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Familie Theuer l-Cazacu vor ihrer Wohnung in Schongau-West. Bis zum 11. Oktober muss sie dort endgültig ausgezogen sein. Noch weiß sie nicht wohin. 

Ein Lichtblick für Familie Theuerl

Zwangsräumung für  Schongauer Familie vorerst abgewendet

Anfang August stand bei der Familie von Matthias Theuerl der Gerichtsvollzieher vor der Tür. Bis spätestens Ende des Monats sollte sie (wegen Mietschulden) aus ihrer Wohnung in der Hans-Böckler-Straße in Schongau-West ausziehen, andernfalls werde die Zwangsräumung vollzogen. Doch es kam anders.

Schongau – „Nur noch ein Wunder kann uns retten“, hatten Matthias Theuerl und seine Lebensgefährtin Sabrina Sacazu vor vier Wochen verzweifelt gefleht. Sie wussten keinen Ausweg mehr. Er arbeitslos, kein Geld für die Miete und drei kleine Kinder im Haus. Für 30. August war die Räumung ihrer Wohnung angesetzt. Die fünfköpfige Familie sollte ausziehen. Der Grund für die Kündigung waren Mietschulden.

Plötzlich bekam Matthias Theuerl am Abend vor der geplanten Zwangsräumung einen Anruf. Die überraschende Nachricht: „Sie müssen morgen nicht aus der Wohnung ausziehen“. Das teilte Kurt Konrad vom Schongauer Wohnungsamt dem dreifachen Familienvater mit.

Die für den Auszug fertig gepackten Kisten räumte das Paar jedoch nicht wieder aus. Denn der gestellte Räumungsschutzantrag wurde lediglich verlängert und auf den 11. Oktober aufgeschoben. An diesem Termin muss die Familie endgültig ihre Mietwohnung verlassen haben. Das ist sicher.

„Wir sind sehr dankbar für die Hilfe von Herrn Konrad, doch trotzdem bleibt die Ungewissheit, wie es nach dem 11. Oktober weitergeht“, schildert Matthias Theuerl seine aktuelle Situation.

Nicht nur Kurt Konrad, sondern auch die Betroffenen selbst sind auf ständiger Wohnungssuche. Doch das ist nicht einfach in der heutigen Zeit. Nun ist Durchhaltungsvermögen gefragt, und es bleibt abzuwarten, welche Wohnmöglichkeit sich für die Familie bietet.

„Fälle von Zwangsräumungen kommen im Stadtgebiet immer wieder mal vor“, erklärt Yvonne Voigt, Sprecherin der Stadt Schongau. Werden die Betroffenen am Tag der Zwangsräumung tatsächlich obdachlos, erfolge die Unterbringung möglichst in einer städtischen Wohnung oder einer Notwohnung der Obdachlosenunterkunft. Die Stadt sei verpflichtet, eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen, die geeignet sei, Gefahren für Leib und Leben abzuwenden. Voigt: „Häufig lassen sich aber vor der Zwangsräumung andere Wege finden, beispielsweise durch eine Aufnahme im Familien- und Freundeskreis.“

Wichtig für Matthias Theuerl: Die drei gemeinsamen Kinder Jeremy (7), Dean (5) und Marina (3) dürfen weiterhin bei ihren Eltern bleiben. „Solange wir eine Wohnung haben, sieht das Jugendamt keinen Grund, uns die Kinder wegzunehmen. Die Leute dort kennen uns und wissen, dass wir keine schlechten Eltern sind.“

An vorderster Stelle steht jetzt das Finden einer passenden Wohnung für die Schongauer Familie. „Alle beteiligten Stellen sind hoch aktiv, um eine Lösung zu finden“, hatte es immer wieder geheißen.

Und wie sieht es um einen Arbeitsplatz für Matthias Theuerl aus? Er hat keine abgeschlossene Ausbildung. Bei Hoerbiger hat er schon mal einen Ferienjob ausgeübt. Bereits vor vier Wochen kam von der Firma ept aus Peiting das Angebot, dass sich der arbeitslose Familienvater dort um einen Arbeitsplatz bewerben könne. Bisher ist das offenbar noch nicht geschehen.

Matthias Theuerl hat sich jetzt aber fest vorgenommen, dies nachzuholen. Am liebsten würde er in der Metallbranche arbeiten. Deshalb will er sich bei den Unternehmen Hirschvogel, Hoerbiger und ept um einen Ausbildungsbildungsplatz bewerben.

Mit seinen 28 Jahren kann Theuerl noch voll anpacken. Schließlich will er seine Familie aus eigener Kraft ernähren und nicht immer nur auf die Hilfe des Staates angewiesen sein.

Miriam Schäfer

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