Eva Maurer (li.), Inhaberin von „Eva Maurer Moden“, in ihrem Laden in Schongau
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Eva Maurer (li.), Inhaberin von „Eva Maurer Moden“ hat kaum Kundschaft, seit Schnelltests Pflicht sind.

„Die Leute haben die Nase voll“

Einkaufen mit Corona-Testpflicht: Schongauer Einzelhändler klagen über ausbleibende Kunden

  • vonRafael Sala
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Inhaber von Modegeschäften gehören zu den Leidtragenden der Corona-Krise. Ihre Waren gelten als „nicht systemrelevant“ für den Kauf vor Ort. Seit Schnelltests dort und in anderen Läden Pflicht sind, purzeln die ohnehin schwachen Umsatzzahlen weiter in den Keller. So mancher denkt darüber nach, hinzuwerfen.

Schongau – Die Resonanz ist gleich null. Wer den Laden von Eva Maurer, Inhaberin des Geschäfts „Eva Maurer Moden“ in Schongau, betreten will, muss einen negativen Schnelltest vorweisen – so wie in allen anderen Geschäften, deren Branchen in Corona-Zeiten als „nicht systemrelevant“ eingestuft sind. Doch niemand lässt sich blicken. Es herrscht gähnende Leere an diesem Samstag – und das schon seit Stunden, Tagen. „Es kommt so gut wie keiner“, konstatiert die Unternehmerin. Sie sagt es neutral, will sich nicht beklagen, versucht sich zu beherrschen – doch die Verbitterung ist deutlich herauszuhören.

Schon vor der Einführung der Testpflicht im April lief es mau – doch immerhin: Die weniger strengen Auflagen und das System mit den Terminvergaben haben da wenigstens noch den ein oder anderen Kunden gebracht. Jetzt aber herrscht Ebbe. Kein einziger Euro klingelt in der Kasse. Warum das so ist? Maurer denkt kurz nach und sagt dann bestimmt: „Weil die Leute die Nase voll haben.“ Einkäufe seien nicht mehr planbar, wenn sich Auflagen täglich änderten und Konsumenten heute nicht wüssten, welche Geschäfte sie morgen aufsuchen dürfen und welche nicht. „Wenn die Zeiträume wenigstens genau definiert wären, dann wäre das schon mal was“, findet sie.

Auch Tina Kraut, Inhaberin von „La Vie“, klagt über ausbleibende Kundschaft.

Zum Beispiel die Regelung: Vier Wochen haben diese und jene Geschäfte offen, je nach Branche, an anderen Wochen dann andere. „Dann würde zumindest Eindeutigkeit herrschen, jeder wüsste, wann er kommen darf und wann nicht.“ Oder wenn klar wäre: Bis Herbst bleiben die Ladentüren geschlossen, aber dann öffnen sie sich wieder. Und zwar definitiv. Das könnte sie akzeptieren und mittragen. Doch so? Ein Jahr hält sie noch durch, schätzt Maurer, die zwei Mitarbeiter beschäftigt. „Doch noch einmal mache ich das nicht mit.“ Und – bei positivem Ergebnis – einen PCR-Test hinterherschieben und sich in Quarantäne begeben? Wer macht das schon – wegen einem Kleid?

„Wenn sich viele impfen lassen, wird es besser“

Auch im Modegeschäft „La Vie“ ist es um Kundschaft schlecht bestellt. Das gleiche Ergebnis, die gleichen Worte. „Keiner kommt“, sagt Inhaberin Tina Kraut. „Ich mache kaum Umsätze.“ Das Gespräch findet draußen statt – mit einem Abstand von guten zwei Metern. Nicht, weil Angst vor Ansteckung im Spiel wäre, sondern wegen den strengen Auflagen. Jemand könnte einen Verstoß wittern und die Polizei rufen. Jeder muss in Corona-Zeiten damit rechnen, von einem anderen denunziert zu werden. Doch Kraut ist insgesamt optimistisch: „Wenn sich viele impfen lassen, wird es besser.“ Vom Internet profitiert sie nicht, denn ihre Ware ist exklusiv, nicht von der Stange. Es kommt auf die persönliche Nähe an. Das macht Geschäfte wie das von Kraut und Maurer so wertvoll. Nicht jeder will den anonymen Massenmarkt im Internet.

Dabei ist die Bereitschaft nach Schnelltests insgesamt gar nicht so gering in Schongau. In der „Brunnen-Apotheke“ hat jeder, der möchte, die Möglichkeit dazu. Rund 30 Tests täglich nehme er nach Terminvergabe vor, schildert Filialleiter Uwe Janssen. „Es läuft gut, aber wir haben noch Kapazitäten.“ Je nach Wunsch macht er Abstriche in der Nase oder im Rachen, die Präzision bei den Ergebnissen sei nahezu identisch. Gerade eben kommt wieder ein Testwilliger rein. „Kommen Sie in zehn Minuten wieder“, sagt Janssen.

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