.
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Begehrter Rohstoff: Damit die heimischen Sägewerke genug Nachschub bekommen, hat die Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber in Berlin eine Bagatellgrenze ausgehandelt.

Einschlag gestoppt

Derzeit dürfen kaum Bäume gefällt werden: Verordnung trifft Waldbesitzer im Landkreis Weilheim-Schongau hart

  • Jörg von Rohland
    VonJörg von Rohland
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Eine ursprünglich gut gemeinte Verordnung des Bundes trifft die privaten Waldbesitzer im Landkreis Weilheim-Schongau hart. Immerhin einen kleinen Lichtblick gibt es nun.

Landkreis – „Für uns bedeutet die Verordnung, dass der Einschlag gestoppt ist“, sagte Klaus Deibel, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (WBV) Weilheim, bevor Bayerns Forst- und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber jüngst in Berlin eine Bagatellgrenze ausgehandelt hatte.

Laut Bundesverordnung dürfen Waldbesitzer seit dem 23. April deutschlandweit nur noch 85 Prozent der regulären Fichten-Frischholzmenge ernten. Ziel sei es, „weitere erhebliche Störungen“ des Rohholzmarktes abzuwenden, heißt es vom Amt für Landwirtschaft und Forsten in Weilheim.

„Die Verordnung kommt zwei Jahre zu spät“, erklärt dazu der Weilheimer WBV-Chef Klaus Deibel. Damals waren seinen Angaben nach die Holzpreise „ins Bodenlose gefallen“. Zeitweise gab es nur noch 25 Euro für den Festmeter Holz. Aufwand und Nutzen des Einschlags standen in keinem Verhältnis mehr, die Waldbauern zahlten mitunter drauf.

Dank der großen Nachfrage aus den USA und China, aber auch auf dem heimischen Markt, stieg der Holzpreis zuletzt rasant an. Bis zu 95 Euro wurden für den Festmeter bezahlt, weiß Deibel zu berichten. Der Großteil der 1100 Waldbesitzer im Altlandkreis Weilheim, die sich 9000 Hektar teilen, hat davon aber jetzt nicht mehr viel.

Laut Verordnung dürfen die Waldbauern seit 23. April nur noch 85 Prozent ihres Durchschnitts der Jahre 2013 bis 2017 fällen. Das Holz, das sie seit 1. Oktober 2020 schon geschlagen haben, wird mitangerechnet. Von der Verordnung ausgenommen sind lediglich vom Borkenkäfer befallene Schadhölzer und Sturmwürfe. Weil viele der kleineren Waldbesitzer aber nicht jedes Jahr kontinuierlich Holz ernten und mitunter nur Pflegemaßnahmen durchgeführt haben, ist die Menge, die sie jetzt noch ernten dürften, zu vernachlässigen. Laut Deibel sind es nur 4,25 Festmeter je Hektar. Das entspreche „zwei bis drei Bäumen“ und lohne sich trotz des stattlichen Holzpreises nicht.

Landwirtschaftsministerin sorgt für Lichtblick

„Für einen Lichtblick“, so Deibel, hat nun zumindest Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber gesorgt. Sie handelte mit dem Bund aus, dass kleine Waldbesitzer unabhängig von der Einschlagsbegrenzung 75 Festmeter frisches Fichtenholz ernten dürfen. Das sind laut Deibel immerhin zwei Lkw-Ladungen voll. Die Waldbauern könnten so zumindest ihre vom Borkenkäfer oder Sturmwurf bedrohten Stämme fällen. Wer allerdings seit Oktober die Grenze von 75 Festmeter schon erreicht hat, der schaut in die Röhre. Nicht einmal den Eigenbedarf, etwa für einen Dachstuhl, dürfe man dann noch schlagen, bedauert der Weilheimer WBV-Chef.

Auch im Altlandkreis Schongau sind die Waldbesitzer alles andere als begeistert von der Einschlagbegrenzung, weiß Jürgen von der Goltz. Er ist einer der drei Förster der Waldbesitzervereinigung (WBV) Schongau, die 1230 Mitglieder zählt. 6500 Hektar Wald werden bewirtschaftet.

Auf dem Markt gebe es zu wenig Rundholz, weiß der Förster. Deswegen begrüßt auch die WBV Schongau die von der bayerischen Landwirtschaftsministerin ausgehandelte Bagatellgrenze von 75 Festmetern. Schließlich gehe es darum, dass die heimischen Sägewerke beliefert werden könnten, macht von der Goltz klar. Auch er verweist auf die derzeit hohen Preise: „Die wollen natürlich viele nutzen, momentan läuft es fantastisch“, sagt er.

Die vom Bund auferlegte Einschlagbegrenzung läuft noch bis zum 30. September dieses Jahres. „Dann machen alle Holz“, ist sich der Schongauer WBV-Förster sicher. Und die Preise dürften seiner Meinung nach dann auch wieder fallen. Das vor allem, „wenn sich die Amerikaner und Kanadier einigen“, sagt von der Goltz mit Blick auf die Holzverknappung in den USA.

Wie berichtet, kaufen die Amerikaner und auch die Chinesen seit Monaten verstärkt ihr Holz in Deutschland zu hohen Preisen von Großsägewerken ein. Die hiesigen Zimmereien müssen deshalb oft Wochen bis Monate auf ihre Lieferungen warten und haben größte Probleme, die Preise für ihre Kunden zu kalkulieren.

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