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Ob mit oder ohne E-Bike: Radfahren ist seit Corona so gefragt wie noch nie.

E-Bike Boom

Verkaufshammer: „Akku leer“ bei vielen Händlern

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Bei manchen Händlern im Landkreis sind die Verkaufsflächen wie leergefegt, andere wiederum haben es geahnt und mehr Ware bestellt als je zuvor: Der unfassbare Run auf E-Bikes sprengt jede Vorstellungskraft. Wir haben bei verschiedenen Radhändlern in der Region nachgefragt.

Landkreis– „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Michael Weber macht seinen Job als Einkäufer im Bereich Fahrrad für die Kette Sport Conrad nun schon einige Jahre. Aber so etwas wie in diesem Jahr? „Wir sind überrannt worden und jetzt leer.“ Sicherlich hätte man auch in den vergangenen Wochen noch „brutal viel verkaufen können. Aber es ist nix mehr da“, berichtet der Einkäufer, der von Garmisch aus auch die Versorgung der Penzberger Filiale regelt. Ja, und auch der Einkauf für das nächste Jahr sei, als würde man in eine Glaskugel blicken. „Bei den Läden ist momentan eine gewisse Hysterie da“, befindet Weber. Aber: Wie um viel wird sich der Verkauf nach diesem Hammer-Jahr tatsächlich noch steigern?

In Peißenberg betreibt Sigi Schmid einen Fahrrad & Eishockey-Shop. Er hofft, dass es bald mit dem Eishackler-Geschäft losgeht. Denn E-Bikes hat auch er verkauft wie geschnitten Brot, jetzt sind die Lager leer und die Hersteller haben massive Lieferprobleme. Jetzt warten wir auf die Modelle aus dem Jahr 2021, die werden vorgezogen.“ Für ihn allerdings kein Wunder: Nicht nur wegen des Radel-Booms durch Corona: „E-Biken liegt eben einfach im Trend. Die Leute kommen überall relaxt hin, Knieproblem hin oder her.“

Corona befeuert Verkaufszahlen

Von Peißenberg geht es nach Peiting. Auch bei Sport Schuster wurde ein E-Bike nach dem anderen verkauft: „Klar, für die Leute hat sich der Kauf eines neuen Radels heuer angeboten, wenn sie ohnehin wegen Corona Urlaub daheim machen“, so Geschäftsführer Stefan Schuster. Er betont jedoch: Seine Kunden kaufen nach wie vor Touren-Bikes, City-Bikes, Renner, Mountain-Bikes, Trekking-Räder und auch Gravel-Bikes „sind super-stark nachgefragt“. Bei Sport Schuster würden 80 Prozent Fahrräder ohne Akku verkauft, rechnet Schuster vor. Zumindest kann Stefan Schuster, dessen Geschäft zur Intersport-Gruppe gehört, Entwarnung in Sachen Nachschub geben: „Wir kriegen noch viel geliefert.“ Das liegt daran, dass er bereits im Juli 2019 großzügig bestellt hat.

Ab Ende April 20 Prozent Neukunden mehr als üblich

Von Peiting aus geht es nach Schongau zu Fahrradhändler Helmut Lerf. Auch bei ihm „kam die Anfrage in diesem Jahr sehr geballt“. Ab Ende April konnte er rund 20 Prozent Neukunden mehr als üblich verzeichnen.

Nach dem großen Run im April kam dann ein Zusammenbruch Ende Mai: „Wir sind in ein Industrieloch geraten“, sagt Lerf. Will meinen: die Globalisierung hätte sich in der Vernetzung der Zulieferer bemerkbar gemacht.

Nachbestellen wird schwierig

Und weil die eben oft aus Asien kommen, wo die Wirtschaft noch vor der europäischen zusammengebrochen war, ging bei vielen Herstellern nichts mehr. Lerf spricht von einer „Corona-bedingten Ketten-Reaktion“. Bis März waren die Lieferungen gesichert, danach ging fast nichts mehr. Bei manchen Herstellern gäbe es gar „endlose Rückstände“ bei der Lieferung. Übrigens: Auch bei Helmut Lerf geht es noch eher sportlich zu. E-Bikes machten nur einen Teil seiner verkauften Ware aus.

Ganz anders bei „E-Motion“ mit Sitz in Fuchstal im Lechrain. Der Verkauf: „Nach Corona mega-krass. Jetzt hat es sich wieder in Richtung Normalität eingependelt“, berichtet Geschäftsführerin Regina Renz. „Wir sind immer noch gut sortiert“, bekräftigt sie – an die 100 E-Bikes gibt es noch im Laden und im Lager. Renz freut sich: „Ich habe so etwas geahnt und rechtzeitig bestellt.“

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