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Die Katzen-Quarantäneboxen im Schongauer Tierheim (links Leiterin Elke Keller) konnten mit Unterstützung der Spende bezahlt werden.

Ein Jahr danach

Wie die Boneberger-Spende geholfen hat

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Dank der Boneberger-Spendenaktion können jedes Jahr Menschen aus dem Schongauer Land, die dringend Hilfe brauchen, oder Vereine und Institutionen unterstützt werden. Wir wollten wissen, wie es den Spendenempfängern aus dem Vorjahr ergangen ist.

Weilheim-Schongau– Es war ein Horror-Unfall: Die Seitenklappe eines Anhängers hatte sich während der Fahrt geöffnet und war direkt ins Führerhaus von Georg Strauß geprallt, der mit seinem Lkw der Firma Drosdz just in diesem Moment entgegenkam. Der 36-jährige Peitinger verlor dabei ein Auge, musste seitdem neun Mal operiert werden. Auch wenn man die schwere Verletzung immer noch deutlich sieht, ist Strauß zufrieden mit den kosmetischen Arbeiten: „Es ist schon toll, was die Medizin kann.“ Nur sein Auge, das war nicht mehr zu retten. Weil es wie so oft im Anschluss Probleme mit der Krankenkasse gegeben hat, waren die 5000 Euro aus der Spende ein willkommener Puffer, um Zeiten ohne Geldeingang überbrücken zu können.

Denn finanziell ist es weiter knapp. Ehefrau Christin, die sich eigentlich um die drei und fünf Jahre alten Kinder kümmert, hat zwei Jobs morgens und abends angenommen, um etwas dazuzuverdienen. Denn er darf auf ärztliche Anweisung noch nicht arbeiten, noch nicht einmal Sport treiben, auch wenn ihm daheim manchmal die Decke auf den Kopf fällt. Deshalb wartet er sehnlich darauf, bei Drosdz wieder einsteigen zu können. Auch wenn er nicht mehr am Lkw-Steuer sitzen darf – „Bagger oder Stapler fahren, was eben geht“, sagt Strauß. Bis dahin hat er aber noch einige Operationen zu überstehen, auch das andere Auge macht durch die Überbelastung manchmal Probleme. „Aber die Kinder lenken mich ab, und Familie, Freunde und Bekannte helfen uns sehr“, sagt Strauß.

-Wegen eines Missverständnisses stand Landwirt Josef Hiltensberger (54) aus Steingaden-Riesen vergangenes Jahr kurz vor Weihnachten plötzlich vor einer 2000-Euro-Rechnung für eine Betriebshelferin, die die Krankenkasse nicht bezahlen wollte und er nicht konnte. Seine 42-jährige Frau Martina war nach der Geburt der Tochter schwer am Herzen erkrankt, hatte absolutes Arbeitsverbot und war erst im Frühjahr wieder so weit hergestellt, dass sie sich zumindest um den Haushalt kümmern konnte. Dank der Spende konnte die offene Rechnung bezahlt werden, das Weihnachtsfest war gerettet.

Doch die Belastung war auch danach hoch. Hiltensberger musste den ganzen Hof mit insgesamt 45 Stück Vieh alleine stemmen, weil dieses Mal eine Betriebshelferin zwar genehmigt und auch für 30 Stunden pro Woche bezahlt worden wäre, aber niemand zur Verfügung stand und nur zwei Nachmittage abgedeckt werden sollten. Aber irgendwie ist es gegangen, und bald sollen auch wieder normale Zeiten einkehren. Denn Hiltensberger hatte sich im Frühjahr noch beim Fingerhakeln eine Sehne gerissen, ließe sich wegen der vielen Arbeit aber erst jetzt operieren. „Deshalb habe ich wieder für drei Wochen einen Betriebshelfer“, sagt er und bedankt sich nochmal herzlich für die Spende. „Wir bräuchten noch viel mehr, die sich so engagieren, zumal sich viele Menschen in Notlagen gar nicht melden.“

-Florence Loos aus Seeshaupt drohte vergangenes Jahr ebenfalls ein tristes Weihnachtsfest. Der alleinerziehenden Mutter eines herzkranken Kindes (11), die selbst immer wieder unter körperlichen und psychischen Problemen gelitten hat und deshalb meist auf Hartz IV angewiesen war, drohte, der Strom abgedreht zu werden. Die Firma Boneberger zahlte die ausstehenden Rechnungen in Höhe von 900 Euro. „Das hat ihr sehr geholfen“, sagt ihr gerichtlich bestellter Betreuer Manfred Kugler aus Altenstadt. Nur jobmäßig habe sich bei Loos leider noch nichts zum Besseren gewandt, sagte er.

-Auch das Tierheim Schongau wurde mit 1000 Euro bedacht, die zum Bau der Katzenquarantäne-Station mitverwendet wurden, sagt Tierheim-Leiterin Elke Keller. „Allein die Boxen sind sehr teuer“, sagte sie.

-Der Theaterverein Treibhaus hat mit der 500 Euro-Spende wie angekündigt die Bewohner im Peitinger AWO-Seniorenheim glücklich gemacht. Man wollte Theater auch für ältere Menschen und für Menschen mit Behinderungen ermöglichen. Rund 40 Bewohner genossen bei der Revue „Stationen eines Lebens“ ausgewählte Sketche und Musikstücke der jungen Theaterer. „Sollte sich wieder die Gelegenheit ergeben, wird es sicherlich eine Wiederholung der Initiative für die Bewohner im Seniorenzentrum Peiting geben“, sagte Treibhaus-Sprecher Rijkert Kettelhake. Auch ein Auftritt des Nonnenchores der neuen Produktion „Sister Act“ wird erwogen, möglicherweise auch in anderen Seniorenheimen.

-Schließlich hat der Verein Support endlich sein ambitioniertes Repair-Café gestartet, bei dem Ehrenamtliche defekte Geräte und liebgewonnene Sachen reparieren. Mit den 500 Euro durch die Spende.

Endspurt bei der Spenden-Bewerbung

Zahlreiche Vorschläge, wie die 15.000-Euro-Spende der Metzgerei Boneberger am besten verwendet werden könnte, sind nach dem ersten Aufruf vor einer Woche bereits bei den Schongauer Nachrichten eingegangen. Doch noch ist Zeit: Kennen Sie jemanden, der in einer Notsituation steckt und dringend finanzielle Hilfe braucht? Der gesundheitlich beeinträchtigt ist und sich eine kleinere Erleichterung des Alltags nicht leisten kann? Oder einen Verein oder eine Institution, die ein gewünschtes Projekt nicht umsetzen kann, weil die Mittel fehlen? 

Dann sind Sie bei uns richtig: In Zusammenarbeit mit Michael Walk, Chef der Metzgerei Boneberger, der bereits zum sechsten Mal in der Vorweihnachtszeit diese Summe für den guten Zweck zur Verfügung stellt, suchen die SN jemanden, den sie unterstützen können. Dabei können Freunde oder auch entfernte Bekannte vorgeschlagen werden – sie müssen gar nicht unbedingt erfahren, von wem der Tipp kam. Einfach die Vorschläge an die Schongauer Nachrichten schicken, Liedlstraße 11, 86956 Schongau oder per E-Mail an lokales@schongauer-nachrichten. de. Einsendeschluss ist Montag, 18. Dezember.

Freuen sich auf viele Vorschläge für die Verwendung der Spendensumme: Boneberger-Chef Michael Walk (r.) und SN-Redaktionsleiter Boris Forstner.

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