Hat sich flexibel auf die Situation eingestellt: Maria Mader mit Kunden in ihrem Geschäft am Schongauer Marienplatz.
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Hat sich flexibel auf die Situation eingestellt: Maria Mader mit Kunden in ihrem Geschäft am Schongauer Marienplatz.

Corona-Notbremse wird kritisch gesehen

Schongau: „Dieses Auf und Ab ist so extrem schwierig“

Die Inzidenz im Landkreis liegt seit Tagen über 100, weshalb voraussichtlich ab morgen die sogenannte Notbremse greift. Im Einzelhandel ist dann erst einmal nur noch das kontaktlose Click & Collect erlaubt. Geschäftsführer im Raum Schongau zeigen sich über das Hin und Her wenig begeistert.

  • Geschäftsleute im Raum Schongau finden die erneute Schließung, die voraussichtlich ab morgen greift, alles andere als lustig
  • Es gibt viele Argumente gegen eine Schließung, wie ein Streifzug durch die Geschäfte zeigt
  • Die Regelung, Einkaufen mit Selbsttest, die ab dem 12. April gilt, findet ebenfalls nicht überall Anklang

Schongau – Das Shoppen im Geschäft mit vorheriger Terminbuchung ist im Landkreis vorerst passé. Viele Ladentüren bleiben ab Dienstag geschlossen, Kunden können Ware dann nur noch nach vorheriger Bestellung abholen. Ab dem 12. April ändern sich die Bestimmungen wieder: Bei einer Inzidenz zwischen 100 und 200 können Kunden dann mit einem tagesaktuellen negativen Schnelltest in die Läden.

„Ich kann das alles nicht mehr nachvollziehen.“ Eva Maurer ärgert sich über die Bestimmungen der Politik.

„Dieses Auf und Ab ist so extrem schwierig“, sagt Eva Maurer, die Inhaberin des gleichnamigen Modegeschäfts in der Lechstadt. Sie ärgert sich über die Bestimmungen der Politik. „Ich kann das alles nicht mehr nachvollziehen.“ In ihrem Laden seien nur zwei Kunden gleichzeitig erlaubt. „In jedem Büro ist es doch wahrscheinlicher, dass ich mich anstecke“, sagt sie. Deshalb verstehe sie auch nicht, warum sie ab morgen ihre Türen wieder schließen müsse.

Sebastian Huber bedauert die Schließung sehr

Andreas Huber, Inhaber von Huber Moden in Schongau, bedauert die Schließung ab morgen ebenfalls sehr. „Bei Click & Collect kommen doch nur drei oder vier Kunden pro Tag.“ Dies sei viel zu wenig, und deshalb müsse er seine Mitarbeiter wieder in Kurzarbeit schicken. „Anders geht es einfach nicht“, sagt Huber. Er befürchtet, dass er nicht genügend Abnehmer für seine Frühjahresware findet. „Wir haben jetzt wieder einen ständigen Warenzufluss, den kann man nicht einfach so stoppen.“

Maria Mader, Inhaberin des Schongauer Frauenzimmers, setzt große Hoffnungen auf den 12. April. Begeistert über die aktuellen Auflagen sei sie natürlich nicht, jedoch habe sie sich flexibel auf die Situation eingestellt. „Man muss einfach am Ball bleiben“, sagt Mader, die ihr Geschäft aktiv in den sozialen Medien bewirbt. „So gerät man bei den Kunden nicht in Vergessenheit.“ Die Präsenz auf Instagram und Co. wird sie deshalb in den nächsten Wochen noch einmal intensivieren.

Ist extrem unzufrieden: Michael Geiger, Geschäftsführer von Betten & Mode Weissenbach in Peiting.

„Also keiner kauft mir eine Matratze oder ein Bettsystem ab, ohne es vorher probiert zu haben“, sagt Michael Geiger, Geschäftsführer von Betten & Mode Weissenbach in Peiting. Dementsprechend unzufrieden sei er mit der Einschränkung ab morgen. Zudem beklagt er den bayernweiten „Flickenteppich“. Er sagt: „Da kennt sich doch keiner mehr aus, in dem einem Landkreis sind die Geschäfte offen, im nächsten zu.“ Dass in wenigen Wochen von den Kunden ein negativer Test verlangt wird, kritisiert er stark. „Wer macht denn das bitte, dass er erst zum Testen und dann zum Shoppen geht?“

Bei der MöbelCentrale ist man „sehr enttäuscht“

Auch in der MöbelCentrale in Schongau ist man laut Worten des Prokuristen Franz Thoma „total enttäuscht“. Nichts sei mehr planbar, der spontane Einkauf würde wegfallen. „Das Raus und Rein in den Lockdown ist für uns das Schlimmste“, sagt er. „Die Menschen wollen doch die Materialien anfassen, die brauchen das Haptische.“ Thoma macht sich Gedanken über das zukünftige Vorgehen. Die Schnelltestspflicht könnte zur weiteren Verunsicherung der Kunden führen. „Die Einkaufslust wird dann noch mal gebremst“, sagt er.

Stefan Schuster von Intersport Schuster in Peiting hatte für den Samstag und den heutigen Montag extra noch die Öffnungszeiten erweitert. „Damit die Kunden noch die Möglichkeit haben, in den Laden zu kommen“, sagt er. Die Einschränkungen ab Dienstag sind laut ihm absehbar gewesen. „Wir sind mittlerweile auf alles vorbereitet“, sagt er. Für die Zeit ab dem 12. April mache er sich keine großen Hoffnungen. „Die Politik hat gezeigt, dass, was heute gilt, morgen schon wieder hinfällig sein kann.“

Gefahr der Ansteckung liegt eher im privaten Bereich, finden Kunden

Bei den Kunden in der Schongauer Altstadt sind die Meinungen geteilt. „Besser zuzusperren, als dann hunderttausend Fälle an einem Tag zu haben“, so eine Schongauerin. Man lebe in einer egoistischen Welt und sei deshalb nicht daran gewöhnt, auf andere zu achten. Ihr Ehemann klagt über die vielen jungen Menschen, die sich seiner Ansicht nach nicht angemessen an die Auflagen halten. Die Geschäfte unterstütze das Ehepaar aktiv durch Click & Collect. „Wir machen das bewusst für Schongau“, sagen beide.

Eine andere Kundin sieht die Schließung der Geschäfte ab morgen als überzogen an. „Wir brauchen einfach die konsequente Umsetzung von Hygienekonzepten“, sagt sie. Die Ansteckungen kämen rein aus dem privaten Bereich. Mit Abstand, Maske und Hygiene könnten Geschäfte und Gastronomie dauerhaft wieder öffnen.

JENNIFER BATTAGLIA

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