Am Max-Dingler-Weg in Schongau kann nun gebaut werden. Ob der Name so bleibt, darüber soll im Stadtrat noch entschieden werden.
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Am Max-Dingler-Weg in Schongau kann nun gebaut werden. Ob der Name so bleibt, darüber soll im Stadtrat noch entschieden werden.

Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer erklärt ihren Bezug zu Schongau

Die Namensgeber für die Wege im Gnettnerareal

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Demnächst will sich der Schongauer Stadtrat mit dem Max-Dingler-Weg im Gnettnerareal beschäftigen. Der Namensgeber dieser Straße ist umstritten, weil er eine Nazi-Vergangenheit hat (wir berichteten). Benannt sind die Straßen alle nach Literaten. Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer erklärt, welchen Bezug sie zu Schongau haben.

Johann-Berlocher-Weg: Im Jahr 1552 in Schongau geboren, 1584 in Augsburg gestorben. Lutherischer Theologe, Prediger in Tübingen und an Hl. Kreuz in Augsburg. Er gilt als Schüler Luthers und dokumentiert somit die Verbundenheit der Stadt mit den Anfängen der Reformation.

Hans-Brandenburg-Weg: Aus Norddeutschland gebürtig, lebte er von 1885-1968. Er ging früh nach München und schuf dort ein umfangreiches literarisches Werk, bestehend aus Dramen, Erzählungen über den Pfaffenwinkel, besonders über das Land um Rottenbuch und Böbing. Dort wohnte er auch zeitweise, und dort spielt sein bekanntester Roman „Pankraz der Hirtenbub“ (1924). Verfasser einfühlsamer Beschreibungen des Schongauer Landes, so auch in der Festschrift zum Schongauer Stadtjubiläum 1953. Er prägte das Schlagwort vom „Festlichen Sommer im festlichen Land, festlicher Sommer in der Wies“, Grundlage für den Namen der Schongauer Konzertreihe.

Max-Dingler-Weg: Geboren 1883 in Landshut, gestorben 1961 in München. Er war eigentlich Naturwissenschaftler (Zoologe) und Direktor der wissenschaftlichen Staatssammlung in München, lebte aber in Murnau. Einen wichtigen Platz in seinem literarischen Schaffen nehmen seine Mundartgedichte ein, besonders das Gedicht über die Entstehung der Wieskirche, das ein Dokument seiner Verbundenheit mit dem Schongauer Land ist.

Peter-Dörfler-Weg: Gebürtig aus Untergermaringen bei Kaufbeuren (1878-1955). Priester, Leiter eines Münchner Kinderheims, leidenschaftlicher Erzähler, bester Kenner des Pfaffenwinkels, seiner Kirchen und Schönheiten. Er war Kaplan in Steingaden und kehrte immer wieder in das Schongauer Land zurück und verlebte seine letzten Jahre überwiegend in der Wies. Wichtige Romane spielen im Schongauer Land, wobei Dörfler dessen Eigenart und die seiner Bewohner genau beschreibt und liebevoll deutet (Der ungerechte Heller, Die Wessobrunner).

Ludwig-Ganghofer-Weg: Der gebürtige Kaufbeurer (1855 - 1920) gilt als „Vater des bayerischen Berg- und Heimatromans“.

Oskar-Maria-Graf-Weg: Im Rang wie Ganghofer und Thoma, wenn auch politisch ganz anders eingestellt, ist Graf (1894-1967) ein fester Bestandteil der deutschen Literaturgeschichte; darüber hinaus gilt er im Speziellen als großer, realistisch-gesellschaftskritischer Romancier, der sich auch sprachlich immer zu seiner bayerischen Herkunft bekannte. In vielen liebevoll-genauen Landschaftsschilderungen der Gebiete zwischen Lech und Starnberger See hat er dem nördlichen Pfaffenwinkel ein bleibendes Denkmal gesetzt.

Josef-Hofmiller-Weg: Er lebte von 1872 - 1933 und war von Beruf Gymnasiallehrer, zuletzt in Rosenheim. Bekannt als Schriftsteller, Übersetzer, Kritiker und Herausgeber verschiedener Schriften, u. a. auch der „Süddeutschen Monatshefte“. Sein Essay über die Wies aus dem Jahr 1926 gilt als Auslöser für die Neu-Entdeckung der Wallfahrtskirche.

Joseph-Lentner-Weg: Der gebürtige Münchner lebte von 1814 - 1852. Er zog früh nach Peiting, von wo aus er in der romantischen Mittelalter-Schwärmerei die uralte Geschichte des Welfenlandes am Lech in vielen Geschichten und Romanen lebendig werden ließ. So spielt sein Roman Ritter und Bauer um den Schlossberg, seine „Die Venezianer in Schongau“ in der Stadt Schongau selbst, wie auch die Schongauer Geschichten vom Jahr 1840. Ein Juwel ist auch sein Sonett über die Altenstadter Basilika.

