Ausgesprungen hat es sich am Badesee „Eglmoos“ in Reichling – das Brett wurde abgebaut. Foto: Manuela Schmid

Haftungsfrage verunsichert Gemeinden

Droht das Ende der Sprungbretter an den Badeseen im Landkreis?

Gemeinden, die einen Sprungturm, eine Rutsche oder eine Badeinsel im See aufstellen, aber keine Aufsicht dazu anbieten, könnten Probleme bekommen, sagen die Juristen. Wir fragten nach, wie es die einzelnen Gemeinden handhaben.

Weilheim-Schongau – Es ist wie immer: Solange niemand klagt, ist alles in Ordnung. Nachdem aber nun bereits die ersten Gemeinden aus Angst vor Schadenersatzansprüchen bereits reagiert haben, fragte die Heimatzeitung in den Gemeinden nach, die unbeaufsichtigte Badeweiher haben.

Reichling

Das Sprungbrett muss weg, das Spielgerät braucht einen Zaun: Aus Haftungsgründen muss die Gemeinde Reichling am Badesee „Eglmoos“ einige Maßnahmen treffen. Ansonsten könnte die Kommune bei Unfällen in die Verantwortung genommen werden. Der Gemeinderat beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit der Haftungsfrage – und kam zu dem Schluss, dass es keine andere Möglichkeit gebe, als den Sprungbetrieb einzustellen.

Die Vorgaben sind eindeutig: Wenn eine Gemeinde ein Sprungbrett aufstellt, muss sie eine ausreichende Wassertiefe sicherstellen. Konkret bedeutete dies: Das Wasser muss an der Sprungstelle mindestens 3,60 Meter tief sein – und das in einem Umkreis von sechs Metern. In diesem Bereich darf auch kein Hindernis sein.

Die Gemeinde ist dafür verantwortlich, dass die Wassertiefe in dem gesamten Umkreis ständig eingehalten wird. Sie müsste dies also regelmäßig kontrollieren.

Dass ein solcher Aufwand für eine Gemeinde wie Reichling kaum zu schaffen sei, war dem Gemeinderat klar. Natürlich wurde die unumgängliche Maßnahme auch bedauert: Das Sprungbrett sei „die Attraktion“ am Eglmoos gewesen, meinten Annette Socher und Walter Dirr.

Bei den Badeseen gebe es zwei Kategorien, hieß es im Reichlinger Gemeinderat: Strandbäder und Badestellen. Strandbäder müssten beaufsichtigt werden, Badeseen nicht. Das Eglmoos gelte als Badestelle – müsse daher nicht beaufsichtigt werden. Trotzdem sei die Gemeinde für das Sprungbrett verantwortlich.

Die Gemeinde will jetzt prüfen lassen, ob sie anstelle des Sprungbretts einen Steg (wie von Walter Dirr angeregt) errichten könnte. Laut Horner-Spindler wäre ein kleiner Steg wohl zulässig.

Böbing

Das Badefloß am Lugenauer See im Böbing wird über den Winter aus dem Wasser geholt und im Frühjahr wieder eingesetzt. Bevor es heuer so weit ist, will Böbings Bürgermeister Peter Erhard angesichts der aufkommenden Haftungsfragen zunächst die rechtliche Seite abklären. „Es sind noch einige Fragen offen“, sagt der Böbinger Gemeindechef. Die Tendenz sei allerdings, „dass das Floß wieder in den See reinkommt“.

Schongau

Auch am Schongauer Lido wäre die Enttäuschung groß, wenn die Badeinsel und der Steg nicht mehr zur Verfügung stehen. Mit Hilfe der Wasserwacht werden sie vor Einbruch des Winters aus dem Lechstausee geholt und eingelagert. Bevor Insel und Steg im Frühjahr wieder ins Wasser befördert werden, will sich auch die Stadt Schongau mit der Haftungsfrage befassen. „Das steht bei uns ganz oben auf der Agenda“, versichert Thomas Ola vom Schongauer Stadtbauamt.

Weilheim

Über einen Abbau des hölzernen Badefloßes am Dietlhofer See macht man sich bei der Stadt Weilheim derzeit noch keine Gedanken. „Geplant ist, dass demnächst wieder ein Floß aufs Wasser kommt. Das Alte war beschädigt und soll durch ein Neues ersetzt werden“, sagt Werner Köstler vom Stadtbauamt.

Einen Sprungturm gibt es vor Ort schon längere Zeit nicht mehr. Im Jahr 2009 hatten rund 50 Jugendliche die Anlage zum Kippen gebracht. Da zunächst unklar war, ob einer oder mehrere Schwimmer untergegangen waren, rückten Polizei, Feuerwehr und das Rote Kreuz aus. Nach einigen Stunden war klar, dass es keine Verletzten gab – doch die Aktion hatte ein Nachspiel: Der Turm wurde entfernt.

Vilgertshofen

Durch eine aktuelle Mitteilung der der Bundesarbeitsgemeinschaft Deutscher Kommunalversicherer (BADK) aufgeschreckt, musste der Gemeinderat im Februar die Haftung am Eichensee diskutieren, schreibt die Gemeinde Vilgertshofen auf ihrer Internetseite. Das traurige Resultat: Das Sprungbrett am Eichensee musste beseitigt werden, da es nicht den haftungsrechtlichen Anforderungen für Badeweiher entspreche.

„Dafür verantwortlich sind aber keine neuen Regelungen aus Brüssel oder Berlin, sondern diverse Klagen vor deutschen Gerichten. So wurde die Stadt Bad Aibling zu einer Entschädigung verurteilt, weil sich ein Badegast beim Sprung vom Ein-Meter-Brett in das zu wenig tiefe Schwimmbecken verletzt hatte“, heißt es weiter auf der Homepage der Gemeinde Vilgertshofen.

Fischen/Aidenried

Am Erholungsgelände Aidenried am Ammersee bei Fischen/Aidenried bleibt erst einmal alles so, wie es ist. Wie der Pähler Bürgermeister Werner Grünbauer erklärt, gebe es dort einen hölzernen Steg. Ab Mai soll zudem eine Badeplattform ins Wasser gelassen werden. „Wir müssen uns in nächster Zeit noch intensiv mit dem Thema befassen und dann entscheiden“, so Grünbauer.

Landratsamt

Beim Landratsamt in Weilheim sieht man die Lage derweil entspannt: Wie Hubert Kergl von der Bauverwaltung auf Anfrage mitteilte, sind Sprungtürme und Rutschen, die der Freizeitgestaltung dienen, in der Regel genehmigungsfrei. Eventuell müssten sie vom TÜV abgenommen werden. Für die Verkehrssicherungspflicht seien die Gemeinden selbst verantwortlich.  

ms/gre/nema/set

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