„Plötzlich ein Hype losgegangen“: dm-Gebietsleiter über die Corona-Zeit und neue Strategien und Filialen in Bayern.
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„Plötzlich ein Hype losgegangen“: dm-Gebietsleiter über das Kaufverhalten in der Corona-Zeit und neue Strategien.

Wo bald ein neuer Markt steht

„Plötzlich ein Hype losgegangen“: dm-Gebietsleiter über die Corona-Zeit, Hamsterkäufe und neue Filialen

  • Elena Siegl
    vonElena Siegl
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Ein herausforderndes Jahr liegt hinter den dm-Drogeriemärkten. Der Gebietsverantwortliche Ulrich Brenner berichtet vom Run aufs Klopapier, dem Logistik-Ausbau und Zukunftswünschen.

Schongau – Nudeln, Klopapier, Desinfektionsmittel – den Run darauf im Frühjahr hat Ulrich Brenner als Gebietsverantwortlicher für sämtliche dm-Filialen im Oberland „sehr intensiv miterlebt. Und dann ist auch bei der Hefe plötzlich ein Hype losgegangen“, erinnert er sich. „Bei manchen Produkten ist der Absatz plötzlich um bis zu 300 Prozent gestiegen“.

Das Ganze habe eine eigene Dynamik entwickelt. „Selbst Leute, die eigentlich nicht hamstern, sahen die sich leerenden Regale und griffen vorsichtshalber auch noch einmal zu“, beschreibt er. Phänomene, die als Händler ernst zu nehmen seien.

Ulrich Brenner, Gebietsverantwortlicher bei dm

„Die Hersteller haben weiterproduziert, daher war es nie knapp – nur mit der Logistik sind wir erst nicht nachgekommen. Dass in dem Umfang gehamstert wird, ist ja nicht planbar“, so Brenner. Die Logistik wurde nach und nach daher so aufgestellt, dass die Filialen häufiger beliefert wurden.

Auch beim zweiten Lockdown hat Brenner wieder eine gestiegene Nachfrage bei bestimmten Produkten bemerkt. Doch mittlerweile ist das Unternehmen gut gewappnet. „In den Lagern stapelt sich das Klopapier in sämtlichen Packungsgrößen“, erzählt Brenner und lacht.

Corona-Zeit beim dm: Markt sieht Öffnung als Auftrag, Leute gut zu versorgen

Er ist froh, dass die Drogeriemärkte das ganze Jahr über geöffnet bleiben durften, sieht dies aber zugleich als Auftrag, die Leute gut zu versorgen. Neben dem Warenaspekt werde auch die Sicherheit groß geschrieben. Von der Desinfektionssäule, die es in jeder Filiale gibt, bis hin zu Plexiglasscheiben zwischen den Kassen und Fotoständern: „Da wurde ein riesen Hygienekonzept ausgearbeitet, was und wie oft gereinigt wird“, so Brenner.

Außerdem wurde der Betrag, den man nur mit Vorhalten der EC-Karte und ohne Eintippen der Geheimnummer zahlen kann, von 25 auf 50 Euro erhöht. Vorher hat Brenner nämlich wilde Sachen erlebt. Eine Kundin, die mit einem Wattestäbchen auf den Tasten des Kartenlesegerätes herumdrückte, weil sie die Tasten nicht berühren wollte, zum Beispiel.

Corona bei dm: So viel Normalität wie möglich

Trotz aller Auflagen soll Einkaufen bei dm so normal wie möglich ablaufen. Eintritt nur mit Einkaufswagen und die Kundentoilette zusperren? Da schüttelt Brenner mit dem Kopf. „Die Menschen sollen sich wohlfühlen.“ Deshalb setzt er neben den Vorkehrungen auch auf die Vernunft der Menschen.

Tatsächlich achte die Mehrzahl der Kunden aufeinander, so Brenner. „Klar, es gibt auch solche, die partout keine Maske tragen wollen und Ärger machen. Das ist nicht schön. Aber es gibt viel mehr Positives zu berichten.“ Von Kunden, die dm-Mitarbeitern Schokolade schenken, um sich zu bedanken oder bunt bemalte Steine vor die Filiale legen etwa. Es sei auch schön zu sehen, dass Leute sich gegenseitig helfen. Einige Kunden würden auch für ältere Familienmitglieder oder Nachbarn einkaufen.