Karl-von-Leoprechting-Weg: Der Freiherr von Leoprechting lebte von 1818 -1864. Sein Buch Aus dem Lechrain ist ein frühes Standardwerk der Volkskunde unseres Landstrichs mit ausführlichen Beschreibungen von Land und Leuten, mit Sagen, Musikstücken, Sitten und Bräuchen zwischen Schongau und Landsberg.

Johann-Josef-Pracht-Weg: Hans Pörnbacher nennt Prachts literarisches Werk einen Höhepunkt des literarischen Schaffens im Schongau des 18. Jahrhunderts. Der Sohn (1765-1811) eines Schreiners besuchte die Schongauer Lateinschule, kam dann mit Hilfe eines Stipendiums des Schongauer Curatpriesters Joh. Chr. Gebrath an das Münchner Gymnasium, wurde aber später in seine Heimatstadt zurückgerufen, und musste in der Werkstatt seines Vaters das Schreinerhandwerk erlernen. Seine Zeitgenossen bewunderten ihn als den dichtenden Tischlermeister. Seine Übersetzungen (z.B. der Fabeln des Phaedrus) erregten großes Aufsehen. Im Jahr 1803 wurde er in das Schulkommissariat zu Straubing berufen, 1810 als Lehrer nach Eichstätt, wo er aber im Jahr darauf starb. Ein großer und zu seiner Zeit bedeutender und weithin angesehener Sohn der Stadt Schongau.

Klara-Staiger-Weg: Sie wurde 1588 in Schongau als Tochter Katharina der angesehenen Familie Staiger geboren. Die Familie hatte gute Beziehungen zum Kloster Maria Stein bei Eichstätt/Rebdorf, wo schon mindestens vier Familienmitglieder eingetreten waren, darunter ihre Tante, welche dort als Priorin amtierte und Katharina mit dem Klosternamen Klara mit 17 Jahren in die Gemeinschaft aufnahm. Mater Klara wurde 1632, mitten im 30-jährigen Krieg also, zur Priorin gewählt und führte die Gemeinschaft klug, tapfer und stark durch die Wirren der Zeit.

Sie beschrieb ihre Zeit in einem genauen und anschaulichen Tagebuch, welches als zuverlässige historische Quelle gilt. Als schreibende Frau hat sie Eingang in die Literaturgeschichte gefunden, für das 17. Jahrhundert eine Sensation. Hans Pörnbacher schreibt über sie unter anderem: „Klara Staiger gebührt unter den Schriftstellerinnen ein Ehrenplatz. Eine so kluge und tüchtige Frau wie Klara Staiger dürfte in der Stadt Schongau nicht vergessen bleiben.“

Johann-Schlitpacher-Weg: Er wurde 1403 in Schongau geboren, erhielt seine Schulausbildung in Ulm, studierte ab 1424 in Wien und trat 1435 in das Benediktinerstift Melk ein, wo er 1482 starb. Er war der führende Benediktiner seiner Zeit, Prior in Melk, Vornbach, Göttweig, Ettal und Ebersberg und dazu Visitator seines Ordens. Er gilt als Hauptvertreter der sog. Melker Reformbewegung und des süddeutschen Klosterhumanismus und öffnete die süddeutsch-österreichischen Klöster dem italienischen Humanismus.

Seine theologischen Werke sind auch jetzt noch nicht aufgearbeitet. Im Kloster Melk und in der Staatsbibliothek München befinden sich zahlreiche ungedruckte Werke, Kommentare und Glossen zum Neuen Testament, zu den Psalmen und zu scholastischen und humanistischen Schriften. Mit seiner Persönlichkeit kommt einer der führenden katholischen Reformatoren der Lutherzeit aus Schongau, der in der europäischen Geistesgeschichte einen bedeutenden Platz einnimmt, und den in seiner Heimatstadt fast keiner mehr kennt.

Pater-Strobl-Weg: Franz Matthäus Strobl (1697 - 1744) lebte als Pater Johannes im Schongauer Karmeliterkloster. Er galt im 18. Jahrhundert als einer der bedeutenden Literaten seiner Zeit und verfasste viele Biographien und Übersetzungen. Mit ihm ist die Stadt Schongau in der Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts vertreten.

Ludwig-Thoma-Weg: Thoma wurde 1867 in Oberammergau geboren, und starb 1921 in Rottach-Egern. Weniger bekannt ist, dass Thomas Großvater, der Forstmeister Franz Thoma, in Schongau wohnte und arbeitete und fünf Gärten vor dem Polizeidienerturm und das spätere Schrimpf-Haus am Marienplatz besaß.

Dort kamen seine Kinder zur Welt, darunter Thomas Vater und die aus den Lausbubengeschichten berühmt-berüchtigte Tante Frieda - eine Schongauerin wie auch die von Thoma verewigte Haushälterin Viktoria, die aus der Schongauer Gärtnersfamilie Pröbstl stammte.

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