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Bürgermeister Falk Sluyterman am Heiligen Abend als Gratulant für das Ehepaar Elisabeth und Werner Pohl aus Schongau.

Elisabeth und Werner Pohl aus Schongau

65 Jahre durch dick und dünn

Es gibt Anlässe oder Ereignisse im Leben, bei denen die Wertigkeit von Eisen weit über dem von Gold oder Diamanten liegt. Die Eiserne Hochzeit ist so ein besonderes Jubiläum, welches die diamantene um fünf, die goldene um glatte 15 Jahre übertrifft. Diesen außergewöhnlichen Tag durften Elisabeth und Werner Pohl aus Schongau feiern.

Schongau – Und das an einem ganz besonderen Datum. Die beiden gaben sich am Heiligen Abend vor 65 Jahren das Eheversprechen. Es ist die Frage aller Fragen, die Bürgermeister Falk Sluyterman an diesem stürmischen Vormittag neugierig macht. Ehrensache, dass er sich selbst an diesem Tag die Zeit genommen hat, Glückwünsche zu übermitteln. Nicht nur die der Stadt samt Blumen für die Jubilarin und Sekt für den Hausherrn. Der Bürgermeister setzt noch eins drauf. Er überbringt Glückwünsche und Präsent des bayerischen Ministerpräsidenten Söder.

Doch dann will Sluyterman des Rätsels Lösung erfahren, die ja noch unbeantwortet im Raum steht. „Die Schwester der Brautmutter sollte und wollte bei der Hochzeit unbedingt dabei sein. Zu dieser Tante Irma hatte Elisabeth ein ausgesprochen inniges Verhältnis“, erzählt Werner. Das Problem: Tante Irma war über den großen Teich nach New York ausgewandert und war nur kurz zu Besuch in München.

So blieb dem Bürgermeister nur der 24. Dezember für die Eheschließung. „Danach ging’s mit der Straßenbahn ins Franziskaner zum Weißwurstessen“, gibt Werner zum besten. Zwei Tage später dann die kirchliche Trauung in Don Pedro. „Mit weißen Teerosen für mich als Brautstrauß und einer weißen Fliege für Werner“, wirft die Jubilarin in die Runde ein.

Das Hochzeitsfoto vor 65 Jahren.

Das Jahr 1945. Die beiden werden aus ihrer Heimat vertrieben. Werner aus Liegnitz in Schlesien, Elisabeth aus Lodz in Polen. Nach verschieden Stationen der Flucht landen beide unabhängig von einander in Bischofsried bei Dießen in einer Einrichtung der Inneren Mission. „Beim Mittagessen hat’s mich durchzuckt, als ich diesen Lockenkopf sah“, erinnert sich Werner. Und „die oder keine“ war sein fester Entschluss. Es wurde „die“.

Übrigens gab es damals ein Festessen, an das sich Werner immer noch erinnert: Kartoffelbrei mit gerösteten Zwiebeln!

Nach seiner Ausbildung und dem Abschluss zum Landwirt siedelte Werner mit seiner Elisabeth nach Schongau um. Bis 1960 betrieb das Paar einen „Sinalco“-Getränkebetrieb und belieferte mit zwei Opel-Blitz die Kunden. Danach wechselte Werner die Produkte. Aus „Sinalco“ wurde „Wamsler“. Von Ulm bis Rosenheim versorgte er seinen Kundenstamm mit den bekannten Herden und Öfen.

Am Heiligen Abend haben die beiden Jubilare in aller Stille auf ihre gemeinsamen Jahre zurückgeblickt. Am Tag der kirchlichen Hochzeit, also zwei Tage später, wurde es dann etwas turbulenter. Da kamen die drei Töchter, sechs Enkelkinder und drei Urenkel mit Anhang. Dann wurde es bestimmt nochmal so turbulent wie vor 65 Jahren.

Hans-Helmut Herold

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