Feuerwehr und Rettungskräfte im Einsatz in der Beethovenstraße in Schongau
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Da ging es mal wieder eng zu: Per Rettungsschlitten musste jüngst in Schongau in der Beethovenstraße ein Patient nach unten gebracht werden, weil kein Platz war, die Drehleiter aufzustellen. Foto. Hans-Helmut Herold

Nach Einsatz in der Altstadt

Drehleiter kommt nicht durch: Schongaus Feuerwehrkommandant richtet Appell an rücksichtslose Parker

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Rücksichtsloses Parken kann Rettungskräfte Zeit kosten und zu gefährlichen Situationen führen. Gerade bei Feuerwehreinsätzen in der Schongauer Altstadt, aber nicht nur dort, kommt es immer wieder vor, dass für die Drehleiter nicht genug Platz ist.

Schongau – Die Schongauer Altstadt ist speziell für die Feuerwehr heikel. Nicht nur wegen der beengten Verhältnisse, sondern auch, weil Autofahrer beispielsweise bis in die Kreuzung hineinparken, obwohl sie eigentlich Abstand halten müssten.

„Die Leute realisieren das oft gar nicht, dass man dann mit der Drehleiter nicht um die Ecke kommt“, erläutert Schongaus Feuerwehrkommandant Werner Berchtold. Bei einem Löschfahrzeug sei es nicht ganz so schlimm, wenn es ein paar Meter weiter weg parken müsse, dies koste „nur“ etwas Zeit und Schlauchlänge, wie es Berchtold ausdrückt.

Drehleiter benötigt viel Platz

Die Drehleiter hingegen müsse direkt am Einsatzort punktgenau parken. Und braucht dann auch noch richtig viel Platz, wenn es nämlich darum geht, eine, oder sogar beide Stützen auszufahren. „Letztens war ein Patient so schwer, das war auch kritisch für die Drehleiter“, berichtet Berchtold. Und wenn die Drehleiter dann nicht eingesetzt werden kann, wie erst kürzlich in der Beethovenstraße, muss die Person mühsam per Rettungsschlitten über das Treppenhaus, vielleicht auch noch über mehrere Stockwerke, nach unten getragen werden, obwohl dies mit der Drehleiter für den Patienten wie auch die Einsatzkräfte viel einfacher gegangen wäre.

Um einmal zu erklären, wie viel Freiraum die Drehleiter braucht, zählt der Schongauer Kommandant die Maße auf: Das Fahrzeug selbst hat eine Gesamtlänge von zehn Metern, ist also doppelt so lang wie ein Pkw. Dabei ist der Überstand der Leiter inclusive Rettungskorb mit eingerechnet.

„Gerade der Überstand über das Führerhaus hinaus ist eine besondere Herausforderung für den Fahrer eines solchen Fahrzeuges“, so Berchtold. Die Breite beträgt ohne Seitenspiegel etwa 2,50 Meter, inclusive Spiegel rund 3,50 Meter. Ein größeres Auto ist in der Regel mit ausgeklappten Spiegeln um die zwei Meter breit. „Wenn die Drehleiter aufgestellt werden muss, etwa zur Personenrettung, kommt noch eine seitliche Abstützung von 1,25 Meter auf jeder Seite hinzu“, rechnet der Kommandant vor.

Um eine Drehleiter sicher aufzustellen, benötigt man somit eine Breite von fünf Meter. Man kann unter bestimmten Voraussetzungen auf eine Seite der Abstützung verzichten, benötigt aber dann dennoch mindesten 3,75 Meter festen Untergrund. Und noch eine Zahl hat der Schongauer Feuerwehrchef parat: Das Fahrzeug hat in etwa einen Wendekreis von 20 Meter, ein größerer Pkw elf, vielleicht zwölf Meter.

Feuerwehr-Kommandant plant Aktion mit der Polizei

Berchtold hat bereits eine Idee, wie er wieder auf die Problematik aufmerksam machen und uneinsichtige Autofahrer zum Nachdenken bringen könnte: „Derzeit ist es wegen Corona recht ruhig, aber vielleicht fahren wir im Sommer mit der Polizei im Schlepptau eine Runde durch die Stadt.“ Wobei es Berchtold dabei natürlich nicht um viele Strafzettel geht, sondern nur um das Sensibilisieren der Autofahrer.

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