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Bei der Diskussion im Ballenhaus. Hinten am Mikro Standortberater Manfred Heider. tfu

Einzelhandelskonzept

Die Mittags-Öffnungs-Frage

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Nach der Vorstellung der ersten Erhebungen beim Schongauer Einzelhandelskonzept (wir berichteten) gab es eine ausführliche Diskussion – mit einem dominierenden Thema: die nach Meinung vieler mangelhaften Öffnungszeiten.

Schongau – Die erste Frage nach dem Bericht von Standortberater Manfred Heider löste gleich ausführliche Diskussionen im Ballenhaus aus: Die Mitarbeiterin einer Bäckerei in der Münzstraße berichtete, dass sich oft Kunden beschweren, weil Geschäfte über Mittag nicht aufhaben oder sogar den ganzen Mittwochnachmittag geschlossen sind. „Die wollen einkaufen und wissen nicht, was sie in der Zeit machen sollen“, sagte sie.

Für Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) keine neue Erkenntnis. „Ich bekomme solche Beschwerden x-Mal im Jahr.“ Deshalb wiederholte er seinen Appell, die Öffnungszeiten einheitlich und durchgehend zu gestalten, den er schon oft ausgesprochen hat und der genauso oft ungehört verhallt ist. „Das Ziel muss es sein, dass sich der Kunde keine Gedanken mehr machen muss, wer offen hat und wer nicht“, so Sluyterman – was bei den derzeitigen Öffnungszeiten wahrlich nicht einfach ist. Was ihm am meisten wurmt: in der Kreisstadt Weilheim gebe es Filialen von Geschäften, die auch in Schongaus Altstadt ansässig sind – und hier, im Gegensatz zu Weilheim, mittags zumachen.

In Weilheim offen, in Schongau zu

Den Vorwurf „hören wir immer wieder“, entgegnete Franz Köpf, Chef der Werbegemeinschaft Altstadt. Doch es komme eben auf die Struktur des Geschäfts an: „Bei einem Filialisten gibt es keinen Personalmangel. Aber wir haben viele inhabergeführte Geschäfte. Da kann man nicht jemanden an die Kasse setzen, der keine Ahnung hat, wenn der Chef in Mittagspause geht.“ Bei solchen Geschäften mit wenigen Mitarbeitern „geht dem Besitzer ein Stück Lebensqualität verloren. Das ist für uns ein Problem.“ Man könne Schongau mit seinen individuellen Läden nicht mit anderen Innenstädten vergleichen.

Beatrice Amberg von der Gruppierung Schongau belebt schlug vor, die Öffnungszeit stattdessen von 9 Uhr auf 9.30 oder 10 Uhr zu schieben. „Dann hat man schon wieder einiges gewonnen.“ Sluyterman betonte, in der Altstadt arbeiten 550 Menschen. „Die wollen etwas essen und auch einkaufen – viele können nicht begreifen, warum mittags reihenweise Geschäfte geschlossen haben.“ Auch Johanna Bystry forderte, man müsse sich über die Mittagsöffnungszeiten Gedanken machen: „Das hat sich einfach geändert. Dass Geschäfte noch am Mittwochnachmittag geschlossen sind, ist wie in den 50er Jahren.“

Öfter zu am Mittwochnachmittag?

Standortberater Heider, der stets sehr diplomatisch auftrat, obwohl er vermutlich deutliche Worte finden könnte, drückte es vorsichtig aus: „In jeder Stadt gibt es inhabergeführte Geschäfte, das ist natürlich ein Spagat.“ Aber man müsse das lösen. Dass es noch Läden gibt, die Mittwochnachmittag geschlossen haben, sah Heider kritisch: „Da dürfte es nicht mehr viele in Bayern geben.“

Die Wortmeldung von Rene Repper, Vorsitzender des Handelsverbands in Schongau, dürfte da nicht unbedingt auf Begeisterung stoßen. Er habe Geschäftsleute in der Altstadt zu den Öffnungszeiten befragt, „und ein Viertel überlegt, auch am Mittwochnachmittag zu schließen. Wir selbst übrigens auch.“ Es fallen einfach höhere Personalkosten an, und außerdem: „Banken, Landratsamt und auch das Rathaus haben am Mittwochnachmittag geschlossen. Warum sollen wir aufmachen?“ „Das ist natürlich Ihre unternehmerische Entscheidung, aber wir werden darüber nachdenken“, erwiderte Sluyterman.

Er machte aber gleich das nächste Fass auf – den Samstag. „Da machen viele Geschäfte auch schon um 12.30 Uhr zu. Aber das Leben hat sich geändert.“ Viele Bürger würden lange ausschlafen und sich erst am späten Vormittag zum Bummeln in die Geschäfte aufmachen. „Die stehen dann schnell vor verschlossener Tür, während in Schongau-West um 16 Uhr noch der Bär steppt.“ Das Schlusswort gehörte schließlich Köpf – mit einer listigen Aussage: „Bevor wir am Mittwochnachmittag schließen, machen wir mittags auf“, sagte er unter dem Gelächter der Besucher.

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