Ihm sind fast alle Angestellten geblieben: Reinhard Bott (M.) in der Küche des Pöltner Hofs in Weilheim mit seinen Mitarbeitern Hans-Peter Deiser (li). und Xhevdet Kulici.
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Ihm sind fast alle Angestellten geblieben: Reinhard Bott (M.) in der Küche des Pöltner Hofs in Weilheim mit seinen Mitarbeitern Hans-Peter Deiser (li). und Xhevdet Kulici.

Nach langer Schließung

Die Personalsorgen der Gastronomie im Landkreis Weilheim-Schongau

Die Gastronomie hat während der Corona-Pandemie viel Personal verloren. Wir haben nachgefragt, wie die Situation bei Wirten im Landkreis Weilheim-Schongau aussieht.

Landkreis – „Sieben Monate Kurzarbeit sind schon eine Hausnummer“, sagt Katharina Haller, Besitzerin des Gasthauses Sonne in Peißenberg sowie stellvertretende Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes. Aber die Krise hat für das Gastgewerbe noch viel mehr bedeutet. Gut 16 Prozent der beschäftigten Menschen hätten laut NGG das Gewerbe verlassen, und jetzt, wo die Lokale und Hotels wieder öffnen dürften, werde das Personal äußerst knapp.

Das können viele Hoteliers und Wirte im Landkreis bestätigen. Er habe „gerade so genug Personal für das Restaurant“, berichtet Moritz Link, Inhaber des Landgasthofs Osterseen in Iffeldorf. Auch Haller sucht „schon lange händeringend nach einem Koch“. Aber was sind die Gründe für diesen Fachkräftemangel? Dazu gehen die Meinungen der Wirte im Landkreis auseinander.

Darum fehlt das Personal in der Gastronomie

Die Branche habe natürlich im Moment einen sehr instabilen Ruf. Dazu kommt, dass viele mit dem Kurzarbeitergeld, also im Normalfall 60 Prozent des eigentlichen Lohns, während der vielen Lockdowns einfach nicht über die Runden gekommen wären, erklärt Link. In solchen Fällen verstehe er seine Mitarbeiter auch.

Haller ist der Meinung, das das Hauptproblem der Branche die unpraktischen Arbeitszeiten seinen. Wegen der Kurzarbeit „probieren viele etwas Neues aus und kommen auf den Geschmack“, denn in anderen Jobs hätten sie meist nicht nur bessere Arbeitszeiten, sondern würden sogar oft besser bezahlt.

Aus beiden Aussagen wird ersichtlich, dass die Arbeitsbedingungen im Gastgewerbe schon vor Corona zu wünschen übrig gelassen hatten. Das findet auch Stiev Stoll, Betreiber der Schlossgaststätte Hohenberg: „Die Saat ist vor 20 Jahren falsch gesät worden.“ Arbeit in der Gastronomie sei noch nie leicht gewesen, so Stoll. Aber es komme zu häufig vor, dass schlechter Umgang und Bezahlung die schwere Arbeit nicht wert seinen.

Tarifverträge als Lösung?

Auch die NGG betont, dass die Arbeitsbedingungen in der Gastronomie schon vor der Pandemie so schlecht waren, dass die Berufe in der Branche immer unbeliebter wurden. Als Lösung fordert die Gewerkschaft Tarifverträge. So könnte sich das Gewerbe „zu armutsfesten Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen bekennen“, so Landesvorsitzender Mustafa Öz.

Fest steht, dass der Fachkräftemangel im Landkreis vielen Gaststätten die Arbeit deutlich erschwert. Ehemalige Mitarbeitende im Gewerbe finden oft in Cafeterien von Firmen oder Altersheimen angenehmere Arbeitsbedingungen, erklärt Stoll. Aber „die haben es dann auch schnell satt, nur noch Butterbrote zu schmieren“. Er glaubt: „Wenn man ein bisschen gastronomisches Blut in sich hat, kommt man auch wieder zurück.“

Wichtig sei, dass man die Gastronomie mehr schätzt und interessanter macht, findet auch Isabel Kempe, stellvertretende Hotelmanagerin des Pöltner Hofs in Weilheim. Ihr Betrieb konnte die meisten Mitarbeitenden während der Corona-Zeit halten, da sie das Kurzarbeitsgeld auf 80 Prozent aufstocken konnten. Solche Eingeständnisse seinen notwendig: „Wenn man die Mitarbeiter halten will muss man ein Zuckerl mitgeben“, so Kempe.

Klar ist natürlich auch, dass bessere Bezahlung für Gastromitarbeitende auch höhere Preise für Gäste bedeuten würde. Aber Öz von der NGG Bayern ist sich sicher, dass viele Gäste mit leicht erhöhten Preisen einverstanden wären, wenn das den Erhalt der geliebten Lokale bedeuten würde.

VON HANNAH BECK

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