Auf dem Smartphone die Impfung nachweisen – das digitale Impfzertifikat macht‘s möglich.
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Auf dem Smartphone die Impfung nachweisen – das digitale Impfzertifikat macht‘s möglich.

Anfängliche Server-Probleme sind überwunden

Drei Wochen nach Start: Digitaler Impfpass in den Apotheken weiter sehr gefragt - Genesene brauchen noch Geduld

  • Christoph Peters
    VonChristoph Peters
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Seit drei Wochen stellen Apotheken im Landkreis digitale Impfzertifikate aus, mit denen sich eine Corona-Schutzimpfung einfach per Smartphone nachweisen lässt. Die anfänglichen technischen Schwierigkeiten scheinen mittlerweile überwunden, die Nachfrage ist nach wie vor groß. Ein Problem aber bleibt.

Update vom 7. Juli, 12 Uhr: Landkreis – Die anfänglichen Server-Probleme beim digitalen Impfpass sind, wie berichtet, mittlerweile überwunden. Für ein anderes Ärgernis, auf das uns jetzt ein Leser hingewiesen hat, gibt es dagegen noch keine Lösung. Betroffen davon sind Genesene, deren Corona-Erkrankung länger als sechs Monate zurückliegt und die nur eine Impfung benötigen. Für sie können Apotheken bislang keinen digitalen Impfpass ausstellen, schreibt ein Leser, der selbst in dieser Situation ist.

Darauf angesprochen, bestätigt Philipp Kircher, Apotheken-Sprecher im Landkreis Weilheim-Schongau, dass es für Genesene tatsächlich bislang noch keine vernünftige Lösung gebe. Dieser Fall sei in der verwendeten Software noch nicht berücksichtigt. „Das wurde einfach verpennt.“ Entsprechend groß sei der Frust bei den Betroffenen. Wann ein Update kommt, das die fehlende Funktion nachreicht, kann Kircher nicht sagen. „Meine Information ist nur, dass daran gearbeitet wird.“

Erstmeldung vom 7. Juli, 8 Uhr: Landkreis – Als Mitte Juni die Bürger reihenweise mit ihrem gelben Impfbuch in die Apotheken strömten, um sich ihren QR-Code für den digitalen Covid-Impfnachweis ausdrucken zu lassen, war vielerorts Geduld gefragt. Zu Beginn des neuen Angebots gingen die Server ob des großen Andrangs in die Knie. So mancher Apotheke blieb nichts anderes übrig, als die Kunden auf einen späteren Zeitpunkt zu vertrösten. Doch diese Startprobleme scheinen mittlerweile überwunden. „Es läuft deutlich besser“, bestätigt Philipp Kircher, Apotheken-Sprecher im Landkreis Weilheim-Schongau. Längere Systemausfälle gebe es kaum mehr, „das hat sich alles eingespielt“ sagt Kircher, der die St. Ulrich-Apotheke in Peißenberg betreibt.

Diese Erfahrung hat auch Siegfried Baab gemacht, dessen Familie die Lech-Apotheke in Schongau, die Glückauf-Apotheke in Peiting sowie die Rigi-Apotheke in Hohenpeißenberg führt. „Das läuft problemlos“, kann Baab bestätigen. Eingespielt hat sich die Zertifikatsausgabe ebenfalls in der Weilheimer Karwendel-Apotheke. „Der Ansturm in den ersten Tagen war schon heftig, mittlerweile ist es ein bisschen ruhiger geworden“, sagt Inhaberin Nina Hasenbalg-Glas.

Manch einer schafft extra ein Smartphone an

Arbeit gibt es dennoch genug. Die Nachfrage nach den digitalen Impfnachweisen sei nach wie vor hoch, sagt Kircher. Täglich drucken er und seine Mitarbeiter neue QR-Codes für Geimpfte aus, die dann nur noch mit der Covpass-App des Robert-Koch-Instituts (RKI), der Corona-Warn-App der Bundesregierung oder der Luca-App auf dem Handy gescannt werden müssen. Eigentlich eine Sache von nur ein paar Minuten, doch gerade ältere Mitbürger tun sich schwer mit der Technik. „Wir haben Patienten, die haben sich nur wegen des digitalen Impfpasses ein Smartphone gekauft“, sagt Kircher. Einer sei sogar mit zwei neuen Handys erschienen, weil er nicht gewusst habe, dass man in der App zwei Impfzertifikate gleichzeitig speichern könne.

Was für viele selbstverständlich sei, nämlich die passende App herunterzuladen, stelle weniger versierte ältere Handy-Nutzer schon vor Probleme, hat Kircher festgestellt. „In dem Fall nehmen wir die Patienten bei der Hand und helfen ihnen.“

Ein Szenario, das in Zukunft noch öfter eintreten dürfte, ahnt Kircher. Denn mit dem E-Rezept rolle die nächste Welle der Digitalisierung bereits auf die Apotheken zu. „Auch das läuft über das Handy, da ist das jetzt schonmal ein guter Testlauf, um das Thema den Leuten näher zu bringen“, findet der Apotheken-Sprecher.

Gesunkene Vergütung sorgt für Kritik

Doch Zeit ist Geld, entsprechend kritisch sieht Kircher, dass die Apotheken künftig nur noch sechs statt 18 Euro für das Ausstellen eines Impf-Zertifikats bekommen sollen. „Es wäre schön gewesen, wenn man sich in der Mitte getroffen hätte. So ist das fast ein Negativgeschäft.“ Laut einer Umfrage des Apothekerverbands würden 30 bis 40 Prozent der Apotheken in Deutschland überlegen, ob sie den Service unter diesen Voraussetzungen weiter anbieten können, sagt Kircher. Ob auch Kollegen aus dem Landkreis dazugehören, wisse er nicht.

In Kirchers Peißenberger Apotheke jedenfalls werden auch künftig fleißig QR-Codes gedruckt. Gleiches gilt für die Einrichtungen seiner beiden Kollegen. Auch wenn man nichts daran verdiene, als Service für die Stammkunden werde man natürlich weitermachen, sagt Hasenbalg-Glas. „Wir machen das, solange es die Leute wollen“, betont auch Siegfried Baab. Die Vergütung sei da nicht ausschlaggebend. Groß technische Hilfestellung geben könne man aber nicht, das sei aber oft auch nicht nötig. Viele ältere Kunden würden bei der Einrichtung des Smartphones auf die Hilfe jüngerer Verwandter zurückgreifen, hat Baab in den vergangenen drei Wochen beobachtet. Das bestätigt auch Hasenbalg-Glas: „Die meisten, die kommen, sind schon vorbereitet.“

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