Wenn’s drinnen schon voll ist, muss man beim Aus- und Einsteigen besonders aufpassen. symbolFoto: dpa
+
Der Landkreis Weilheim-Schongau erstellt ein Nahverkehrskonzept

Aus dem Kreistag Weilheim-Schongau

Blick in die Zukunft des Nahverkehrs

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
    schließen

Wer sich ausschließlich mit Bus und Bahn durch den Landkreis bewegen möchte, braucht jede Menge Geduld und Zeit. Damit sich das in Zukunft ändert, erstellt der Landkreis gerade ein Nahverkehrskonzept. Ein Zwischenstand wurde am Freitag im Kreistag vorgestellt.

  • Wenig ruhmreich ist im Landkreis Weilheim-Schongau die heutige Situation im Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)
  • Bis zum Frühjahr 2022 soll ein Nahverkehrskonzept erarbeitet werden - eine Mammutaufgabe
  • Wichtig ist auch die Verknüpfung mit den Nahverkehrslinien der anderen Landkreis

Landkreis – Wenn man ernsthaft über die Zukunft des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) diskutieren möchte, muss man zunächst einmal die heutige Situation analysieren. Und es war wenig ruhmreich, was Felix Kühnel vom beauftragten Planungsbüro in Kassel da per Videokonferenz dem Landkreis attestierte.

Die Anbindung nach München sei gut, sagte er. Und auch das „Grundgerüst“ des Schienennahverkehrs sei durchaus in Ordnung. Damit endete aber auch das Lob weitgehend. Die Probleme sind groß, das wurde bei seinem Vortrag schnell klar. Die kleineren Gemeinden rund um Penzberg und Schongau seien kaum an die Städte angebunden, die Konzentration auf die Schülerbeförderung im Nahverkehr überall überdeutlich zu erkennen. Dadurch gebe es kaum Angebote in Nebenverkehrszeiten, keine guten Umsteigebedingungen, was daran liege, dass sich die Taktung am Schulbeginn und -ende, nicht aber an den Befürfnissen der anderen Fahrgäste orientiert.

Auch das Angebot elektronische Tickets soll erweitert werden

Es gäbe auch zur wenige Linien mit weitgehend einheitlicher Linienführung, so Kühnel. Das führe dazu, dass nur die wenigsten nachvollziehen können, mit welchem Bus sie zu diesem Zeitpunkt wohin kommen. Ein einheitliches Fahrplanlayout vermissen die Verkehrsplaner genauso wie die Weiterentwicklung des Angebots elektronischer Tickets (beispielsweise über das Handy).

Bei den Tarifen habe man es seit Anfang des Jahres zumindest erreicht, dass es einen einheitlichen Streckentarif gibt, bei dem sich der Fahrpreis an den zurückgelegten Kilometern errechnet.

Düster sieht es indes schon wieder bei den Haltestellen aus. Nur die wenigsten sind bislang barrierefrei, zudem unterscheidet sich die Ausstattung immens – ein einheitlicher Standard oder eine Gestaltungsrichtlinie ist nicht erkennbar.

Die Aufgabenliste für den neuen Nahverkehrsplan, den die Experten aus diesen Voraussetzungen ableiten, passt zwar auf eine DIN-A4-Seite, aber die hat es durchaus in sich. Zunächst müsse erst einmal die Grundmobilität für alle Bereiche im Landkreis gesichert werden. Durch die Herstellung der Barrierefreiheit, aber auch vernünftige Fahrgastinformationen. Es wäre durchaus hilfreich zu wissen, ob man den Bus nun gerade verpasst hat oder ob er gleich um die Ecke kommt, weil er zwei Minuten Verspätung hat.

Einheitlicher Tarif für möglichst alle Verkehrsmittel

Danach soll ein einheitlicher Tarif für möglichst alle Verkehrsmittel eingeführt werden. Und hier kommt der umstrittene Beitritt zum MVV-Tarifgebiet ins Spiel. Dadurch hätte man einen klaren, nachvollziehbaren Tarif, könnte mit einem Ticket im gesamten Oberland und in München unterwegs sein. Derzeit laufe die Studie zur Erweiterung des Tarifgebiets, berichtete Landrätin Andrea Jochner-Weiß. Ende 2023 soll sie abgeschlossen sein, dann kommt es zum Schwur, „dann muss der Kreistag entscheiden, ob wir dem MVV-Tarifgebiet beitreten wollen, wenn sie uns denn haben mögen“, so die Landrätin.

Tarife sind das eine, sie werden aber nur dann wichtig, wenn es auch ein Angebot gibt, dass man nutzen möchte und für das man bereit ist, Geld zu bezahlen. Die Verkehrsplaner schlagen dabei ein geteiltes Konzept vor, bei dem zwischen Hauptkorridoren und Nebenstrecken unterschieden wird.

Die Hauptkorridore sollen die großen Städte und Gemeinden im Landkreis – Weilheim, Schongau, Penzberg, Peiting und Peißenberg – miteinander verbinden und regelmäßig angefahren werden. Dazu soll im „untergeordneten Netz“ geprüft werden, inwiefern bedarfsorientierte Angebote sinnvoll sind. Ein Beispiel: Wer von Eberfing nach Schongau will, könnte sich dann im Idealfall auf dem Handy ein Ticket kaufen und den Rufbus verständigen. Der bringt ihn zeitnah nach Weilheim, wo er in den Linienbus oder die Bahn nach Schongau einsteigt und so schnell, sicher und umweltfreundlich zum Ziel kommt. Parallel zu dieser Mammutaufgabe sollen auch die Haltestellen und Fahrzeuge auf aktuellen Stand gebracht werden, sowie die Fahrgastinformationen deutlich verbessert werden.

Landkreis sieht sich mit einer Mammutaufgabe konfrontiert

Es ist also eine Mammutaufgabe, mit der sich der Landkreis konfrontiert sieht, wenn er wirklich bis zum Frühjahr 2022 ein neues Nahverkehrskonzept erarbeiten, abstimmen und beschließen möchte. Dabei muss nicht nur darauf geachtet werden, dass es im Landkreis Weilheim-Schongau reibungslos läuft, wie Hans Mummert (SPD/Penzberg) in der anschließenden Diskussion anmerkte. Man muss sich auch mit den benachbarten Landkreisen intensiv abstimmen. „Vor kurzem wollte ich mit meinem Enkel mit der Bahn nach Eschenlohe fahren. Das hätte rund anderthalb Stunden gedauert. Mit dem E-Radl bin ich in 45 Minuten in Eschenlohe“, sagte er, um das Problem zu verdeutlichen.

Die Klimaschutz- und Verkehrsmanagerin des Landratsamtes, Veronika Schellhorn, versicherte ihm, dass „die Verknüpfung mit den Nahverkehrslinien der anderen Landkreise ein großer Bestandteil der Planungen“ sei.

Bis zum Winter soll das Konzept stehen und danach mit den Nahverkehrspartnern beschlossen werden, bevor im Frühjahr der Kreistag entscheidet.

Schongau-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Schongau-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Schongau – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Und hier geht‘s zum neuen, regelmäßigen Weilheim-Penzberg-Newsletter.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare