In der neuen Notaufnahme des Schongauer Krankenhauses: (v.l.) Oberarzt Innere Medizin Christian Sturm, Leitung Notaufnahme Marigona Berisha, Rettungssanitäter Stefan Konrad, Leiter der Notaufnahme, Oberarzt Richard Krammer, Rettungssanitäterin Hannah Jeschke und der Ärztliche Direktor Dr. Michael Platz.  Foto: KRANKENHAUS GMBH
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In der neuen Notaufnahme des Schongauer Krankenhauses: (v.l.) Oberarzt Innere Medizin Christian Sturm, Leitung Notaufnahme Marigona Berisha, Rettungssanitäter Stefan Konrad, Leiter der Notaufnahme, Oberarzt Richard Krammer, Rettungssanitäterin Hannah Jeschke und der Ärztliche Direktor Dr. Michael Platz.

Krankenhaus Schongau nach dem Covid-Ausbruch

Nach Monaten: Ende des Ausnahmezustands

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Die vergangenen Wochen und Monate waren schwer für alle im Schongauer Krankenhaus nach dem Corona-Massenausbruch unter Mitarbeitern und Patienten. Umso größer war jetzt die Freude und Erleichterung, dass der Regelbetrieb wieder vollumfänglich aufgenommen werden konnte.

  • Monate nach dem Corona-Massenausbruch ist das Schongauer Krankenhaus ab sofort wieder im Regelbetrieb.
  • Ein ausgefeiltes Hygienekonzept soll für höchstmögliche Sicherheit der Mitarbeiter und Patienten sorgen.
  • Es finden auch planbare Operationen statt, größtes Augenmerk wird darauf gelegt, dass sich die Mitarbeiter gegen Corona impfen lassen.

Landkreis – Ende Oktober herrschte Ausnahmezustand am Schongauer Krankenhaus. Nachdem immer mehr Mitarbeiter an Corona erkrankten, wies das Gesundheitsamt an, dass sämtliche rund 600 Klinikbeschäftigten getestet werden müssen. Danach riss die Kette an Hiobsbotschaften nicht ab. Bei immer mehr Mitarbeitern wurde das Virus nachgewiesen – am Ende mehr als 80. Auch Patienten wurden im Krankenhaus angesteckt, fünf Menschen starben.

Die Konsequenzen waren drastisch: Es gab erst einen Besucher-, dann einen Aufnahmestopp, die Geburtenstation wurde geschlossen, alle Mitarbeiter in häusliche Quarantäne geschickt, die sie nur verlassen durften, um im Krankenhaus zu arbeiten. Die Krankenhaus-Geschäftsführung schaltete selbst die Staatsanwaltschaft ein, um die fünf Todesfälle zu untersuchen. „Das hat uns alle aus der Bahn geworfen“, meinte der Ärztliche Direktor des Schongauer Krankenhauses, Michael Platz, in einer Videokonferenz zur Wiederaufnahme des Krankenhaus-Regelbetriebs. Die Untersuchungen würden zwar noch laufen, aber bislang habe es seitens der Staatsanwaltschaft keine Anhaltspunkte gegeben, ein Verfahren einzuleiten.

Trotz allem: Optimale Versorgung für Covid-Patienten auf der Intensivstation

In Schongau wurden nur noch Covid-19-Patienten behandelt, die teilweise aus dem gesamten Oberland verlegt worden waren. „Eine schwere Zeit“, sagt Platz. Die Betreuung der Covid-Patienten auf der Intensivstation in dieser schwierigen Situation sei ein „Kraftakt“ gewesen. Aber „wir konnten sie immer optimal versorgen“. Was auch daran lag, dass nur einer der Krankenhaus-Mitarbeiter einen schweren Verlauf der Covid-Infektion hatte und stationär behandelt werden musste.

Parallel dazu wurde ein, wie es Platz nennt, „beispielhaftes“ Hygienekonzept entwickelt und umgesetzt: „Das ist fast ’ne Bachelor-Arbeit“, so der Ärztliche Direktor. Das sorge auch heute dafür, dass der Sicherheitsstandard innerhalb der Krankenhäuser in Weilheim und Schongau „extrem hoch“ sei. Es hat gedauert, lange gedauert, die Krise in den Griff zu bekommen und langsam wieder zum Normalbetrieb im Schongauer Krankenhaus überzugehen. Doch Schritt für Schritt ging es weiter in Richtung Normalität.

Politischer Wunsch: Geburtenstation zuerst öffnen

Als eine der ersten Abteilungen wurde die Geburtenstation wieder geöffnet. Das war durchaus auch politischer Wille der landkreiseigenen Krankenhaus GmbH, so Platz: „Die Landrätin wollte, dass hier wieder Störche einfliegen können, wieder neue Landkreisbürger geboren werden können.“ Die zwischenzeitlich diskutierte Idee, für eine Übergangsphase die Geburtenstation nach Weilheim zu verlegen, sei verworfen worden, „weil unsere Hebammen hier lokal verwurzelt sind und wir ein ausgefeiltes Hygienekonzept erarbeitet haben, die für die Sicherheit der Mütter und Kinder sorgt“.

Man könne auch heute nicht ausschließen, dass das Covid-19-Virus von außen in das Krankenhaus hineingetragen werde, aber „wir haben ein System wie beim Brandschutz etabliert, um Ausbrüche schnell und konsequent einzudämmen“. Deswegen unternehme man auch gemeinsam mit dem Landkreis und den Johannitern immense Anstrengungen, um die Mitarbeiter der Krankenhäuser so schnell wie möglich zu impfen. „Rund 300 der über 1000 Mitarbeiter an beiden Standorten haben die erste Impfdosis bereits erhalten“, so Platz.

Mitten in der Krise: Notaufnahme wurde umgebaut

Und als ob das alles nicht schon aufregend und anstrengend genug war für die Mitarbeiter des Krankenhauses, liefen während der Krise auch noch die Bauarbeiten an der neuen Notaufnahme in Schongau weiter. „Die Arbeiter waren zwar verunsichert, aber durch einen gemeinsamen Kraftakt haben wir es termingerecht geschafft“, so der chirurgische Leiter der Notaufnahme, Richard Krammer. Die Modernisierung sei über Jahre geplant gewesen, „wir haben nicht den Aufnahmestopp genutzt, um schnell umzubauen“, stellte er klar. Aber jetzt gehe die Notaufnahme wieder in Betrieb, auch die Akutgeriatrie nahm in dieser Woche die Arbeit wieder auf.

Damit müssen ab sofort keine Patienten mehr an andere Krankenhäuser verwiesen werden: „Ob Leistenbruch, das gebrochene Bein, Gynäkologie, Zuckerentgleisung, Herzschwäche und Atemnot, oder auch Bandscheibenvorfälle und starke Rückenschmerzen – das Krankenhaus Schongau mit seiner neuen Notaufnahme steht bereit“, so Platz.

„Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um zu helfen“

Er versicherte, dass im Gegensatz zum Frühjahr, wo alle nicht unbedingt notwendigen Operationen Corona-bedingt abgesagt wurden, derzeit der Regelbetrieb aufrecht erhalten werde: „Wer Beschwerden hat, braucht keine Angst vor einer Infektion zu haben und kann sich an uns wenden. Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um zu helfen“, versprach der Ärztliche Direktor des Krankenhauses Schongau.

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