+
Vor allem über das Haus im Vordergrund wird diskutiert beim Thema Denkmalschutz. Überprüft werden aber alle Häuser auf dieser Seite der Peitinger Straße. foto: 

Diskussion um Haindl-Häuser

„Für mich nicht denkmalschutzwürdig“

  • schließen

Als im November über eine bessere Zufahrt zur UPM-Papierfabrik diskutiert wurde, kam überraschend heraus, dass die alten Haindl-Häuser an der Peitinger Straße möglicherweise unter Denkmalschutz gestellt werden. Noch steht die Entscheidung aus. Doch wer hat den Antrag eigentlich gestellt?

Schongau – Wolfgang Ohnesorg ist angespannt. Fast täglich wartet der Schongauer UPM-Werkleiter auf Nachricht aus dem Landesamt für Denkmalpflege. „Wir müssen abwarten, ich kann jetzt noch nichts dazu sagen“, wehrt er ab. Aber klar ist: Glücklich wäre das Unternehmen nicht, wenn die alten Häuser unter Denkmalschutz gestellt würden. Schließlich hat der Papierhersteller bereits 2010 entschieden, die Wohnbelegung auslaufen zu lassen, um die stark sanierungsbdürftigen Häuser abreißen und die frei werdende Fläche neu nutzen zu können – unter anderem für eine bessere Einfahrt. Ohnesorg weiß nicht, wer den Denkmalschutz-Antrag gestellt hat. „Wir sicher nicht. Wir wurden nur damit konfrontiert, dass es geprüft wird.“

Der nächste Verdacht fällt auf den Kreisheimatpfleger. Helmut Schmidbauer ist grundsätzlich begeistert über die sozialen Leistungen, die die Firma Haindl schon vor mehr als 100 Jahren geleistet hat. „Die hat immer an ihre Mitarbeiter gedacht. Es gab eine Pensionskasse, ein Hallenschwimmbad, eine Kantine, und nach dem schlimmen Winter 1916/17 wurde auch noch das Ökonomiegut Lechau zur Versorgung der Arbeiter erworben“, sagt Schmidbauer. Natürlich zählten auch Wohnungen dazu: Das erste Haus, das Villen-artige Gebäude direkt an der Einfahrt, baute Haindl 1913, wie in der Firmenchronik vermerkt ist. Zu diesen 16 Wohnungen folgten sieben Jahre später 92 weitere, im Jahr 1999 betrug der Bestand 231 Werkswohnungen.

Doch die entscheidende Frage ist: Sind die Häuser an der Peitinger Straße denkmalschutzwürdig? Schmidbauer, der den Antrag übrigens nicht gestellt hat, meint: nein. „Meiner Einschätzung nach ist die Ortseinfahrt durch die Haindl-Häuser, schon ortstypisch, so etwas findet man nirgendwo sonst.“ Damit wäre ein wichtiges Kriterium erfüllt. Es könnte also als Ensemble gelten, bei dem zumindest die optische Erscheinung gewahrt werden müsse, also die Fassade – in den Häusern selbst wären Umbauten möglich.

Auch Fritz Holzhey ist gegen den Erhalt der Häuser

Um aber als Ensemble zu gelten, wie beispielsweise die Schongauer Altstadt, müsse mindestens ein Einzeldenkmal dabei sein, so Schmidbauer. Und da käme nur das oben erwähnte Villen-artige Gebäude in Frage. „Aber man muss die Frage stellen: Ist es so wichtig, nicht mehr bewohnbare Häuser mit viel Aufwand wieder herzurichten, an einem Ort, wo die Wohnqualität zwischen vielbefahrener Straße und Bahnlinie sehr fraglich ist?“ Diese Frage sei noch nicht abschließend geklärt. Aber wenn es nach ihm ginge, reiche es aus, ein Haus zu erhalten.

Dieser Meinung ist auch Fritz Holzhey aus der Haindl-Gründerfamilie. „Für mich sind die Häuser nicht denkmalschutzwürdig“, sagt er ohne Wehmut. Einzige Ausnahme wäre theoretisch auch für ihn das älteste Gebäude, das dann aber isoliert mittendrin stehen würde. „Das wäre nicht zu verantworten“, so Holzhey. Auf der anderen Straßenseite, nahe des Lechkanals, gebe es ein Haus, das nicht im Weg sei, das könne man notfalls erhalten. Auch Holzhey war von dem Denkmalschutz-Antrag überrascht worden: „Ich wusste davon nichts.“

Bleibt noch der Historische Verein, und da kann die Vorsitzende Heide Krauthauf etwas Licht ins Dunkel bringen. Demnach sei über das Thema in der Vorstandschaft diskutiert – und im Oktober 2015 auch abgestimmt worden, ob man einen Denkmalschutz-Antrag stellen wolle. Das Ergebnis: 3:2. Schmidbauer, ebenfalls in der Vorstandschaft, sei an diesem Tag nicht dabei gewesen, so Krauthauf. „Der Antrag ist vom Verein aber nie gestellt worden.“ Möglicherweise sei es jemand anderer aus der Vorstandschaft gewesen, theoretisch kann eine Denkmalschutz-Prüfung aber jeder Privatmann veranlassen.

Krauthauf, deren Ehemann selbst Werkleiter bei Haindl war und deren Sohn dort in leitender Funktion arbeitet, war damals gegen den Denkmalschutz-Antrag – aus ähnlichen Gründen wie Schmidbauer: „Wie könnte man das eine Haus, um das es vor allem geht, sinnvoll nutzen?“, fragt sie sich. Vielleicht gibt das Landesamt für Denkmalpflege bald die Antwort.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Das größte Schaufenster der Region“
Vom 29. September bis zum 3. Oktober findet am Weilheimer Volksfestplatz die 21. Oberland-Ausstellung statt. Sie hat eine enorme Anziehungskraft, rund 30 000 Besucher …
„Das größte Schaufenster der Region“
Prügelei mit Imbiss-Besitzer: Welche Version stimmt?
Die Auseinandersetzung im Döner- und Pizza-Imbiss in Lechbruck zwischen dem Besitzer und einer Gruppe syrischer Asylbewerber aus einer benachbarten Unterkunft stellt die …
Prügelei mit Imbiss-Besitzer: Welche Version stimmt?
Zug zerfetzt Papierlaster: Schuldfrage in Schongau geklärt
Ein vollbesetzter Zug der Bayerischen Regiobahn hat am Dienstagnachmittag in Schongau bei der UPM-Werkseinfahrt einen Lkw gerammt. Der Lastwagenfahrer blieb unverletzt, …
Zug zerfetzt Papierlaster: Schuldfrage in Schongau geklärt
Heißer Schlagabtausch vor Bürgerentscheid in Rottenbuch
Bekommt Rottenbuch einen Supermarkt oder setzen sich die Gegner des Projekts durch? Die Antwort verspricht, spannend zu werden. Knapp eine Woche vor dem Bürgerentscheid …
Heißer Schlagabtausch vor Bürgerentscheid in Rottenbuch

Kommentare