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Auch bei ihrem zweiten Auftritt in Schongau vermochten (v.l.) Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg, das Publikum mit ihren „Opern auf Bayrisch“ zu begeistern.

Opern auf Bayrisch

„Du unverschämte Matz!“

Die „Opern auf Bayrisch“ sind ein Dauerbrenner. Zum zweiten Mal holte der Schongauer Theaterstadl das Ensemble um Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg ins fast voll besetzte Jakob-Pfeiffer-Haus. Das Publikum amüsierte sich königlich.

Schongau Als Lohengrin auf einem goldenen Floß durchs Wolkenloch im Zugspitzgrad entschwand, war im Publikum kein Halten mehr. Mit tosendem Applaus bedankte sich das Publikum für einen äußerst vergnüglichen Abend. Vorausgegangen war ein tolldreister Parforceritt durch die Operngeschichte. Die Texte in schönstem Bairisch, die Musik eine wilde Mischung aus Opernmelodien, Volksmusik und Schlager.

Die Idee, Opernhandlungen in den bayerischen Lebensraum zu verlegen, hatte Autor Paul Schallweg bereits in den 80er Jahren. Neu aufgelegt in der Besetzung mit den Schauspielern Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg sind sie nach wie vor ein Publikumsmagnet.

Den Anfang machte „Aida – oder das Liebesdrama vom Nil“. Hier nahte gleich zu Beginn ein Höhepunkt, als Michael Lerchenberg seine Liebesarie anstimmte. „Holde Aida, du machst mich so froh – Hollari und Hollariaho“, lautete der Refrain, der das Publikum lachen und Gerd Anthoff trocken feststellen ließ: „Jetzt is des Bier sauer word’n!“. Weiß doch inzwischen jeder, dass der Lieblingstrunk der Bayern im alten Ägypten erfunden wurde. Und dass die adeligen Damen vom Nil auch schon streiten konnten, wie die Waschweiber von der Isar, ist zwar nicht historisch verbrieft, aber umso lustiger.

Natürlich geht es um einen Mann, den Feldherrn Radames, der die Sklavin Aida und die Königstochter Ameris auf unschöne Art aneinander geraten lässt: „Du unverschämte, freche Matz!“ „Du hinterfotziges Luada!“ Was dann folgt, ist ein „affengeiler Klang“ – der Triumphmarsch, den die glänzend aufgelegten Musiker unter der Leitung von Andreas Kowalewitz mit einem schnöden „Ja, mir san mit’m Radl da“ würzen.

Ähnlich deftig geht es bei den „Meistersingern von Miesbach. Oder: Wia der Oberförster Stolz den Stadtschreiber Beck ausgstocha hat“ zu. Diesmal ist das schöne Everl das begehrte Liebesobjekt, das mit der Feuerwehrspritze gegen unerwünschte Fensterl-Versuche verteidigt wird. Beim „Lohengrin von Wolfratshausen – oder: Weil d’ Weiber oiwei ois wißn müaßn“ schwebt der mysteriöse Retter der Elsa auf einem Floß ein und macht eine „romantische“ Liebeserklärung: „Wenn’st magst, dann geh i jetzt mit dir!“

Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg liehen den Protagonisten ihre Stimme und lasen die Texte, eher statisch am Tisch sitzend, in wechselnden Rollen vor. Da wurde ab und zu einmal ein Arm gehoben oder die Hände gefaltet, um den mit schauspielerischem Timbre und unnachahmlicher Mimik in wechselnden Rollen vorgetragenen Geschehen mehr Nachdruck zu verleihen. Und manchmal mussten die Darsteller ob der ulkigen Textkapriolen selber schmunzeln.

Die heimliche Hauptrolle hatte Perkussionist Philipp Jungk, der als Ersatz für das kürzlich verstorbene, langjährige Ensemble-Mitglied Werner Hofmeister seinen ersten großen Auftritt mit den Opern auf Bayrisch meisterte. In nur einer Woche hatte er sich mit den Noten und unkonventionellen Instrumenten vertraut gemacht und setzte immer wieder witzige Akzente durch Hintergrundgeräusche oder Verkleidungen.

Mit einer Zugabe der Madame Butterfly in knapp zehn Minuten endete das humorvolle Spektakel, das laut Theaterstadl-Vorsitzenden Peter Mahl nur mit Hilfe von Sponsoren möglich gemacht werden konnte.

Ursula Fröhlich

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