Das Wirte-Paar Eva und Robert Astleitner von der „Zauberhütte“ in Birkland.
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Im Sommer waren Eva und Robert Astleitner von der „Zauberhütte“ in Birkland noch guter Dinge. Das hat sich mit dem neuerlichen Lockdown geändert.

Vierwöchige Zwangspause

Wirte ärgern sich über Corona-Lockdown - „Eine Sauerei, die keiner mehr nachvollziehen kann“

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Kopfschütteln, Wut, Resignation, manchmal auch ein Funke Hoffnung: Die Gefühlswelt der Wirte aus dem Landkreis ist mit der Entscheidung für einen neuerlichen „Lockdowns light“ außer Rand und Band. Wir haben nachgefragt, wie unsere Gastronomen die vierwöchige Zwangspause sehen.

„Zauberhütte“ Birkland: Der „finanzielle Wahnsinn“ ist der neuerliche Lockdown für „Zauberhütten“-Chef Robert Astleitner. Mit den bislang geltenden Beschränkungen hätte er noch leben können. Aber so? „Das ist, als täte dir jemand das Haus niederbrennen. Du versuchst es wieder aufzubauen. Und dann brennt man dir die Bude wieder nieder“, schildert er, wie er als Wirt die Zeit vom ersten Lockdown bis jetzt erlebt. Dass er sich als Gastronom an alles gehalten hat und jetzt dicht machen muss: Das ist ihm um so weniger schlüssig, als dass in Kirchen weiterhin Gottesdienste gefeiert werden dürfen. Bei so viel Ungerechtigkeit, da fehle selbst dem größten Optimisten irgendwann die Motivation. „Du wirst bestraft dafür, dass du alles richtig gemacht hast.“ Das mit den 75 Prozent Ausgleichszahlung, findet Astleitner „sehr schwammig“.

Gasthaus „Sonne“ in Peißenberg: „Was da abläuft, ist eine Frechheit!“ Chefin Katharina Haller ist stinksauer. Alle Wirte hätten erst investieren müssen und jetzt das: Gleich vier Wochen ist der Laden dicht, „ich bin von zwei Wochen ausgegangen“. Weiter stört sie sich an der Formulierung „vorerst“. Geht den Wirten auch noch der Dezember flöten, dann sei das „der finanzielle Super-Gau“. Und die 75 Prozent Ausgleichszahlung? Haller winkt ab – sie glaubt noch nicht daran, dass das mit der Staatshilfe so leicht geht.

„Zechenschenke“ Peiting: Stinksauer ist auch „Zechenschenken“-Wirt Peter Egger. Dass man ihm den Laden wieder komplett dicht macht: „Der reine Wahnsinn“. Alle Hygiene-Standards hätte man eingehalten, große Einbußen hingenommen. Und dann das. Egger hat „eine Mords- Wut im Bauch“. Er spricht von einer „Sauerei, die keiner mehr nachvollziehen kann“. Hinzu kommt: Jeder Gastronom hat einige Angestellte. „Und die stehen jetzt wieder da und haben nichts.“ Und das in einer Branche, in der gutes Personal ohnehin schwer zu finden ist. Egger will versuchen, wieder Essen „to go“ anzubieten.

„Peramarta“ in Wildsteig: Bis zuletzt hatte „Peramarta“-Inhaberin Veronika Kößl auf ein gutes Ende gehofft. Das Café in Wildsteig ist ein beliebtes Ausflugsziel. Das mit dem Essen „to go“ hat die Jung-Unternehmerin (28) bereits beim ersten Lockdown getestet. Doch gerade wegen der ländlichen Lage läuft das mit dem Essen zum Mitnehmen nicht so gut. Die Bank muss trotzdem bedient werden. Klar: „Wenn man so jung ist, hat man noch nicht so viele Rücklagen.“ Dafür Investitionen. Und auch die zwei Konditor-Lehrlinge wollen versorgt sein.

Gasthaus Eibenwald in Paterzell: Wenn Wirtin Uschi Daisenberger an das vergangene Wochenende denkt, ist ihr die Sache mit dem Lockdown light ganz klar. Völlig überlaufen sei der Eibenwald da als Ausflugsziel gewesen. Gestapelt hätten sich die Leute, „die Regelungen haben wir fast nicht mehr einhalten können“. Unverschämt und unvernünftig seien die Besucher gewesen. Sie erzählt von Maskenverweigerern und völligem Unverständnis der Ausflugsgäste für so manche Regel. „Es ist zugegangen wie auf dem Rummel.“ Für dieses Verhalten der Gäste müssten jetzt die Wirte die Rechnung tragen. Essen „to go“: Ist in Planung.

„Hoisl-Bräu“ in Penzberg: Auch hier ist man über die Totalschließung nicht „amused“ – zumal es das Gasthaus mit angeschlossenem Hotelbetrieb gleich doppelt trifft. „Gerade jetzt, wo sich die Leute wieder reingetraut haben zu uns“, sagt Chefin Maria Dehmelt. Lüften, Abstand, Desinfektion: Alles hätte man gut hinbekommen. „Und jetzt werden wir wieder abgestraft.“ Bei aller Verzweiflung ist der neuerliche Lockdown für die Wirtin mental besser zu verkraften, als der erste im Frühjahr: „Wir haben die Aussicht auf Ende November.“ Der Sommer sei gut gelaufen, „wir können das schaffen“.

„Trifthofstüberl“ Weilheim: Tritfthofstüberl-Leiterin Anna Rauch hielt die Schließung erst für einen Scherz. „Wir haben zu kämpfen“, sagt sie auch mit Blick auf das ausbleibende Weihnachtsgeschäft. Vor allem wegen der niedrigen Infektionszahlen im Gastro-Bereich: Kopfschütteln.

„Ballenhaus-Café“ in Schongau: Für die Betreiber des Schongauer Cafés kam die Schließung unerwartet. „Alle Geschäfte sind offen, und wir müssen zumachen, obwohl wir alle Hygiene-Vorschriften und Abstand eingehalten haben“, spricht Konstanine Saradakis für die ganze Familie, die auch noch die Gaststätte „Olympia“ in Schongau betreibt. Sie vermutet: „Wenn die Leute nicht zum Kaffeetrinken gehen, treffen sie sich eben daheim.“

Gasthof „Hetten“ in Hohenpeißenberg: Beim „Hetten“ setzt Familie Britzger auf die Zukunft. „Lieber jetzt zu als im Dezember“, sagt Wirt Michael Britzger. „Weil wir hoffen doch, dass wir dann wieder Gas geben können.“ Bis es so weit ist, gibt es auch hier Essen zum Mitnehmen.

„Zur Post“ in Peißenberg: „Keiner ist begeistert“, sagt Chefin Maria Spirkl. „Aber, wenn es hilft, dass wir alle gesund bleiben, dann müssen wir auf irgendwas verzichten.“

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