Überführungsfahrt einer BRB auf der Strecke der Fuchstalbahn.
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So ähnlich wird es aussehen, wenn am 24. Juli die Landtags-Grünen mit geladenen Gästen auf der Strecke der Fuchstalbahn unterwegs sein werden. Die Partei leiht sich dazu einen Triebwagen der Bayerischen Regio-Bahn (BRB) aus. Unser Bild zeigt eine Überführungsfahrt des Unternehmens aus der jüngeren Vergangenheit.

Informationsfahrt und Runder Tisch

Die Fuchstalbahn nimmt wieder Fahrt auf

  • Jörg von Rohland
    VonJörg von Rohland
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Schlag auf Schlag geht es in diesen Tagen mit der Fuchstalbahn. Verkehrsingenieur Andreas Holzhey legt am Montag, 26. Juli, alle Fakten zur möglichen Reaktivierung des Personen-Schienen-Verkehrs auf der Strecke Schongau-Landsberg auf einen „Runden Tisch“. Schon zwei Tage davor geht es mit den Landtags-Grünen zu einer Informationsfahrt auf die Strecke.

Schongau – Nachdem die Corona-Pandemie zuletzt sämtliche Bemühungen ausgebremst hatte, nehmen die Aktivitäten der Reaktivierungsbefürworter wieder Fahrt auf. Den Anfang machen am Samstag, 24. Juli, die Landtags-Grünen, die ihre fürs vergangene Jahr geplante Informationsfahrt auf der Strecke nachholen. Mit geladenen Gästen geht es auf die knapp 29 Kilometer zwischen Schongau und Landsberg und sogar darüber hinaus.

Erste Fahrt mit Passagieren seit zwei Jahren

Es wird die erste Fahrt mit Passagieren auf der Fuchstalbahn sein, seit im Herbst 2019 der historische Schienenbus zum bislang letzten Mal zwischen Landsberg und Schongau pendelte. Die vom Bahnpark Augsburg organisierten Sonderfahrten mit dem VT 98 waren ein Besuchermagnet und in Windeseile ausgebucht. In Schongau liebäugelte man schon mit regelmäßigen historischen Fahrten zwischen den Lechstädten, die sich vortrefflich mit den Stadtführungen hätten verbinden lassen können. Die Träume durchkreuzte dann aber nicht nur das Corona-Virus. Seit dem barrierefreien Ausbau des Schongauer Bahnhofs fehlt schlicht eine Ausstiegsmöglichkeit für die Fahrgäste in Schongau. Der für den Schienenbus benötigte mittlere Bahnsteig wurde abgerissen und nicht mehr erneuert. Der Zug muss jetzt auf offener Strecke halten.

Wegen Corona dürfen nur geladene Gäste mitfahren

„Das Fehlen des Bahnsteigs wird ein Thema sein“, blickt Anais Schuster Brandis auf die Sonderfahrt der Bayerischen Grünen voraus. Die Mitarbeiterin der Landtags-Fraktion organisiert die Veranstaltung auf der Schiene, an der nur geladene Gäste teilnehmen werden. „Wegen der nach wie vor notwendigen Corona-Vorsichtsmaßnahmen“, bedauern die Grünen. Ihr Landtags-Sprecher für Mobilität, Markus Büchler, will auf der Fahrt vor allem über die starren Reaktivierungskriterien im Freistaat informieren und erklären, was seine Partei dagegen politisch zu tun gedenkt. Bekanntlich rückt die Staatsregierung unter anderem nicht von dem sogenannten „1000er-Kriterium“ ab: 1000 Personen, die pro Tag und Kilometer unterwegs wären, müssen demnach für eine stillgelegte Bahnstrecke errechnet werden, damit sie überhaupt ein Reaktivierungskandidat wird.

Arbeitskreis Fuchstalbahn begrüßt Sonderfahrt der Grünen

An dem Kriterium hat sich in der Vergangenheit auch der hiesige Arbeitskreis Fuchstalbahn der Umweltinitiative Pfaffenwinkel die Zähne ausgebissen. Sprecher Harald Baumann beklagt „ein Verhinderungssystem der Staatsregierung“. Auch Baumann und seine Mitstreiter sind am Samstag mit von der Partie bei der Sonderfahrt, „die wir selbstverständlich begrüßen“.

Die Grünen haben sich für die Fahrt einen LINT41 ausgesucht; ein Triebfahrzeug der Bayerischen Regiobahn (BRB). „Damit zeigen wir ein Beispiel für ein modernes Schienenfahrzeug, wie es im Schienenpersonennahverkehr in Bayern üblich ist und wie wir es uns auf der Fuchstalbahn für die Zukunft im Regelbetrieb wünschen“, erläutert Mitarbeiterin Anais Schuster Brandis. Organisation und Verantwortung der Fahrt obliegen dann auch der BRB.

Start und Ziel ist nicht in Landsberg sondern in Kaufering

Start und Ziel ist überraschenderweise nicht in Landsberg, sondern in Kaufering. „Das liegt an den Möglichkeiten, den Zustieg für eine Sonderfahrt zu organisieren beziehungsweise den Trassen, die die DB zur Verfügung stellt“, heißt es von den Grünen. „Das war ab Landsberg nicht möglich.“

Einige Fahrgäste treffen sich zwei Tage später schon wieder

Einige der Fahrgäste werden sich schon zwei Tage später im Schongauer Rathaus wiedertreffen. Wie berichtet, lädt für den 26. Juli Bürgermeister Falk Sluyterman zu dem lange angekündigten und immer wieder verschobenen Runden Tisch. Verkehrsingenieur Andreas Holzhey wird dann ebenfalls nur geladenen Gästen sein mit Spannung erwartetes Eckpunktepapier vorstellen. Das Papier soll einen ungefähren Kostenrahmen für die Reaktivierung der Fuchstalbahn nennen und Zuschussmöglichkeiten aufzeigen. Und es dürfte die zwischenzeitlichen Novellierungen der Bahngesetze näher beleuchten.

Verkehrsingenieur muss bei Anrainer-Gemeinden Überzeugungsarbeit leisten

Vor allem bei Vertretern der Anrainergemeinden wird Holzhey, dem die Bahnhofsgebäude in Schongau und Landsberg gehören, am Runden Tisch wohl einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen. Insbesondere in Denklingen und Hohenfurch überwog zuletzt die Skepsis. Auch in Landsberg hielt sich die Begeisterung aufgrund der zu erwartenden Kosten in Grenzen. In Schongau hatte der Bürgermeister bereits vor einem vorzeitigen Aus für die Reaktivierungsbemühungen gewarnt, sollte die Stadt dazu verdonnert werden, ein notwendiges neues elektronisches Stellwerk in der Stadt finanzieren zu müssen.

Die für die Reaktivierung nötige Erneuerung der Leit- und Sicherungstechnik im Bahnhof Schongau sowie auf den angrenzenden Streckenabschnitten kostet nach Angaben der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) allein 20 Millionen Euro.

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