Die Schongauer Köhlervilla soll erhalten bleiben, aber die Stadt würde sie gerne in einem Bieterverfahren an den Mann bringen, um nicht selbst investieren zu müssen. Foto: Hans-Helmut Herold
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Die Schongauer Köhlervilla soll erhalten bleiben, aber die Stadt würde sie gerne in einem Bieterverfahren an den Mann bringen, um nicht selbst investieren zu müssen.

Aus dem Stadtrat

Die Köhlervilla verhökern oder vergolden?

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Die Schongauer Köhlervilla soll verkauft werden, was nicht alle Stadträte befürworten. Die Stadt dürfe diesen Schatz nicht einfach verhökern, sondern müsse ihn vergolden, fordert die CSU-Fraktion. Vor allem aber müsse öffentlich über das Thema beraten werden und nicht hinter verschlossenen Türen.

Schongau – „Die Köhlervilla ist ein Schatz, der der Stadt vor einigen Jahren in die Hände gefallen ist“, formulierte es Michael Eberle für seine Fraktion. Die CSU beantragte, in der nächsten öffentlichen Sitzung die Diskussion über die Entwicklung und die künftige Nutzung des Areals auf die Tagesordnung zu setzen.

Offenbar war bereits im September nichtöffentlich darüber beraten worden, das Gebäude zu veräußern. „Das Grundstück liegt zentral an der Bahnhofstraße, nahe an der Altstadt und am Bahnhof und wäre als Standort einer städtischen Einrichtung oder einer Behörde ebenso geeignet wie als Wohn- und Gewerbegrundstück“, so der CSU-Antrag.

„Eberle: In die Zukunft denken“

„Man muss in die Zukunft denken“, forderte Eberle, der sich vorstellen könnte, dass man das Grundstück etwa auch für eine Behördenverlagerung aus einer großen Stadt anbieten könne – etwa die Lebensmittelkontrolle. „Da müsste der künftige Wirtschaftsförderer doch etwas anbieten können“, so der Querverweis Eberles auf den zuvor im Stadtrat diskutierten Antrag der CSU, in Schongau rasch wieder einen Wirtschaftsförderer einzustellen.

Auch ein Fahrradhotel kann sich Eberle an der Bahnhofstraße gut vorstellen, dies könne insbesondere der Altstadt einen wichtigen Impuls bringen. Nicht zuletzt könne man dort auch ein Einheimischenprojekt verwirklichen, ein soziales Wohnbauprojekt etwa, wie es kürzlich für das Engler-Areal vorgestellt worden war (wir berichteten).

Eberle schlug vor, eine Arbeitsgruppe zu gründen, die sich über die zukünftige Nutzung des Grundstücks Gedanken macht. „Das ist ein Schatz für Schongau, wenn wir diesen nur versilbern, hat man zu wenig gemacht, den muss man vergolden und nicht leichtfertig verhökern.“

Sluyterman: „Nähe zum Bahnhof reicht nicht“

Bürgermeister Falk Sluyterman fragte nach, welche Behörde Eberle sich konkret vorstellen könne. Er selbst habe Schongau gegenüber Ministerpräsident Markus Söder bereits in den höchsten Tönen angepriesen und eine Absage bekommen. „Nur die Nähe zum Bahnhof reicht nicht“, so Sluyterman.

Man habe in Schongau eine veraltete Eisenbahninfrastruktur, weshalb man für Behörden im Münchener Speckgürtel einfach nicht interessant sei. „Wir sind zu weit ab vom Schuss.“

Auch den Eigenbedarf habe man geprüft, „da besteht kein Bedarf“, betonte Sluyterman. Und für ein Einheimischenmodell sei das Grundstück auch nicht geeignet. „Wir wollen die Köhlervilla ja als Gebäude erhalten.“ Das Gebäude stehe seit sieben Jahren leer. „Aus meiner Sicht sollte man den Zustand so schnell wie möglich beenden, bevor es zerfällt.“ Das Grundstück solle in einem Bieterverfahren ausgeschrieben werden, mit der Auflage, das Gebäude zu erhalten.

„Ich bin gegen einen Verkauf, dann ist das Geld und das Grundstück weg“, wehrte sich Hans Rehbehn (CSU) gegen diese Pläne. Er wollte wissen, ob die Möglichkeit des Erbbaurechts geprüft worden sei, damit sei das Grundstück nicht auf Dauer verloren gehe. „Sonst haben wir irgendwann unsere ganze schöne Stadt verkauft.“

Stadtbaumeister Sebastian Dietrich konnte beruhigen. Die Köhlervilla liege im geplanten Sanierungsgebiet und sei, wenn auch nicht unter Denkmalschutz, ein wichtiges ortsbildprägendes Gebäude aus der Gründerzeit. Er könne sich viele gute Projekte vorstellen, auch private Maßnahmen wie ein Fahrradhotel. „Aber wir müssen jetzt investieren, sonst bedeutet dies einen Substanzverlust“, warnte Dietrich aber vor einem Verfall des Gebäudes.

Böse: Den Antrag bereits ähnlich gestellt

Ilona Böse (SPD) erinnerte daran, dass man bereits im Juli dieses Jahres in einem Antrag die Köhlervilla thematisiert und man sich nichtöffentlich darauf geeinigt habe, abzuwarten. „Sie greifen nur unseren Antrag auf, wenn auch etwas modifiziert“, so Böse in Richtung der CSU. Konsens sei gewesen, die Köhlervilla zu erhalten.

„Der Antrag der SPD war auf Verhökern gerichtet, unserer auf Behalten“, konterte Eberle, der die Forderung wiederholte, das Thema öffentlich zu diskutieren. „Es ist eines der letzten Filetstücke in Schongau, aber steht nicht unter Denkmalschutz“, warnte Oliver Kellermann (CSU) davor, aus dem Gebäude einen Sanierungsfall zu machen, das Dach sei bereits undicht.

„Es wird Zeit, dass wir den Leerstand endlich beseitigt bekommen“, sagte Sluyterman. Das Ratsgremium einigte sich am Ende mit 16:6 Stimmen darauf, dass ein Vergabeverfahren in verschiedenen Varianten, auch mit Erbpacht, vorbereitet wird. Die Villa soll erhalten bleiben. Darüber soll der Stadtrat nochmals beraten. Bevor das Grundstück angeboten wird, soll aber erst der Satzungsbeschluss des Sanierungsgebiets fallen.

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