Auch die Möglichkeit, Produkte im Internet zu bestellen und zusammengepackt in der Filiale abzuholen, wird dafür vermehrt angenommen, so Brenner. „Das ist nichts Städtisches. Das wird auch auf dem Land genutzt.“

Weil keine Filiale wegen eines Corona-Falles schließen musste schließt Brenner daraus, dass das Hygienekonzept bestens funktioniert. Nur bei einer Schicht im Lager seien mehrere Mitarbeiter an dem Virus erkrankt. „Die Schichten sind aber so voneinander getrennt, dass keine anderen betroffen waren und das Lager aufbleiben konnte. Das wäre sonst eine Katastrophe.“

dm im Obelrand: Welche Filialen gute Entwicklungen gemacht haben - und welche nicht

Gerade die Fachmarktfilialen mit Parkplatz direkt vor der Tür, wie es sie in Schongau und Weilheim gibt, haben heuer „eine gigantische Entwicklung gemacht“, schildert Brenner. Auch mit seiner jüngsten Filiale – im Sommer 2018 eröffnete dm in Gaißach – ist Brenner zufrieden.

Doch nicht alle Filialen sind während der Pandemie stärker gefragt denn je. In Kempten ist dm beispielsweise im Einkaufszentrum ansässig. „Als Bekleidungsgeschäfte und Gastronomiebetriebe im Frühjahr schließen mussten, war es da recht finster.“ Kaum ein Kunde habe den Weg zu ihnen gefunden. Weniger Zulauf gab es auch bei Filialen in Fußgängerzonen.

Und in Garmisch merke man deutlich, dass Kunden aus Österreich wegen der Grenzschließung weg bleiben, erzählt Brenner. Trotzdem liege ein gutes Jahr hinter dem Unternehmen. Einen Teil des Gewinns wollte man deshalb auch heuer unbedingt weitergeben, sagt Brenner. Wie berichtet, wurden mit der Aktion „HelferHerzen“ regionale Vereine und Organisationen unterstützt.

Wo dm hin will - und warum nicht nach Peiting

Sechs Filialen in der Region (Schongau, Weilheim, Garmisch-Partenkirchen, Wolfratshausen, Gaißach und Tutzing) betreut Ulrich Brenner seit rund einem Jahr neben weiteren Märkten im Allgäu. Doch wenn es nach ihm geht, könnten gerne noch weitere dazukommen. Drei Orte stehen dabei ganz oben auf seinem Wunschzettel. In Murnau und Penzberg würde dm gerne Geschäfte öffnen – schon seit Jahren, wie Brenner sagt. Das Problem: Es fehlt bislang an einem passenden Grundstück. Die Kette möchte vor allem Fachmärkte eröffnen, erläutert Brenner, mit großen Parkplatz vor der Tür und weiteren Geschäften sowie Supermärkten in unmittelbarer Nähe. Eine Lage, wie in Schongau-West, wo dm bekanntlich bereits ansässig ist, sei beispielsweise ideal. Geschäfte in Fußgängerzonen hingegen zählen nicht zu Brenners Vorstellungen, auch wenn solche dem Unternehmen immer wieder angeboten werden.

Auch in Geretsried kann sich der Gebietsverantwortliche sehr gut eine weitere dm-Filiale vorstellen. Auch, um Wolfratshausen etwas zu entlasten. „Der Markt wächst und wächst. Das Einzugsgebiet ist riesig“, erzählt Brenner. „Manche tun sich sogar zusammen, fahren gemeinsam mit dem VW-Bus zu uns und verbinden den Ausflug noch mit einem gemeinsamen Kaffee“. Die Region könnte daher noch gut eine weitere Filiale vertragen.

„In Schongau super aufgestellt“

Ganz anders sieht das seiner Meinung nach im Schongauer Land aus. Dass sich auch einige Peitinger einen dm für die Marktgemeinde gewünscht hatten, weiß Brenner. Mit der Gemeinde habe es zwar Gespräche gegeben, allerdings habe man sich aus mehreren Gründen relativ schnell gegen einen Bezug des ehemaligen Kik-Gebäudes entschieden. dm hätte sich quasi selbst Konkurrenz gemacht. „Wir denken da immer von den Kunden aus“, erklärt Brenner. Und die würden zum Einkaufen ohnehin nach Schongau fahren, weil es im direkten Umfeld weitere gefragte Geschäfte gebe. „In Schongau sind wir super aufgestellt“, so Brenner. Zusätzliche Kunden würde man durch eine Filiale in Peiting eher nicht gewinnen, ist er sich sicher.

Außerdem sei das fragliche Gebäude in Peiting von den anderen Geschäften abgewandt gelegen – auch das gefiel Ulrich Brenner nicht. 

Und hier gibt es weitere Nachrichten aus Weilheim und Schongau.

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