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Zur Eröffnung wurde stilecht ein Band durchschnitten: Das übernahmen Jobbegleiterin Annett Hornung und Bürgermeister Falk Sluyterman.

Neues Angebot der herzogsägmühle

Drei Jobbegleiter für Flüchtlinge

Flüchtlinge für die Jobsuche vorbereiten und ihnen einen möglichst sicheren Arbeitsplatz verschaffen wird auch im Landkreis immer wichtiger. Deshalb hat Herzogsägmühle ein Projekt gestartet: die Jobbegleitung „inarbeit“. Startschuss war nun im Schongauer Büro.

Schongau – Wenn Flüchtling eine Arbeit bekommen, hilft ihnen das bei der Integration. Dies sagte sich die Herzogsägmühle und legte „inarbeit durch Jobbegleiter“ auf. Gefördert wird das auf zwei Jahre angelegte Projekt vom Bayerischen Arbeits- und Sozialministerium. Es richtet sich an Asylbewerber, Geduldete und Asylberechtigte „mit guter Bleibeperspektive beziehungsweise gesichertem Aufenthalt“, erklärte Jobbegleiterin Annett Hornung bei der offiziellen Eröffnung des Schongauer Büros an der Weinstraße. Die Teilnehmer sollen über 25 Jahre alt und bereits in Beschäftigung oder zumindest auf dem Weg dahin sein, sie müssen jedoch über ausreichend Sprachkenntnisse verfügen. Zielgruppen sind derzeit Menschen aus dem Iran, dem Irak, Eritrea, Somalia und Syrien.

Hornung und ihre Kollegen Matthias Holleschovsky und Hubertus Freisinger sind künftig die Ansprechpartner. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist im Büro in Schongau, allerdings gibt es auch eine Beratungsstelle in Weilheim. Auch in Penzberg will die Herzogsägmühle präsent sein. Wo ist noch unklar, der Service wird wohl ab April im Rahmen der dortigen Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit angesiedelt.

In Schongau wurde nun der Startschuss gefeiert. Und es wurde die Bedeutung des Angebots betont. Die Jobbegleitung soll „eine Art Steigbügelhalter“ für die Asylbewerber sein, um möglichst nachhaltig auf dem Arbeitsmarkt unterzukommen, hofft Markus Sinn, Fachbereichsleiter „Arbeit und Integration“ in der Herzogsägmühle. Das Diakoniedorf hatte die Förderung bei der Regierung beantragt, bewilligt wurden drei Stellen für zwei Jahre. Zehn Prozent der Kosten trägt die Herzogsägmühle. Laut Sinn gibt es eine Option für ein weiteres Jahr. Die Ziele sind durchaus ehrgeizig. Die Staatsregierung will mit ihren Fördergeldern in zwei Jahren immerhin 60 000 Asylbewerber in Lohn und Brot bringen, sagt Jobbegleiterin Hornung. Allein 90 Personen will die Herzogsägmühle mit „inarbeit“ vermitteln. Dafür wird einiges getan: Die Angebote reichen von Hilfen bei der Suche nach Praktika und Ausbildungsplätzen über Bewerbungstraining, Arbeitplatzakquise bis zur Kontaktpflege mit Unternehmen. Gerade die Wirtschaft habe eigentlich einen Bedarf an guten Fachkräften, bekräftigt Bereichsleiter Sinn – allerdings sei dies oft eine Frage der Qualifikation.

Es wird mit Arbeitsagenturen, Jobcenter, Ausländerbehörden, Helferkreisen und Ehrenamtskoordinatoren zusammengearbeitet, bekräftigt Hornung. Die Teilnehmer an der Jobbegleitung werden wohl anfangs vermehrt von den Helferkreisen geschickt, erwartet Projektleiterin Petra Findeisen. „Später werden sie sicher auch selber anfragen.“

Die Herzogsägmühle nutzt für das Projekt bereits vorhandene eigene Strukturen: Mit dem Fachdienst „Menschen in besonderen Lebenslagen“ wird zusammengearbeitet. Dieser startet laut Armin Wrinskelle vom Fachdienst zum April ein dreijähriges Projekt zur Flüchtlingsarbeit im ländlichen Raum, gesponsert von der Deutschen Fernsehlotterie, dass dank der Gelder in der Region bis zu 150 Menschen ausbilden und qualifizieren soll.

Kein Wunder, dass Bürgermeister Falk Sluyterman anlässlich der Büroeröffnung zufrieden dreinblickte. Er bezeichnete das Projekt als „wichtige Einrichtung“ für die Stadt und die Region. Damit der oft kritisierte Ausspruch von Kanzlerin Angela Merkel „Wir schaffen das“ bei der Integration der Flüchtlinge nicht nur Wunschvorstellung bleibe, „sondern Realität wird“. Sluyterman bot seitens der Stadt gleich mal Hilfe bei der Praktikumssuche an – und lobte seine Kommune als Arbeitgeber: Das „Plantsch“ beschäftige nämlich einen „ganz tüchtigen“ Flüchtling. „Plantsch“-Chef Andreas Kosian ist begeistert von der 45-jährigen Servicekraft aus Eritrea, die anerkannte Asylbewerberin und seit 1. Januar 2016 im Bad fest angestellt ist, inzwischen unbefristet: Wir sind hochgradig zufrieden. Sie ist eine absolute Perle.“

Kontakt „inarbeit“

Schongau: Weinstraße 14. Weilheim: Mittlerer Graben 9. Termine unter Tel. 08861/219-288.

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